Musical-Projekt in Weißenfels

Musical-Projekt in Weißenfels: Eine Nacht mit der Königin

Weissenfels - Der Weißenfelser Verein music art probt für das erste eigene Stück. Jetzt hat die heiße Phase bis zur Premiere am 5. Mai begonnen.

Von Andreas Richter 19.02.2017, 16:01

Etwas unruhig rutscht er auf seinem Stuhl hin und her. Die Worte sprudeln förmlich aus ihm heraus. Marcus Herlt erzählt im Schnelldurchlauf. Dass er in Leipzig Lehramt Deutsch und Musik studiert. Dass er dort zwei Chöre leitet - den Kammerchor der Leipziger Volkssingakademie und den Polizeichor der Stadt. Der dritte Chor wartet an diesem Freitagabend im Weißenfelser Fürstenhaus auf ihn...

„Wir haben händeringend einen Chorleiter gesucht“, blickt Barbara Döring, Vorsitzende des Weißenfelser Vereins music art, zurück. Wie so oft half der Zufall. Im April letzten Jahres kreuzten sich die Wege des Studenten und der Vereinschefin. Der junge Mann erfuhr vom ehrgeizigen Musical-Projekt „Alban und die Königin“. Und er sollte bald Feuer und Flamme sein. „Ich bin überzeugt von dem Stück“, sagt der 28-Jährige heute und lobt die Zusammenarbeit mit dem Komponisten Reinhard Seehafer und Autor Kay Zeisberg. „Eine schöne Erfahrung“, findet er. Schließlich könne man mit den Schöpfern klassischer Stücke nicht mehr in den kreativen Austausch treten.

Lange hält es das Energiebündel nicht auf dem Stuhl. Schließlich wartet nebenan der Chor. Rund 50 Laienkünstler, für die an diesem Freitagabend ein ganzes Proben-Wochenende in Weißenfels beginnt. „Wir sind in der heißen Phase“ sagt Barbara Döring. Am 5. Mai ist im Kulturhaus Premiere für das erste eigene Musical-Projekt des Vereins. Danach folgen zunächst fünf weitere Vorstellungen. In den vergangenen Jahren hatte sich der Verein unter anderem mit Produktionen wie „Elisabeth - Die Legende einer Heiligen“ sowie „Tabaluga und Lilli“ einen Namen gemacht.

„Das ist jetzt eine ganz andere Hausnummer“, sagt Projektleiterin Barbara Döring. Ein eigens für den Verein geschriebenes Stück, dargestellt von einem Laienensemble (siehe Beitrag „Eine Reise in die Vergangenheit“). Im letzten Frühjahr hatte das Casting stattgefunden. Zwischenzeitlich wackelte die Finanzierung des Projekts, weil beantragtes Fördergeld vom Land und von Lotto-Toto nicht kam. Die Kartenpreise mussten angehoben werden. Doch Barbara Döring will jetzt nicht mehr so viel vom Geld reden. Schließlich ist das 100-köpfige Musical-Team voll fokussiert auf den Tag der Premiere.

Im Fürstenhaus, in dem sie sich an jedem Freitag treffen, herrscht auch an diesem Abend eine schöpferische Atmosphäre. In einem Nebenraum werden die Tanzszenen mit dem Weißenfelser Tanzstudio Lattermann abgesprochen. Und Chorleiter Marcus Herlt will wieder das Beste aus den Sängerinnen und Sängern herausholen. Lockerung des Körpers, Atemübungen stehen am Anfang. Locker und konzentriert zugleich geht der dreifache Chorleiter an seine Aufgabe. „Bitte mal den Bach rausholen...“. Jetzt wird es ernst. Die ersten Töne hallen durch den prunkvollen Saal im Fürstenhaus.

Es ist eine bunte Truppe, die sich da zusammengefunden hat. Maxi Stegmann gehört dazu. Die 27-Jährige ist Logopädin und Musiktherapeutin und kommt jedes Mal aus Leipzig zu den Proben in Weißenfels. „Gesang ist mein Hobby. Ich hab’ mich schon als Kind mit Musik beschäftigt“, erzählt sie. Als Zuschauerin hat sie bei „Starlight Express“ in Bochum erste Bekanntschaft mit einem Musical gemacht. Jetzt singt die junge Frau im Chor und spielt bei „Alban und die Königin“ Justine Schütz, die Schwester des Komponisten Heinrich Schütz.

Eine der ältesten im Musical-Chor ist Renate Heinzel. Stolz erzählt die 76-Jährige, dass sie schon bei „Tabaluga und Lilli“ den „Baum des Lebens“ gespielt und bei „Elisabeth“ im Chor gesungen hat. Nun wirkt sie nicht nur im Chor mit, sondern wird auch die Schauspielerin Caroline Neuber, bekannt als die Neuberin, spielen. „Ich erfülle mir jetzt einen Traum“, sagt die gebürtige Weißenfelserin zu ihrem Engagement in der ersten eigenen Produktion des Vereins. Und beugt höflich aber bestimmt weiteren Fragen vor: „War’s das jetzt?“. Schließlich singt nebenan der Chor. Und bis zum 5. Mai gibt es noch so viel zu tun.

Die Handlung: Eine Reise in die Vergangenheit

Das Musical spielt in der geschichtsträchtigen Stadt Weißenfels. Der Leipziger Musikstudent Alban bereitet sich auf einen Orgelwettbewerb vor. Dabei quälen ihn Selbstzweifel und Trennungsängste. Während er an der Orgel, der Königin der Instrumente, übt, begegnen ihm historische Persönlichkeiten, die in Weißenfels gelebt und gewirkt haben - allen voran der Orgelbaumeister Friedrich Ladegast (1818-1905) und die Dichterin Louise von François (1817-1893). Alban erlebt eine aufregende Nacht in der Weißenfelser Marienkirche, unter anderem mit Bach, Händel, Schütz und Novalis. Die Begegnungen lassen ihn neuen Lebensmut schöpfen. Das Musical hat eine Länge von etwa zweieinhalb Stunden, besteht aus einem Opening und zwei Akten.

Mehr Informationen zum Stück und zum Verein gibt es im Netz unter www.music-art-weissenfels.com.

Karten gibt es unter anderem in der Touristinformation in Weißenfels, Markt 2, Telefon 03443/30 30 70.

(mz)