Musical „Alban und die Königin“

Musical „Alban und die Königin“: Ein Amerikaner hilft in Weißenfels

Weißenfels - Aus einem Misserfolg lernt man mehr als aus einem Erfolg. Davon ist Musicaldarsteller Chris Murray überzeugt. Er selbst habe oft aus diesen Erfahrungen als Sänger und Darsteller Kraft und Inspiration schöpfen können. Mit dieser Philosophie ist der Wahl-Berliner am vergangenen Wochenende nach Weißenfels gekommen, um mit dem Musicalteam von „Alban und die Königin“ an deren Auftritten und Darstellung zu arbeiten. Zwei Tage lang hat Murray zusammen mit dem Pianisten Philipp Polzin und 14 Darstellern des neuen Musicals zusammen im Klubsaal des Kulturhauses ...

Von Carmen Busch 20.09.2016, 11:21

Aus einem Misserfolg lernt man mehr als aus einem Erfolg. Davon ist Musicaldarsteller Chris Murray überzeugt. Er selbst habe oft aus diesen Erfahrungen als Sänger und Darsteller Kraft und Inspiration schöpfen können. Mit dieser Philosophie ist der Wahl-Berliner am vergangenen Wochenende nach Weißenfels gekommen, um mit dem Musicalteam von „Alban und die Königin“ an deren Auftritten und Darstellung zu arbeiten. Zwei Tage lang hat Murray zusammen mit dem Pianisten Philipp Polzin und 14 Darstellern des neuen Musicals zusammen im Klubsaal des Kulturhauses verbracht.

„Ehrlichkeit im Vortrags ist das Wichtigste, was ein Darsteller auf der Bühne benötigt“, sagt der Musicaldarsteller Chris Murray. Nur wenn der Sänger selbst an seine Rolle glaubt, verwandle er sich auch in diese und das Publikum nehme ihm das Spiel auf der Bühne ab. „Das Publikum ist es immer wert und hat es verdient, eine Geschichte ehrlich erzählt zu bekommen“, betont der gebürtige US-Amerikaner. Daher sei eine intensive Rollenarbeit nicht zu vernachlässigen und deshalb unterbricht Murray beim Workshop die Weißenfelser Laiendarsteller gern und oft.

Rockversion des Rings der Nibelungen

„In zwei Tagen kann ich keine Wunder vollbringen, aber ich kann ihnen Werkzeuge in die Hand geben, wie alle ihr Spiel verbessern können“, bemerkt Murray nachdenklich, der in New York Gesang und Regie sowie in Stuttgart Oper studiert hat. Auch wolle er nicht, aus den Amateuren kalte Profis machen. „Aber wenn der Darsteller darauf achtet, ehrlich und nicht mehr gestelzt herüberzukommen, dann haben wir schon etwas erreicht“, sagt der Sänger, der demnächst bei einer Rockversion des Rings der Nibelungen am Theater Hof mitwirken wird.

Besonders bei einem Musical wie „Alban und die Königin“, das völlig unbekannt und neu für das Publikum sein wird, sei die von Murray geforderte Authentizität nötig. „Das ist ein sehr ambitioniertes Stück, welches jede Emotion des Publikums ansprechen wird“, sagt Murray. Dennoch sei ihm bewusst, dass „Alban und die Königin“ ein Mammutprojekt für den Verein und dessen Mitglieder bleibt. Die Stadt Weißenfels habe mit seinen musikalischen und auch literarischen Größen viel vorzuweisen.

Vorstellung des Musicals im Mai 2017

Ein Stück wie das Orgelmusical ist, laut Chris Murray, längst überfällig gewesen. „Es ist ein Auftragswerk und nur die Laiendarsteller kennen den Inhalt des Stücks. Das ist sehr mutig“, sagt er anerkennend. Ob das Stück ein Erfolg wird, kann er aus seinen 25 Jahren Erfahrung nur vermuten. „Das kommt auf das Publikum an und das wird man nach der Premiere sehen“, erzählt Murray, der sich eine Vorstellung des Musicals im Mai 2017 unbedingt ansehen möchte.

Dann kann er auch live miterleben und überprüfen wie die Darsteller, zum Beispiel Klaus-Dieter Kilian, dessen Kritik und Anregungen angenommen haben und auf der Bühne umsetzen. „Ich habe mir das Wesentliche schriftlich notiert, damit ich Zuhause und bei den kommenden Proben damit und an meinem Spiel weiterarbeiten kann“, berichtet der Leißlinger Klaus-Dieter Kilian. Der 59-Jährige spielt im Musical den weltberühmten Sohn der Stadt Weißenfels, Orgelbauer Friedrich Ladegast. Murray habe ihm gezeigt, dass gerade bei dem ausdrucksstarkem Lied des Orgelbauers weniger Gestik für den Auftritt von Vorteil sei.

Gestik und Mimik

„Ich bin sowieso sehr kritisch mit meinem Auftritt, aber ich hab’ jetzt erst so einige ganz banale Dinge begriffen“, räumt Kilian ein. Er hat nicht nur erkannt, dass er sich noch mehr mit der Rolle und dem historischen Ladegast auseinander setzen muss.

Auch sein Spiel überdenkt er nun kritischer. Oft laufe er zu viel in den Raum hinein, statt einfach stehen zu bleiben. Zudem werde er nun mehr verstärkt auf seine Gestik, Mimik und auf den Oberkörper achten. „Murray hat mir klargemacht, dass alles unterhalb der Gürtellinie das Publikum eh nicht interessiere“, verrät der Heilerziehungspfleger lächelnd. Auch ist er sehr überrascht gewesen, wie ihm seine Fehler bei den anderen auffallen. Dass Chris Murray ihnen den Spiegel vorgehalten hat ohne dabei zu schulmeistern, hat Kilian sehr imponiert und gefallen. Er hofft nun, alle Tipps und Kniffe mit in den zukünftigen Proben umsetzen zu können. (mz)