Marienkirche in Weißenfels

Marienkirche in Weißenfels: Gebeine unter Gotteshaus gefunden

Weissenfels - Die Bauarbeiter waren einigermaßen überrascht. Als sie jüngst den Boden rund um die Weißenfelser Marienkirche abtrugen, um die Straße neu zu gestalten, stießen sie direkt unter der Oberfläche auf Knochen. Menschliche Knochen, wie die Untersuchungen sehr schnell ergaben. Unzählige Gebeine, darunter auch Schädelstücke, liegen in nicht einmal einem halben Meter Tiefe an der Nordseite des ...

Von Jan Iven 03.08.2016, 12:58

Die Bauarbeiter waren einigermaßen überrascht. Als sie jüngst den Boden rund um die Weißenfelser Marienkirche abtrugen, um die Straße neu zu gestalten, stießen sie direkt unter der Oberfläche auf Knochen. Menschliche Knochen, wie die Untersuchungen sehr schnell ergaben. Unzählige Gebeine, darunter auch Schädelstücke, liegen in nicht einmal einem halben Meter Tiefe an der Nordseite des Gotteshauses.

Knochen nach Halle transportiert

„Wir gehen davon aus, dass dort die Reste eines Beinhauses vergraben wurden“, sagt Archäologin Johanna Reetz, die die Bauarbeiten rund um die Marienkirche für das Landesamt für Archäologie begleitet. In diesen sogenannten oberirdischen Ossuarien lagerten die Katholiken die Knochen aus den älteren Gräbern, wenn diese aus Platzmangel umgegraben wurden. „Bei den Protestanten waren die Beinhäuser aber nicht mehr üblich“, erläutert Johanna Reetz. Deswegen sei deren Inhalt vermutlich später einfach neben der Kirche vergraben worden. Damit dürften die Knochen auch schon mehrere Jahrhunderte alt sein. „Der Fund ist einigermaßen ungewöhnlich“ so die Archäologin. Zumal die Marienkirche nicht irgendein Gotteshaus sei, sondern bereits Kirche des Jahres Sachsen-Anhalt 2000. Die Knochen werden nun Stück für Stück ausgegraben und an das Landesamt für Archäologie in Halle zur weiteren Untersuchung geschickt. Dort werden sie vermutlich auch eingelagert.

700.000 Euro für Projekt Marienkirche

Größere Verzögerungen der Bauarbeiten sollen sich durch die archäologischen Ausgrabungen allerdings nicht ergeben. Derzeit wird im Auftrag der Stadt Weißenfels gerade die Oberfläche rund um die Marienkirche neu gestaltet. „Dafür tragen die Arbeiter auf der kompletten Fläche zunächst 60 Zentimeter Erde ab“, teilte Katharina Vokoun, Sprecherin der Stadt Weißenfels, auf Nachfrage der MZ mit. Danach werden eine Frostschutzschicht, Beton und Mörtel auf die entstandene Ebene aufgetragen. Abschließend werden Granitpflaster und -platten verlegt.

Der Neugestaltung der Oberfläche vorangegangen waren Kanalarbeiten der Abwasserbeseitigung Weißenfels. „Im Anschluss haben die Stadtwerke Trinkwasser-, Gas- und Stromleitungen erneuert“, so Stadtsprecherin Katharina Vokoun. Mitte Juni wurden die Tiefbauarbeiten rund um die Marienkirche abgeschlossen. Seitdem laufen die Vorbereitungen für die Verlegung des neuen Pflasters. Die Kosten für das Projekt Marienkirche inklusive aller Planungsleistungen belaufen sich insgesamt auf knapp 700.000 Euro.

Während der Bauarbeiten ist der Bereich rund um die Marienkirche für den Verkehr gesperrt. Für Fußgänger ist der Zugang zu den Hauseingängen mit Hilfe von Brücken jedoch jederzeit garantiert. Auch der Zugang vom Markt zur Kirche ist immer möglich. Aktuell kann man zu Fuß auch vom Markt in die Marienstraße gelangen. Lediglich die Marienkirchgasse kann fußläufig derzeit nicht erreicht werden. Die Grundstückseigentümer seien allerdings bereits im November schriftlich über die geplanten Baumaßnahmen informiert worden, so Katharina Vokoun. (mz)