Lärmschutzwand an A9 kommt

Lärmschutzwand an A9 kommt: Autobahn bei Weißenfels ist zu laut

Zorbau - Berechnungen bestätigen: Die Autobahn 9 ist bei Weißenfels für viele Anwohner deutlich zu laut. Wie es nun weitergehen soll.

Von Andreas Richter 07.08.2018, 05:00
Autobahn A9 bei Weißenfels (Archivbild)
Autobahn A9 bei Weißenfels (Archivbild) imago stock&people

Auf beiden Seiten der Autobahn 9 wird in den nächsten Jahren auf Höhe der Orte Borau und Zorbau eine Lärmschutzwand errichtet. Das rund sechs Millionen Euro teure Bauwerk wird etwa 2,7 Kilometer lang sein und eine abgestufte Höhe von bis zu sieben Metern haben. Darüber hat die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt (LSBB) jetzt auf einer Veranstaltung mit Anwohnern informiert.

Spätestens seitdem die viel befahrene Nord-Süd-Verkehrstrasse nach der Wende sechsspurig ausgebaut wurde, kämpfen die Anwohner des Weißenfelser Ortsteils Borau, des Lützener Ortsteils Zorbau und anderer Anrainerorte um Maßnahmen zur Begrenzung der Lärmbelastung. Immerhin liegen die Häuser der Orte in einem Abstand zwischen knapp 1.300 bis 150 Metern zur Autobahn. In den 90er Jahren war nahe Borau ein Erdwall errichtet worden, der jedoch keine wirkliche Entlastung gebracht hat.

Umfangreiche schalltechnische Untersuchungen an der Autobahn A9

Nachdem die Bürger viele Jahre lang vergeblich wirksame Lärmschutzmaßnahmen gefordert hatten, liegen nun die Ergebnisse umfangreicher schalltechnischer Untersuchungen vor. Im Kern bestätigen die Berechnungen das subjektive Empfinden vieler Anwohner: Es ist deutlich zu laut an der Autobahn. Die bundesweit einheitlichen Grenzwerte für die Lärmbelastung werden an vielen Gebäuden, vor allem nachts, zum Teil deutlich überschritten.

„Wir haben nun die Aufgabe, Maßnahmen zu ergreifen, damit die Grenzwerte künftig eingehalten werden“, sagte Peter Lotze von der LSBB beim Infoabend mit mehr als 60 Anwohnern. Nach Errichtung der Lärmschutzwand sollen nur noch an acht Gebäuden die Grenzwerte leicht überschritten werden. Für diese Bereiche sind zusätzliche sogenannte passive Maßnahmen wie etwa der Einbau von Lärmschutzfenstern vorgesehen. Die Kosten dafür werden komplett vom Bund übernommen.

Lärmschutzwand an A9: „Wenn jemand klagt, dann dauert es noch länger“

Was die Lärmschutzwand betrifft, so dürfte die Geduld der vom Verkehr gebeutelten Anwohner allerdings weiter strapaziert werden. Ende dieses Jahres, so Lotze, soll die Entwurfsplanung abgeschlossen sein. Nach entsprechenden Prüfungen durch das Bundesverkehrsministerium schließt sich das sogenannte Planfeststellungsverfahren an. Allein das wird laut Lotze anderthalb bis zwei Jahre in Anspruch nehmen. „Wenn jemand klagt, dann dauert es noch länger“, vermutete der Mann von der Behörde.

Indes wurden während des Abends in der Zorbauer „Friedenseiche“ Zweifel laut, ob die Wand künftig tatsächlich allen Betroffenen einen ausreichenden Lärmschutz bietet. So befürchtet Lützens Bürgermeister Uwe Weiß (SPD), dass die Berechnungen der Behörde angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens bereits wieder veraltet sind, wenn die Wand nach einer langwierigen Planungsphase erst in ein paar Jahren steht. Dem widersprach Lotze. „Wir glauben, dass wir mit unseren Prognosen richtig liegen“, meinte er angesichts der Erfahrungen auf anderen Autobahnen.

Nur mäßig begeistert ist allerdings auch der Borauer Ortschaftsrat Wolfgang Gotthelf. „Es ist gut, dass die Wand endlich kommt“, meinte er. Doch nach seiner Meinung ist sie zu kurz, so dass vor allem die Anwohner der etwas weiter weg liegenden Ortschaften Zörbitz und Gerstewitz die Verlierer sein könnten. (mz)