Kriminalfall bei Kripo live

Kripo live im MDR: Kommt es zum DNA-Test im Fall des toten Babys aus Weißenfels?

Weissenfels - Genau neun Wochen ist es her, dass eine Frau bei Gartenarbeiten auf einem Grundstück an der Zeitzer Straße in Weißenfels ein totes Baby gefunden hat. Seither ermittelt die Kriminalpolizei mit einer sechsköpfigen Ermittlungsgruppe auf ...

Von Birger Zentner 25.06.2017, 18:15

Genau neun Wochen ist es her, dass eine Frau bei Gartenarbeiten auf einem Grundstück an der Zeitzer Straße in Weißenfels ein totes Baby gefunden hat. Seither ermittelt die Kriminalpolizei mit einer sechsköpfigen Ermittlungsgruppe auf Hochtouren.

„Zeitweise hatten wir noch 15 bis 20 Kollegen zur Unterstützung“, sagt Ermittlungsgruppenleiter Kriminalhauptkommissar Heiko Mosebach. Man sei noch lange nicht am Ende, erklärt er bei einem Treffen am Fundort der Babyleiche mit einem Team des Mitteldeutschen Rundfunks und der Mitteldeutschen Zeitung. Der MDR drehte für die Kripo Live-Sendung, die am Sonntagabend ausgestrahlt wurde.

Totes Baby in Weißenfels: Fall bei Kripo live im MDR

„Bringt uns diese neue Runde in der medialen Arbeit keine neuen Erkenntnisse, dann wird der Staatsanwalt bei Gericht einen DNA-Reihentest beantragen“, sagt Mosebach. Auch wenn die mehr als 600 Befragungen in den Praxen, Büros und Wohnungen im Umfeld des Fundortes der Babyleiche keine Spur brachten, die Ermittler sind sich sicher, dass die Mutter des Babys und mutmaßliche Täterin im Umfeld des Fundortes zu Hause ist.

„Es handelt sich wahrscheinlich um eine Frau, die höchstens 23 Jahre alt ist, sich noch in der Ausbildung oder einem Studium befindet, in keiner festen Beziehung ist“, schildert der Ermittler das wahrscheinliche Profil der jungen Frau, nach der man sucht. Mosebach bezieht sich dabei auf eine Studie des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, die Kindstötungen untersucht hat.

Die DNA der Mutter hat man als Fremd-DNA am Körper der Babyleiche gefunden. Mit ihr können dann die Ergebnisse einer DNA-Testreihe verglichen werden. Laut Kriminalpolizei gibt es in Weißenfels etwa 4.000 Frauen, die in das Profil passen. Bezogen auf die Wohngebiete, die Mosebach und seine Kollegen für am wahrscheinlichsten als Wohnort der Mutter halten schätzt der Kriminalist die Zahl auf 200 bis 300. „Das müssen wir mit dem Einwohnermeldeamt noch exakt abgleichen“, sagt er.

Ermittler sicher: Mutter des toten Babys in der Gegend um den Fundort zu Hause

Die Auffindesituation an einem Zaun, der den Garten von einem Fußweg zwischen Selauer und Zeitzer Straße trennt, legt für die Kriminalisten nahe, dass die Mutter und wahrscheinliche Täterin in der Gegend zu Hause ist. Dass jemand zufällig diesen Ort hätte ausgewählt, erscheint unwahrscheinlich. „Die Frau muss den Weg kennen, weil sie in der Nähe wohnt, oder vielleicht jemanden hier zum Arzt begleitet hat.“ Zumal der Weg ein Privatweg ist, der mitten zwischen mehreren medizinischen Einrichtungen hindurchführt.

Und vermutlich wurde das tote Kind am helllichten Tag über den Zaun geworfen, weshalb immer noch nicht ausgeschlossen ist, dass jemand eine Beobachtung gemacht hat, die er bislang vielleicht noch gar nicht in einen Bezug zu der Straftat gebracht hat. Dass die Tat im Dunklen geschehen ist, halten die Ermittler für eher unwahrscheinlich. „Hier sind so viele Bewegungsmelder, die Licht auslösen, dass das viel zu auffällig gewesen wäre“, sagt der Kriminalist.

Mosebach scheint zu wissen, wovon er spricht. Er gehört zu den erfahrensten Kriminalisten der Region. 1998 war er an der Ermittlung des Doppelmörders von Sennewitz bei Halle, Bernd Büch, beteiligt und schon davor an der Aufklärung des sogenannten Briefmarkenhändlermords in Halle in den 1990er Jahren

Neugeborenes starb durch massive Gewalteinwirkung

Klar ist mittlerweile, dass das Neugeborene an massiver Gewalt gegen den Kopf, also durch einen Schlag, starb. Für einen zufälligen Sturz zum Beispiel vom Wickeltisch gibt es keine Anhaltspunkte. „Das Baby hatte keine für einen solchen Sturz typische Verletzung“, sagt Mosebach in Bezug auf die Obduktion. Forensiker konnten inzwischen auch die Ablagezeit weiter eingrenzen. Es handelt sich um den Zeitraum zwischen dem 17. und 24. April.

„Das war eine Zeit mit Osterurlaub. Vielleicht war die junge Mutter da allein, hat später möglicherweise ihren Eltern oder Geschwistern erzählt, sie habe das Kind in einer Babyklappe abgegeben“, sagt Mosebach weiter. Auch deshalb wende man sich noch einmal an die Öffentlichkeit, um Verwandte zu ermuntern, sich bei der Polizei zu melden. Und der Kriminalist spricht auch die Mutter selbst an, sich zu stellen. „Sie muss daran denken, dass sie das mit sich herumschleppt, eventuell auch in eine neue Beziehung, was zu vielen psychischen Belastungen führen kann.“ Deshalb hat die Polizei auch Suizide beziehungsweise Versuche untersucht und DNA-Abgleiche vorgenommen. Bislang ohne Erfolg. Aber Familienangehörige, die etwas ahnen, sollten bedenken, dass die junge Frau selbst stark gefährdet ist.

Hinweise an die Kriminalpolizei unter Telefon 0345/2 24 12 91 (mz)