„Katastrophe für die Stadt“

„Katastrophe für die Stadt“: Weißenfels bekommt kein Geld mehr für die Innenstadt

Weißenfels - Weißenfels erhält ab dem kommenden Jahr kein Geld mehr, um sein Zentrum weiter zu beleben. Welche Auswirkungen das haben könnte.

Von Andreas Richter 26.04.2018, 07:01

Schlechte Nachricht für Weißenfels: Die Stadt erhält ab kommendem Jahr kein Fördergeld mehr zur Belebung des Zentrums. Wie aus einem Schreiben des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung hervorgeht, wird die Stadt für die weitere finanzielle Unterstützung aus dem Programm „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“, kurz Biwaq, in den Jahren 2019 bis 2022 nicht berücksichtigt. Eine klare Begründung für die Absage enthält das Schreiben nicht. Es heißt lediglich, dass „andere Interessenbekundungen“ den Auswahlkriterien der Förderrichtlinie „stärker entsprechen“.

Kein Geld mehr für Weißenfels: „Das ist eine Katastrophe für die Stadt“

„Die Enttäuschung sitzt tief. Das ist eine Katastrophe für die Stadt“, sagt am Mittwoch Roland Kähler, Citymanager und Leiter des vierköpfigen Weißenfelser Biwaq-Teams. Für Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) war und ist das Team eine wichtige Unterstützung vor allem angesichts der zahlreichen Baustellen in der Innenstadt.

Was hat sich in den letzten Jahren getan?

Weißenfels wurde im Jahr 2016 in das Förderprogramm aufgenommen. Insgesamt erhält die Stadt in den drei Jahren bis Ende 2018 knapp eine Million Euro, mit denen in erster Linie die Personalkosten für das Innenstadt-Team bezahlt werden. Ein Projekt ist die Citycard, eine Stempelkarte, mit der mehr Besucher ins Zentrum gelockt werden sollen. „Anfangs waren rund 80 Händler dabei, heute sind es 200“, sagt Citymanager Roland Kähler.

„Da ist etwas gewachsen“, meint er und weiß aus Erfahrung: „Die Kommunikation ist heute viel besser. Der persönliche Kontakt zu den Händlern hat in den letzten beiden Jahren viel gebracht.“ Ein Zeichen dafür seien Saalefest oder Innenstadtfrühstück ebenso gewesen wie die regelmäßigen Händlerstammtische. Am kommenden Wochenende steht mit dem ersten Streetfoodfestival ein weiterer Höhepunkt in der Innenstadt an.

Wird der Osten bei Fördergeldern benachteiligt?

Elke Simon-Kuch, Vorsitzende des Stadtmarketingvereins, ist überzeugt: „Ohne das Biwaq-Team würde es das Streetfoodfestival nicht geben.“ Dass Weißenfels nun keinen Platz mehr am Fördertopf für die Innenstädte bekommen soll, ist für sie „absolut bitter“. Verärgert ist sie vor allem darüber, wie die begrenzten Mittel für die zweite Biwaq-Förderrunde in Deutschland verteilt werden sollen.

Denn von den 31 Kommunen, die nun ihre Förderanträge abgeben können, sind nur fünf Kommunen in den neuen Bundesländern und mit Halle nur eine Stadt in Sachsen-Anhalt. „Das ist eine Frechheit“, meint Simon-Kuch und sieht den Osten klar benachteiligt.

Wie geht es mit angeschobenen Projekten in Weißenfels weiter?

Das sieht auch Roland Kähler so. Noch im Sommer letzten Jahres hätten die Verantwortlichen bei einer Biwaq-Werkstatt in Mönchengladbach den Eindruck erweckt, dass die Aufnahme der Stadt in die zweite Förderrunde eher eine Formsache sei. Die Stadt habe sich daraufhin mit dem Schwerpunkt Digitalisierung beworben.

Bereits angeschobene Projekte wie eine gemeinsame Homepage der Innenstadt-Händler und die Weißenfels-App sollten weiterentwickelt werden. So sollten Händler und Gewerbetreibende über Schulungen in die Lage versetzt werden, eigene Produkte im Internet anzubieten. Eines der wichtigsten Ziele wäre ein kostenfreies WLAN für die Innenstadt gewesen.

Offen bleibt, ob und wie die Inhalte des Biwaq-Projekts ab 2019 weitergeführt werden können. „Wir sollten uns auf jeden Fall nicht entmutigen lassen“, meint Elke Simon-Kuch. Angesichts der jüngsten Entwicklungen sei es jetzt umso wichtiger, die Kräfte in Sachen Stadtmarketing zu bündeln. (mz)