Historische Kluft und Spitzbart

Historische Kluft und Spitzbart: Johannes Kreis gibt Rolle als Heinrich Schütz auf

Weißenfels - Johannes Kreis aus Weißenfels spielte 15 Jahre Heinrich Schütz

Von Andreas Richter 09.07.2017, 06:00

In den nächsten Monaten hat Johannes Kreis einiges vor. Immerhin naht mit jedem Tag der Mai nächsten Jahres. Dann besteht der Weißenfelser Musikverein „Heinrich Schütz“ 25 Jahre. Und dieses Jubiläum soll mit einer Chronik zur Geschichte des Vereins gebührend gewürdigt werden.

„Ich bin noch ganz am Anfang“, sagt Kreis. Einen Hefter mit handgeschriebenem Material hat er schon mal in der Hand. Protokolle, Statistisches, eigene Notizen. In den nächsten Monaten soll alles in Form gebracht werden.

Johannes Kreis aus Weißenfels: 15 Jahre spielte er Heinrich Schütz

Dabei ist der ehemalige Landrat des Landkreises Weißenfels wie kaum ein anderer prädestiniert dafür, auf die bewegte Geschichte des Vereins zurückzublicken. Immerhin ist Kreis 15 Jahre lang selbst in die Rolle des Barockkomponisten Heinrich Schütz (1585-1672) geschlüpft.

Beim Museumstag im Mai und bei zahllosen anderen Gelegenheiten verkörperte er den Musikus in historischer Kluft und mit spitzem Kinnbart. Fast wurde der Komponist zu seinem zweiten Ich.

Johannes Kreis: Rolle als Heinrich Schütz fiel immer schwerer

Doch nun soll damit bald Schluss sein. Beim Wandelkonzert anlässlich der diesjährigen Musiktage im Oktober will Johannes Kreis zum letzten Mal als Heinrich Schütz auftreten. „Die Rolle zu spielen fällt mir immer schwerer“, sagt der 78-Jährige, der sozusagen das Oberhaupt einer großen Familie mit drei Kindern, acht Enkeln und einem Urenkel ist.

Zudem befürchtet er, dass sich die seit 15 Jahren praktizierte Form des Wandelkonzertes irgendwann totlaufen könnte. Immerhin sei die Resonanz in den letzten Jahren schon geringer geworden. So wie es jetzt aussieht, soll künftig auch kein anderer in die Rolle des Schütz’ schlüpfen.

Johannes Kreis bleibt Musikverein in Weißenfels erhalten

„Ich glaube, die Rolle war zu sehr auf mich zugeschnitten“, meint Kreis. Es müsse eher eine neue Form gefunden werden, um weiter an den Komponisten in Weißenfels zu erinnern.

Im Musikverein will Johannes Kreis jedoch auch künftig mitwirken. Kein Wunder, immerhin hat er dessen Entwicklung von Anfang an maßgeblich mit geprägt. War zwischen 2001 und 2016 dessen Vorsitzender. Dabei hat er jene Zeit zwischen den Jahren 2003 und 2015 intensiv miterlebt, in der sich der Verein als Träger um das Heinrich-Schütz-Haus in der Nikolaistraße gekümmert hat.

Johannes Kreis blickt zurück auf seine Zeit als Heinrich Schütz

„Das war eine intensive, aber schöne Zeit“, sagt er heute, da die Kommune wieder Träger der Gedenkstätte ist. Einer der Momente, an die er sich besonders gern erinnert, ist für Johannes Kreis die Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Heinrich-Schütz-Haus zu Leben und Werk des Komponisten im Oktober 2012.

Mit einem wiederhergerichteten Kleinod, das dem Weißenfelser all die Jahre besonders am Herzen lag: dem Komponierstübchen unterm Dach. Und so wird wohl auch die Wiederauferstehung des Stübchens einen gebührenden Platz in jener Chronik finden, um die sich der scheidende Schütz von Heute nun kümmern wird. (mz)