Hässlich und gefährlich

Hässlich und gefährlich: Schrottimmobilien in Weißenfels kosten Zeit und Geld

Weißenfels - Sie gehören an einigen Stellen zum Weißenfelser Stadtbild. Und mitunter haben wir uns fast schon an sie gewöhnt: scheinbar hoffnungslos verfallene Gebäude, sogenannte Schrottimmobilien. Rund 8.900 Objekte gibt es in Weißenfels. Wie Manuela Meißner, Leiterin der unteren Bauaufsichtsbehörde bei der Stadt, jetzt informierte, sind knapp 450, als etwa fünf Prozent davon, als Schrottimmobilien ...

Von Andreas Richter 10.08.2016, 04:00

Sie gehören an einigen Stellen zum Weißenfelser Stadtbild. Und mitunter haben wir uns fast schon an sie gewöhnt: scheinbar hoffnungslos verfallene Gebäude, sogenannte Schrottimmobilien. Rund 8.900 Objekte gibt es in Weißenfels. Wie Manuela Meißner, Leiterin der unteren Bauaufsichtsbehörde bei der Stadt, jetzt informierte, sind knapp 450, als etwa fünf Prozent davon, als Schrottimmobilien einzustufen.

Abriss erst bei eindeutiger Gefahr

„Der Anteil ist im Vergleich zu anderen Städten in Ostdeutschland nicht ungewöhnlich hoch“, sagt Meißner, die auch schon an Seminaren zu diesem Thema teilgenommen hat. Und sie weiß aus langjähriger Erfahrung, dass den Kommunen bei den Gebäuden in privatem Eigentum zumeist die Hände gebunden sind. „Wir agieren nicht, wir reagieren nur. Allein wenn Gefahr im Verzug ist, zum Beispiel Steine herabzufallen drohen, können wir eingreifen“, beschreibt Meißner den Handlungsspielraum der Stadt. Und sie fügt hinzu: „Hässlich allein ist noch kein Grund für einen Abriss.“

Eigentümer-wechsel-dich

Nicht selten sind jene Fälle, bei denen die Kommune allein bei der Ermittlung des Gebäudeeigentümers Schwierigkeiten bekommt. In Zeiten des Internet bereiten schnelle Eigentümerwechsel zunehmend Probleme, berichtet die Frau von der Weißenfelser Bauaufsicht. „Es gibt Gebäude, die im Netz drei Mal im Jahr verkauft werden“, erzählt Manuela Meißner. Auffällig sei dabei „eine hohe Beteiligung ausländischer Mitbürger“. Bisweilen bereite es schon Schwierigkeiten, die „zustellfähige Adresse“ eines Gebäudeeigentümers herauszubekommen.

Problemfälle gibt es in Weißenfels jedenfalls genug. Einige Beispiele hat Manuela Meißner aus dem Kopf parat: die Langendorfer Straße 18 etwa, deren Eigentümerin aus Südafrika stammen soll. Die Geibelstraße 1 ist in der Neustadt ebenso ein Sorgenkind wie die Feldstraße 10.

Beinahe beliebig ließe sich die Liste fortsetzen. Ein jüngstes Beispiel für abgerissene Mauern: die ehemaligen Getreidehallen an der Straße am Wehr. „Das waren alles hohle Vögel“, beschreibt Meißner den ehemaligen Gebäudekomplex, für den ein spanischer Bürger im Grundbuch gestanden habe. Mittlerweile sind die meisten Hallen abgerissen. Weil die Eigentümer oft schwer zu erreichen sind, bleibt die Kommune in der Regel auf den Kosten dafür sitzen.

So auch im Fall der vier alten Getreidehallen. Rund 85.000 Euro hat deren Abriss gekostet. Damit sei die Stadt laut Meißner relativ günstig weggekommen - allerdings nur deshalb, weil man auf die Entsorgung der Geröllhaufen verzichtet hat. „Die fachgerechte Entsorgung von Baumaterial macht am Ende etwa das Dreifache der Abrisskosten aus“, sagt die Frau von der Bauaufsicht. Und so nimmt die Stadt eben in Kauf, dass der Schutt in der abgelegenen Straße in einem unbewohnten Gebiet auf unbestimmte Zeit liegen bleibt.

Haushaltsstelle für Abrissmaßnahmen

Zufrieden ist Manuela Meißner, dass die Stadt immerhin 300.000 Euro für solche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr im Haushalt eingeplant hat. Weitere 25.000 Euro sind im Budget der Stadt für sogenannte Ersatzvornahmen vorgesehen. Dabei handelt es sich in der Regel um Belange des Denkmalschutzes, wenn die Kommune anstelle des Gebäudeeigentümers aktiv werden muss. Wenngleich die Summe eher überschaubar ist, so ist Stephan Kujas, Mitarbeiter für Denkmalschutz bei der Stadt, schon froh darüber, dass Weißenfels überhaupt seit einigen Jahren eine solche Haushaltsstelle eingerichtet hat.

Was die Stadt noch immer nicht hat, ist ein Mitarbeiter, der sich speziell um Schrottimmobilien kümmert. „Aufsicht und Verwaltung dieser Gebäude kosten immer mehr Zeit“, weiß Manuela Meißner. Deshalb habe die Stadt bereits zwei Mal eine Stelle für diese Aufgabe ausgeschrieben. Bislang sei jedoch kein geeigneter Mitarbeiter gefunden worden. (mz)