Früherkennung Hodenkrebs

Früherkennung Hodenkrebs: Junge Männer sollen sich abtasten

Weißenfels - Das Asklepios-Klinikum in Weißenfels hat sich an einer deutschlandweiten urologischen Themenwoche beteiligt. Andrea Hamann-Richter sprach darüber mit Hans-Jörg Scholz, Chefarzt der Urologie.

Aufkleber mit der Aufschrift «Damit Dir Hodenkrebs nicht auf den Sack geht»
Aufkleber mit der Aufschrift «Damit Dir Hodenkrebs nicht auf den Sack geht» Deutschen Gesellschaft für Urol

Das Asklepios-Klinikum in Weißenfels hat sich an einer deutschlandweiten urologischen Themenwoche beteiligt. Dabei stellte der Verband der Urologen das Thema Hodenkrebs in den Mittelpunkt. Dies geschah im Internet über Video-Interviews oder durch Filme auf dem Videokanal Youtube und auf einer Webseite. Andrea Hamann-Richter sprach darüber mit Hans-Jörg Scholz, Chefarzt der Urologie.

Warum hat sich die Asklepios-Klinik an dieser Themenwoche im Internet beteiligt?
Scholz: Die urologischen Kliniken der Asklepiosgruppe sind mit der Behandlung der Hodenkarzinome befasst. Daneben sind wir an dem Projekt „Zweitmeinungszentrum Hodenkarzinome“ beteiligt. Als Therapeuten sind wir damit konfrontiert, dass der Kenntnisstand über diese bösartige Erkrankung gerade in der Gruppe der hauptsächlich betroffenen Männer zwischen 15 und 35 Jahren erschreckend gering ist. Die zweite Altersgruppe, die Mittfünfziger, stehen ihnen in Sachen Unkenntnis in nichts nach. Deshalb wollen wir Aufklärungsarbeit leisten.

Wie bewerten Sie die Qualität der Aktionswoche?
Scholz: Die Aktionswoche setzt vor allem auf die Affinität der jungen Bevölkerung zu den neuen Medien. Mit der Präsenz in den sozialen Medien und Internetauftritten soll diese Zielgruppe angesprochen werden. Daneben spielen die Printmedien und die direkte Ansprache eine wichtige Rolle.

Gab es eine Resonanz?
Scholz: Das Interesse der jungen Männer im Gespräch ist meist mit Reaktionen zwischen Betroffenheit und Verwunderung geprägt. Ich bin mir nicht sicher, ob es eine Auswirkung ist: Aber in den letzten Tagen konnten wir mehr junge Männer mit einer Hodenkrebserkrankung einer Therapie zuführen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Heilung führen wird.

Ist das Thema Hodenkrebs immer noch tabu?
Scholz: Das Thema Hodenkrebs ist nicht unbedingt ein Tabuthema, vielmehr besteht einfach Unkenntnis über die Erkrankung und vor allem über die Tatsache, dass besonders junge Männer betroffen sind. Auch ist bei den jungen Männern die einfache und effektive Methode der Früherkennung schlechthin nicht bekannt. Es genügt, dass sich die Männer gelegentlich den Hoden abtasten und bei auffälligen Verhärtungen ärztlichen Rat einholen. Hodentumore wachsen oft sehr schnell, so dass sich kleinste Verhärtungen oft innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich vergrößern. Dann ist Eile geboten. Bei Frauen ist die Selbstuntersuchung der Brust inzwischen fast schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Die Männer haben hier Nachholbedarf.

Warum ist das so?
Scholz: Aufklärung über Erkrankungen, von denen gerade junge Männer betroffen sein können, zumal im Urogenitaltrakt, spielt in Familien und Schulen noch immer nicht die Rolle. Hinzu kommt der Umstand, dass man sich in jungen Jahren nicht gern mit Krankheiten beschäftigt. Hodenkrebs ist extrem bösartig, aber einer der wenigen Krebsarten, die mit frühzeitiger Erkennung und Therapie zu fast hundert Prozent heilbar sind.

(mz)