Forschungsflug mit Superteleskop

Forschungsflug mit Superteleskop: Weißenfelser Lehrer ist den Sternen ein Stück näher

Palmdale/Weißenfels - Die Äpfel, die Frank Oßwald am Dienstagmorgen in Palmdale (US-Staat Kalifornien) noch für seinen Flug am Abend gekauft hat, verteilte er am Ende an die Piloten. „Ich hatte einfach keinen Hunger und war viel zu aufgeregt, um irgendetwas essen zu können.“ Kein Wunder, denn an Bord einer umgebauten Boeing 747 startete der 46-jährige Lehrer des Goethegymnasiums in Weißenfels (Burgenlandkreis) zu einer ungewöhnlichen Mission: Ein zehnstündiger Flug führte ihn mit drei weiteren deutschen Lehrern in eine Höhe von mehr als 13 Kilometern. Und dort, in der Stratosphäre, wird aus der Boeing 747 eine „fliegende Sternwarte“. Möglich macht das ein 2,7 Meter großes Superteleskop, das im hinteren Teil der Maschine eingebaut ist und während der Fluges hinter einer Schiebetür zum Vorschein ...

Von Christian Schafmeister

Die Äpfel, die Frank Oßwald am Dienstagmorgen in Palmdale (US-Staat Kalifornien) noch für seinen Flug am Abend gekauft hat, verteilte er am Ende an die Piloten. „Ich hatte einfach keinen Hunger und war viel zu aufgeregt, um irgendetwas essen zu können.“ Kein Wunder, denn an Bord einer umgebauten Boeing 747 startete der 46-jährige Lehrer des Goethegymnasiums in Weißenfels (Burgenlandkreis) zu einer ungewöhnlichen Mission: Ein zehnstündiger Flug führte ihn mit drei weiteren deutschen Lehrern in eine Höhe von mehr als 13 Kilometern. Und dort, in der Stratosphäre, wird aus der Boeing 747 eine „fliegende Sternwarte“. Möglich macht das ein 2,7 Meter großes Superteleskop, das im hinteren Teil der Maschine eingebaut ist und während der Fluges hinter einer Schiebetür zum Vorschein kommt.

Galaxie als Nebelfleck

Frank Oßwald bekommt zahlreiche Daten und Bilder, die auf dem Flug erhoben werden, direkt auf eine eigene Konsole gespielt. Einen Teil des Teleskop-Bildes kann er zudem auf einem Monitor verfolgen. „Die Eindrücke waren einfach überwältigend, ich habe alles aufgesaugt wie ein Schwamm“, berichtete der Lehrer gestern kurz nach der Landung. So habe er eine Zwerggalaxie sehen können, in der neue Sterne entstehen. „Man sieht dabei eine Art Nebelfleck auf seinem Monitor.“ Die Wissenschaftler an Bord untersuchen dann die Struktur der Galaxie und vermessen sie. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Entstehung von Galaxien ziehen. „Ich konnte aber auch Gas- und Staubwolken sowie Teile sehen, die bei einer Sternenexplosion entstanden sind und nun wie kleine Knoten aussehen.“

Möglich werden solche Einblicke erst in der Stratosphäre, der zweiten Schicht der Erdatmosphäre. Erst dort, in einer Höhe von mehr als 13 Kilometern, können Objekte wie junge Sterne, Planetensysteme und das Zentrum der Milchstraße mit dem Infrarot-Teleskop beobachtet werden. Grund dafür ist die besonders trockene Luft in dieser Schicht. Weiter unten, in der sogenannten Troposphäre, verhindert Wasserdampf die Erfassung des infraroten Lichtes von Himmelskörpern, das für die Forscher besonders interessant ist.

Zeit, die Eindrücke seines Fluges zu verarbeiten, hat der Lehrer aus Weißenfels aber noch nicht - ganz im Gegenteil. „Ich versuche jetzt, zumindest sechs Stunden zu schlafen, anschließend geht es sofort zu unserem zweiten Flug“, erklärte der Mathe- und Astronomielehrer. Denn in der vergangenen Nacht sollte der 46-Jährige mit seinen Kollegen erneut in rund 13 Kilometer Höhe aufsteigen. „Beim ersten Flug sind die Teilnehmer meist noch sehr aufgeregt, beim zweiten Flug nehmen die Lehrer dann viel mehr Erkenntnisse mit“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa die „fliegende Sternwarte“ betreibt und die Programme für die Lehrer organisiert.

Zusage vor Weihnachten

„Im Herbst 2014 hatte ich mich beworben, kurz vor Weihnachten bekam ich den Bescheid, dass es klappt“, sagte Frank Oßwald. Seit 25 Jahren interessiert er sich für die Astronomie, war begeistert, als Anfang der 1990er-Jahre Großteleskope neue Einblicke ins Weltall ermöglichten. Und natürlich hat der Flug den Wissenshunger des Lehrers nochmals gesteigert. „An Bord waren aber mehrere Wissenschaftler, die uns alle Fragen beantwortet haben.“ Auch die Piloten hätten bereitwillig Auskunft gegeben. Doch auch der Lehrer musste Rede und Antwort stehen. „Ein Nasa-Mitarbeiter hat mich während des Fluges interviewt.“ Weitere Fragen wird der 46-Jährige spätestens am Montag beantworten müssen. Dann steht er wieder vor seinen Schülern am Goethegymnasium. (mz)