Fliegende Sternwarte in Amerika

Fliegende Sternwarte in Amerika: Weißenfelser nimmt an wissenschaftlicher Nasa-Mission teil

Weißenfels - Wenn Frank Oßwald in wenigen Tagen abhebt, dann wird er in einen Raum vordringen, in den nur sehr wenige Erdenbürger je vorgedrungen sind. In einem umgebauten Flugzeug Boeing 747 wird der Lehrer am Weißenfelser Goethegymnasium bis zu 14 Kilometer über der Erde unterwegs sein. Bei normalen Langstreckenflügen schweben die Flieger in der Regel auf einer Höhe von bis zu elf ...

Von Andreas Richter

Wenn Frank Oßwald in wenigen Tagen abhebt, dann wird er in einen Raum vordringen, in den nur sehr wenige Erdenbürger je vorgedrungen sind. In einem umgebauten Flugzeug Boeing 747 wird der Lehrer am Weißenfelser Goethegymnasium bis zu 14 Kilometer über der Erde unterwegs sein. Bei normalen Langstreckenflügen schweben die Flieger in der Regel auf einer Höhe von bis zu elf Kilometern.

Das Kürzel SOFIA steht für Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und der National Aeronautics and Space Administration (NASA). Das German Ambassador Program (SGAP) von SOFIA bietet Lehrern, die an deutschen Schulen unterrichten, die Möglichkeit, an bis zu zwei Forschungsflügen teilzunehmen. Das Flugerlebnis und die Inspiration durch den direkten Kontakt mit Wissenschaftlern, Ingenieuren und Piloten sollen die Lehrer dann direkt in die Klassenzimmer auf ihre Schüler übertragen. Langfristig soll so Nachwuchs für natur- und ingenieurwissenschaftliche Themen gewonnen werden. (ari)

„Die Aufregung steigt“, meint der 46-Jährige, der als einziger in Sachsen-Anhalt und nur einer von fünf Lehrern in ganz Deutschland an einer wissenschaftlichen Mission mit der fliegenden Sternwarte SOFIA in den USA teilnimmt. Angefangen hatte alles Ende 2009, als das Weißenfelser Gymnasium Partnerschule des Deutschen SOFIA-Instituts der Universität Stuttgart wurde - als einzige Schule in Sachsen-Anhalt. Oßwald, Lehrer für Astronomie, Mathematik und Physik am Weißenfelser Gymnasium, beteiligte sich an verschiedenen Fortbildungen, stieg immer tiefer in die Materie der astronomischen Beobachtungen im infraroten Bereich ein. Zwischenzeitlich standen Finanzierung und damit Fortsetzung des wissenschaftlichen Projekts auf der Kippe. Doch im Februar vergangenen Jahres hoben dann doch die ersten vier Lehrer mit dem fliegenden Observatorium ab - dem einzigen seiner Art weltweit.

Fliegende Sternwarte

Nun hat der Weißenfelser Lehrer in der zweiten Gruppe die einmalige Gelegenheit, den Forschern in der Boeing 747 über die Schulter zu schauen. Im vergangenen Jahr hatte er sich erfolgreich um eine Teilnahme an der Forschungsmission beworben. „Die Technik dort ist so etwas wie die Champions League der Wissenschaft“, weiß Oßwald, der sich bereits als Kind für die Weltraumfahrt interessiert hat. Für die Mission jener wenigen Erdenbürger, die sich noch weiter von ihrem Planeten entfernen, als er es bald tun wird. Bei zwei Flügen von jeweils etwa zehn Stunden werden die Lehrer die Arbeit in der fliegenden Sternwarte, ausgestattet unter anderem mit einem 17 Tonnen schweren Teleskop, beobachten können. „Wir kommen dort oben in den infraroten Bereich des elektromagnetischen Strahlungsspektrums, oberhalb von 99 Prozent des atmosphärischen Wasserdampfes“, erklärt Oßwald. Das ermögliche Ausblicke ins Universum, die von der Erde aus nicht möglich seien.

Dabei ist die ganze Mission für den Lehrer kein Selbstzweck. Von den Flügen an Bord des Observatoriums will er Erkenntnisse mitbringen, die dann auch den Gymnasiasten im Unterricht zugute kommen. „Ich will den Schülern unter anderem Arbeitsmaterialien an die Hand geben, mit denen sie die Eigenschaften von Gas- und Staubwolken nachvollziehen können“, umreißt der Lehrer sein Ziel. Schon jetzt ahnt er, dass er nach seiner außergewöhnlichen Mission gefragter Partner für Vorträge und Gesprächsrunden sein wird. Auf der Seite „Wissenschaft in die Schulen“ will er seine Erkenntnisse für jeden nachvollziehbar im Internet darstellen.

Doch jetzt richtet sich sein Blick erst einmal auf das große Abenteuer. Die Reise seines Lebens? „Ja, das ist wohl nicht übertrieben“, sagt Frank Oßwald. Am 21. März macht er sich von Leipzig aus auf den Weg nach Palmdale in Kalifornien. Dort steht die fliegende Sternwarte für ihn bereit. (mz)