Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien: Wenig Wasser führt zu wenig Strom

Weißenfels - Die Kraftwerke bei Goseck und in Weißenfels produzieren nur noch zwei Drittel der sonstigen Strommenge. Sie profitieren aber noch von Saale-Talsperren.

Von Holger Zimmer 08.12.2018, 07:00

Rund ein Drittel weniger Energie haben die Wasserkraftwerke bei Goseck und in Weißenfels in diesem Jahr produziert. Die lange Dürreperiode setzt den Unternehmen gewaltig zu. Gegenüber der Oeblitzschleuse bei Goseck spricht Andreas Kehl als Technischer Geschäftsführer von 4,5 Millionen Kilowattstunden, mit denen man in einem normalen Jahr rechnen kann. „Doch nun reichen die Erlöse nur, um Kredite abzuzahlen und die Betriebskosten zu begleichen. Viel mehr bleibt nicht“, so Kehl.

Dieses Jahr werden die Turbinen nur um die drei Millionen Kilowattstunden erzeugen. Der August war dabei mit 152.000 Kilowattstunden der Tiefpunkt und danach sah es nicht wesentlich besser aus. Für Kehl ist es ein Desaster, das ein gutes Jahr nach der Inbetriebnahme eingetreten ist. Dabei hatte sich der Wasserzufluss der Saale und ihrer Nebenflüsse durch die Dürre faktisch halbiert.

An Saaletalsperren wurde regelmäßig Wasser abgelassen

Allerdings konnte man noch von den Saaletalsperren profitieren. Denn dort wurde regelmäßig Wasser abgelassen, damit der Fluss einen Mindest-Wasserstand behält. Leere Talsperren könnten zumindest einem Hochwasser vorbeugen, das Weißenfels zuletzt vor fünf Jahren heimsuchte. Doch bleiben die Niederschläge aus, lässt sich auch ein Zufluss für die Saale nicht mehr lange gewährleisten.

Kehl beschreibt seine Gefühlslage im Sommer so: „Da haben wir immer auf den Regen gehofft.“ Immerhin hatte es eine solche Trockenheit seit Jahrzehnten nicht gegeben. Der staatlich geprüfte Abwassertechniker ist durch seinen Vater Martin Kehl zu den Wasserkraftanlagen gekommen. Der hatte 2001 eine Anlage in Halle-Planena projektiert und gebaut. Was Kehl nun erwartet? „Dass nächstes Jahr besser läuft.“

Kraftwerk: Ergebnis ist mit Schwankungen seit der Inbetriebnahme 1998 stets erreicht worden

Dieter Böckler hat am Weißenfelser Herrenmühlenwehr keine anderen Erfahrungen gemacht. Durch den Rückstau, der für den Betrieb der Wasserkraftanlage notwendig ist, scheint der Fluss genügend Wasser zu führen. Doch dem ist nicht so. Böckler rechnet wie Kehl ebenfalls jährlich mit 4,5 Millionen Kilowattstunden. Dieses Ergebnis ist mit Schwankungen seit der Inbetriebnahme 1998 stets erreicht worden. In diesem trockenen Jahr aber nicht.

Wie es weitergeht? „Das wissen die Götter“, sagt Böckler. Die Hoffnung bleibt zwar, allerdings könnte angesichts des Klimawandels auch das Negativ-Szenario dieses Jahres zum Dauerzustand werden. Natürlich muss der Kohlendioxid-Ausstoß gesenkt und die Erderwärmung gestoppt werden, meint Dieter Böckler. Und natürlich brauche man regenerative Energie. „Aber die hat derzeit auch Schattenseiten.“

Abschaltungen der Turbinen nehmen zu

Fakt ist, dass die Stromnetze längst nicht mehr für den Energietransport reichen und dass Speicherkapazitäten für den gewonnenen Strom fehlen. Und ohne die könne man Wirtschaft und Privatkunden nicht mit Öko-Strom versorgen. Böckler verweist auf ein Managementgerät des Netzbetreibers „50 Hertz“, das Turbinen bei ihm automatisch abschaltet oder die Leistung reduziert, wenn die Energie nicht mehr weitertransportiert werden kann.

Das ist 2015 einmal im Jahr passiert, 2018 aber bereits achtmal. „Da nützen auch Hunderttausende von Windrädern nichts.“ Was gebraucht wird, ist laut Böckler Forschung, die zu schnellen Lösungen führt. (mz)