Elf infizierte Mitarbeiter

Elf infizierte Mitarbeiter: Mangelnder Corona-Schutz im Jobcenter des Landkreises?

Weissenfels/Naumburg - Kaum eine Behörde oder Einrichtung wird derzeit von Infektionen mit dem Coronavirus verschont. Auch am Naumburger Standort des Jobcenters des Burgenlandkreises seien derzeit fünf Mitarbeiter in Quarantäne, weil es dort eine Infektion gegeben habe, wie das Jobcenter auf MZ-Anfrage bestätigt. Insgesamt habe es in den letzten Wochen an allen drei Geschäftsstellen im Burgenlandkreis, also neben Naumburg auch in Weißenfels und Zeitz, elf positiv getestete Mitarbeiter ...

Von Martin Walter

Kaum eine Behörde oder Einrichtung wird derzeit von Infektionen mit dem Coronavirus verschont. Auch am Naumburger Standort des Jobcenters des Burgenlandkreises seien derzeit fünf Mitarbeiter in Quarantäne, weil es dort eine Infektion gegeben habe, wie das Jobcenter auf MZ-Anfrage bestätigt. Insgesamt habe es in den letzten Wochen an allen drei Geschäftsstellen im Burgenlandkreis, also neben Naumburg auch in Weißenfels und Zeitz, elf positiv getestete Mitarbeiter gegeben.

Wurden Mitarbeiter über infizierte Kollegen nicht informiert?

Doch hätten die Ansteckungen verhindert oder die Mitarbeiter und Besucher zumindest besser geschützt werden können? Das meinen zumindest zwei Personen aus dem Burgenlandkreis, eine davon im Jobcenter beschäftigt. Sie haben sich unabhängig voneinander an die MZ gewandt und schwere Vorwürfe gegen die Behörde erhoben.

Im Schreiben eines der Kritiker heißt es unter anderen, dass es trotz der Infektionen keine Veranlassung gegeben habe „die übrigen Mitarbeiter zu informieren und zu schützen.“ Dadurch seien nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch Leistungsbezieher, die zu Terminen kommen, in Gefahr gebracht worden. Bei Kontakt zu Infizierten sei den Mitarbeitern lediglich geraten worden „sich hauptsächlich im eigenen Büro aufzuhalten. Mehr nicht.“

„Aus Gründen des Datenschutzes erfolgt tatsächlich keine Information an alle Mitarbeiter“

Das Jobcenter weist die Vorwürfe teils zurück. Sobald ein positiver Coronafall bekannt sei, würden schnellstmöglich Kontaktpersonen im Haus ermittelt und erforderliche Maßnahmen ergriffen. Das geschehe zum einen innerhalb der Behörde und zum anderen durch das Gesundheitsamt.

Aber: „Aus Gründen des Datenschutzes erfolgt tatsächlich keine Information an alle Mitarbeiter“, sagt Patricia Kudwien, Leiterin des Jobcenters. Richtig sei auch, dass die Beschäftigten persönliche Kontakt untereinander möglichst vermeiden sollten.

Jobcenter investiert in Corona-Schutz

Das Jobcenter habe alle erforderlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen und dafür seit März circa 40.000 Euro investiert, so Patricia Kudwien. Unter anderem, um die Beratungsräume „mit Spuckschutz und Hygienezubehör auszustatten“ und Masken zu beschaffen. Diese seien an die Beschäftigten verteilt worden und würden „im Bedarfsfall auch für die Hilfesuchenden“ bereitliegen. Zudem müsse im Jobcenter ausreichend Abstand gehalten und die Räume regelmäßig gelüftet werden. 

Weiterhin fordere das Jobcenter seine Beschäftigten bereits seit März dazu auf, mit Erkältungssymptomen nicht auf Arbeit zu erscheinen, sondern einen Arzt aufzusuchen. Auch der Gesundheitszustand der Leistungsbezieher würde abgefragt, wenn sie zu einem persönlichen Termin kommen. Dieser müsse vorher zudem telefonisch oder per E-Mail vereinbart werden, unter anderem, um Schlangen vor dem Jobcenter zu vermeiden

Technische Probleme - Home Office in vielen Standorten nicht möglich

In dem Schreiben an die MZ wird auch die Home-Office-Regelung des Jobcenters kritisiert. „Angeblich lässt die Technik nicht zu, dass mehr Mitarbeiter Home-Office nutzen.“ Obwohl das sehr wohl möglich sei. Und: „Den Mitarbeitern wird absolutes Misstrauen ausgesprochen, da führungsseitig davon ausgegangen wird, dass ein Mitarbeiter im Home-Office untätig ist und Möglichkeiten der Kontrolle fehlen würden.“

„Ich vertrete die Ansicht, dass alternative Arbeitsmodelle zunächst einmal mit Vertrauen beginnen und nicht mit Kontrolle“, entgegnet Patricia Kudwien auf diese Kritik. Die Behörde habe in den vergangenen drei Jahren 670.000 Euro in neue Hard- und Software investiert, unter anderen „um Telearbeit perspektivisch anbieten zu können.“ Dies sei ein langwieriger Prozess, welcher nun aber kurz vor dem Abschluss stehe. (mz)