„Ein bisschen abgehängt“

„Ein bisschen abgehängt“: Warum Ortsbürgermeister mit Entwicklung unzufrieden ist

Markwerben - Hubert Schiller ist neuer Ortsbürgermeister im Weißenfelser Ortsteil Markwerben. Warum er mit der Entwicklung in seinem Dorf nicht zufrieden ist.

Von Andreas Richter 27.10.2019, 07:00

Neulich, auf der ersten regulären Sitzung des neu gewählten Weißenfelser Stadtrates, da hatte Hubert Schiller mal eine Frage: Wie soll sich der Ortsteil Markwerben künftig einmal entwickeln? Dabei wusste er natürlich, dass eine fundierte mündliche Antwort an diesem Abend nicht zu erwarten war.

Doch die kleine Provokation hatte ihren guten Grund: Hubert Schiller ist der neue Ortsbürgermeister im nur einen Kilometer von der Kernstadt entfernten Ortsteil. Und der gebürtige Markwerbener meint: „Wir fühlen uns hier im Ort schon ein bisschen abgehängt.“ In den vergangenen Jahren jedenfalls habe sich augenscheinlich wenig getan im Ort. Ein Blick in den Gemeindesaal am Anger gibt Schiller recht. „Die letzten zehn bis 15 Jahre wurde hier fast nichts gemacht“, sagt Schiller. Heute atmen Saal und umliegendes Gelände gehörig den Charme der DDR-Jahre. Dabei ist das der einzige Treffpunkt im Ort. „Der Saal ist doch eigentlich das Herz von Markwerben“, meint Schiller.

„Zwergenstübchen“ ist beliebt auch bei Eltern und Kindern von außerhalb

Doch auch neben dem „Herzen“ sieht es nicht eben rosig aus in dem Ortsteil. Heute leben hier knapp 600 Einwohner. Früher zu DDR-Zeiten waren es mal 1 700, weiß Schiller, der einst in Markwerben eingeschult wurde. Eine Schule gibt es schon lange nicht mehr. Die Kindertagesstätte „Zwergenstübchen“ ist beliebt auch bei Eltern und Kindern von außerhalb. Ob sie langfristig Bestand hat, ist allerdings fraglich. In der Planung der Stadt jedenfalls ist die Markwerbener Kita nur eine sogenannte Bedarfseinrichtung. „Ich war als Kind selbst hier“, erzählt Hubert Schiller und hofft, dass der liebevoll eingerichtete Kindergarten dauerhaft zum Ort gehören wird.

Stolz ist der Ur-Markwerbener auf die vielen Vereine. Immerhin gibt es derer acht im Ort und zwei Interessengemeinschaften. Gerade erst hat die Kleinpfingstgesellschaft wieder auf sich aufmerksam gemacht, als sie im September ihr 200-jähriges Bestehen gefeiert hat. Zuvor haben Ortschaftsräte auf ihre Kosten eine unansehnliche Trafostation am Anger mit einem farbenfrohen Hinweis auf das Jubiläum neu gestaltet.

„Wir wollen den Turm für die nächsten hundert Jahre sichern“

Besonders am Herzen liegt dem Ortsbürgermeister der Bergerturm, das weithin sichtbare Wahrzeichen des Ortes. Schiller ist Vorsitzender des Vereins Turmfalken, der sich unermüdlich für den Erhalt des Aussichtsturms einsetzt. „Wir wollen den Turm für die nächsten hundert Jahre sichern“, sagt er.

Seit knapp einem Jahr ist der 67-Jährige nun in Rente. Vorher war der gelernte Bauingenieur Geschäftsführer mehrerer Baufirmen. Ortsbürgermeister wollte er eigentlich gar nicht werden. Als Schiller dann aber bei den Kommunalwahlen im Juni knapp 50 Prozent der Stimmen erhielt, konnte er nicht Nein sagen. Nun setzen viele Markwerbener in ihn große Hoffnungen. „Ich hoffe, dass sich Hubert besser durchsetzen kann als sein Vorgänger“, sagt Manfred Otto. Der 76-Jährige war nach der Wende Bürgermeister im Ort. Und er findet: „Früher, als Markwerben noch in einer Verwaltungsgemeinschaft mit Uichteritz war, lief es besser.“

„Ich will was bewegen und mich durchsetzen“

Doch Schiller will sich nicht beim Blick in die Vergangenheit aufhalten. „Ich fühle mich mit diesem Ort total verbunden. Ich will was bewegen und mich durchsetzen“, sagt er und weiß, dass er dafür mehr denn je einen guten Draht zur Stadt braucht.

Eine Antwort auf seine Frage im Stadtrat hat Hubert Schiller mittlerweile übrigens erhalten. „Alles ziemlich widersprüchlich“, meint er nur. Klare Perspektiven, wie es etwa mit dem Gemeindesaal im Ort weitergehen soll, fehlen dem neuen Ortsbürgermeister jedenfalls weiterhin. (mz)