Corona-Hotspot Schlachthof

Corona-Hotspot Schlachthof: Wie es im Tönnies-Werk in Weißenfels jetzt weitergehen soll

Weißenfels - Der Burgenlandkreis ist ein deutscher Corona-Hotspot geworden: Auf 100.000 Einwohner kamen in sieben Tagen 259 Neuinfektionen. Besonders betroffen ist die Stadt Weißenfels und der dort ansässige Schlachthof des Unternehmens Tönnies. Mehr als 200 Mitarbeiter wurden bereits positiv getestet. Das heißt: Mehr als zwei Drittel aller Corona-Infektionen in der Stadt gehen auf Schlachthof-Beschäftigte zurück - im Landkreis sind es ...

Von Steffen Höhne

Der Burgenlandkreis ist ein deutscher Corona-Hotspot geworden: Auf 100.000 Einwohner kamen in sieben Tagen 259 Neuinfektionen. Besonders betroffen ist die Stadt Weißenfels und der dort ansässige Schlachthof des Unternehmens Tönnies. Mehr als 200 Mitarbeiter wurden bereits positiv getestet. Das heißt: Mehr als zwei Drittel aller Corona-Infektionen in der Stadt gehen auf Schlachthof-Beschäftigte zurück - im Landkreis sind es 20 Prozent.

Durch den Betrieb ist der Inzidenzwert im Landkreis in die Höhe geschossen. Unklar ist allerdings, wie es dazu kommen konnte. Eine Werksschließung droht dem Unternehmen aktuell nicht.

Laut Tönnies kein Infektionsgeschehen im Schlachtbetrieb

Der Fleischkonzern Tönnies geht davon aus, dass es im Schlachtbetrieb selbst kein Infektionsgeschehen gibt. Nach Angaben von Firmensprecher Andre Vielstädte ist durch Maskenpflicht, Abstandsregeln und neue Luftfilteranlagen eine Infektion im Werk unwahrscheinlich. „Bei Infektionen im Betrieb würden die Zahlen deutlich höher liegen“, so Vielstädte.

Das habe der Corona-Ausbruch im Sommer 2020 am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) gezeigt, als das Wissen über die Aerosol-Ausbreitung in der Raumluft noch nicht vorgelegen habe. Dort hatten sich mehr als 1.550 Mitarbeiter des Fleischverarbeiters infiziert.

Mehr Kontrollen geplant

„Seither wurden die Schutzmaßnahmen weiter erhöht“, so Vielstädte. Landrat Götz Ulrich (CDU) lässt dies durch den Arbeitsschutz noch einmal prüfen. Am Freitag werde es Kontrollen geben. „Erst dann können wir sicher sagen, welche Rolle das Werk spielt“, so Ulrich.

Haben sich Gastarbeiter im Wohnbereich angesteckt?

Möglicherweise haben sich die Beschäftigten, die zum großen Teil aus Osteuropa kommen, in ihren Wohnquartieren angesteckt. Dort leben Gastarbeiter unter anderem aus Bulgarien und Polen teilweise in Sechser-Wohngemeinschaften.

„Aus diesem Grund werden wir alle Infizierten und deren Kontaktpersonen nun auch isolieren“, so Vielstädte. Es seien private Wohnungen im Burgenlandkreis für eine Quarantäne angemietet worden. Nach MZ-Informationen wird möglicherweise auch eine Jugendherberge genutzt.

Kritik an Unterbringung der Tönnies-Mitarbeiter

Die Wohnsituation der Arbeiter steht immer wieder in der Kritik. Laut dem Projekt „BemA - Beratung migrantischer Arbeitskräfte“ haben zu Beginn der Pandemie mitunter vier bis sechs Personen in einer Dreiraumwohnung gelebt. Das heißt, in einem Zimmer schlafen zwei bis drei Personen. Tönnies versprach im Sommer, die Wohnsituation zu verbessern.

Quarantäne-Kontrollen verschärft

Nach Ulrichs Angaben wurden die Quarantäne-Kontrollen deutlich erhöht. „Anstatt einmal die Woche wird nun zweimal täglich geprüft“, so Ulrich. Zuletzt seien Verstöße festgestellt worden. „Betroffene Tönnies-Mitarbeiter bleiben zwar in ihrem Quartier, doch es kamen neue Kontaktpersonen hinzu“, erläutert Ulrich die Verstöße.

Der Landrat betont jedoch, dass die Quarantäne-Beschränkungen auch von Deutschen lax gehandhabt werden. Im Burgenlandkreis würden pro Tag etwa 300 Quarantänekontrollen durchgeführt, wobei täglich zwischen fünf und zehn Verstöße festgestellt würden, so Ulrich.

Viele Infizierte ohne Symptome

Die Corona-Infektionen bei Tönnies waren bei Massentests festgestellt worden, die das Unternehmen in den vergangenen Tagen durchgeführt hat. Die 2.000 Mitarbeiter wurden mehrfach getestet. Vielstädte schildert dabei einen interessanten Aspekt, der auch zu einer Neubewertung der Ergebnisse führen könnte: „Die allermeisten Betroffenen waren symptomfrei, erst durch den Test wurde die Infektion entdeckt.“

Schon bei einem Schnupfen oder Halskratzen dürften die Mitarbeiter nicht mehr zur Arbeit kommen. Möglicherweise sei das Infektionsgeschehen im Burgenlandkreis insgesamt höher als angenommen. „Normalerweise werden nur Menschen mit Symptomen getestet“, so der Tönnies-Sprecher.

Dunkelziffer vermutet

Auch Landrat Ulrich, der sich selbst vor ein paar Wochen mit dem Virus infiziert hatte, will diese These nicht ausschließen. Es gebe keine gesicherten Erkenntnisse, wie hoch eine mögliche Dunkelziffer sein könnte.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts gab es in der vergangenen Woche in Deutschland 1.312.802 Corona-Tests und dabei 121.830 positive Fälle. Das heißt, jede zehnte Person war infiziert. (mz)