Ärger um Bauarbeiten am Kirchberg

Ärger um Bauarbeiten am Kirchberg Weißenfels: „Für mich ist ab dort die Welt zu Ende“

Leißling - Wegen der Instandsetzung eines Hanges in Leißling müssen Autofahrer weiterhin einen Umweg in Kauf nehmen. Fußgänger können Bereich wieder passieren.

Von Andrea Hamann-Richter 16.08.2019, 07:00

Für erhitzte Gemüter sorgen dieser Tage Sanierungsarbeiten am Kirchberg in Leißling. „Für mich ist ab dort die Welt zu Ende“, sagt Barbara Kühling und zeigt in die Richtung, wo der Bagger arbeitet. Die 71-Jährige wohnt am Kirchberg, weite Wege kann die Frau nicht bewältigen, ihr Bewegungsradius ist aus gesundheitlichen Gründen eingeschränkt. Der Fußweg am Kirchberg ist der kürzeste Weg zum Einkaufszentrum „Schöne Aussicht“.

Doch seit der vergangenen Woche haben in der Straße die Bagger und Bauarbeiter das Sagen. Für etwa 225.000 Euro finden dort dringende Sanierungsarbeiten statt. Im vergangenen Jahr hatte es zwischen den Häusern 6 und 8 einen Steinschlag gegeben. Wegen der Trockenheit waren mehrere Steine aus der Wand herausgebrochen. Seitdem war dieser Abschnitt teils gesperrt, nun wird er saniert.

Nicht nur für den motorisierten Verkehr gesperrt sondern für jegliche Passanten

Das Problem für Anwohner wie Barbara Kühling: Wegen der dortigen Bauarbeiten war die gesamte Strecke nicht nur für den motorisierten Verkehr gesperrt sondern für jegliche Passanten. Ein Durchlass für Fußgänger konnte laut der Weißenfelser Stadtsprecherin Katharina Vokoun nicht eingerichtet werden, weil die Unfallgefahr zu groß gewesen sei. Es drohte während der Arbeiten schweres Geröll auf die Straße und den Weg zu fallen.

Mit den Arbeiten beschäftigt sind seit der vergangenen Woche Mitarbeiter einer Zeitzer Firma, die zunächst lockeres Gestein und Geröll abgetragen haben. Auch eine Hebebühne kam zum Einsatz, damit die Bauarbeiter überhaupt den Hang erreichen konnten. „Er war an manchen Stellen weich wie Butter“, sagt Felix Göhring, der an der Baustelle eingesetzt ist und das Sandsteingemisch ebenfalls abtrug.

Nun muss der Aushub in die Firma nach Zeitz transportiert werden

Mit Bagger und Brechstangen entfernten sie vorsichtig das marode Gestein und Erdreich und gruben sich bei einer Höhe von bis zu 18 Metern und auf einer Länge von ungefähr 50 Metern bis zu 1,50 Meter in den Berg hinein.

Seit Dienstag sind diese Arbeiten nun abgeschlossen, nun muss der Aushub in die Firma nach Zeitz transportiert werden. Dort werden die Steine dann zermahlen und mit Erde gemischt. Dieses recycelte Material kommt dann zum Beispiel als Untergrund bei anderen Baustellen zum Einsatz.

Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sorgt für noch größere Anstrengung

Doch zurück nach Leißling: Ist dort das ursprüngliche Erdmaterial verschwunden, werden sogenannte L-Elemente aus Beton am Fuß des Kirchberges in eine Tiefe von 1,50 Meter in den Boden eingelassen. 55 Elemente wurden bereits angeliefert. Einmal aufgebaut, sollen sie dann einen Schutzwall bilden, falls sich doch einmal Steine lösen sollten.

Für die von der Komplettsperrung des Kirchberges betroffenen wurden die Arbeiten indessen zur Belastungsprobe. Barbara Kühling etwa hätte, um zum nahen Einkaufscenter „Schöne Aussicht“ zu gelangen, den weiten Weg zur Bushaltestelle in den Ort in Kauf nehmen müssen. Dies belaste aber ihre Gesundheit, denn zur Haltestelle sei sie genau so lange unterwegs, wie bisher über den Kirchberg zum Center. Die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sorge für noch größere Anstrengung, die sie kaum bewältigen kann.

Schlechte Beschilderungen, kaum Informationen, keine nahe Umleitung

Das ist für die Seniorin keine wirklich Ausweichmöglichkeit. „Also schaue ich jetzt jeden Tag nach, wie weit die Bauarbeiten sind und wann wenigstens übergangsweise ein Weg geschaffen wird, damit ich dort wieder langgehen kann“, sagt sie. Die 71-Jährige spricht damit offenbar vielen Bürgern aus der Seele. Denn auch im Ortschaftsrat kritisierten dieser Tage Einwohner die Vorgehensweise am Kirchberg: schlechte Beschilderungen, kaum Informationen, keine nahe Umleitung - das waren nur einige Vorwürfe, die von den Bürgern geäußert wurden.

Zumindest für Fußgänger gibt es aber nun gute Nachrichten: Die Stadt Weißenfels teilte mit, dass ab diesem Donnerstag ein provisorischer Fußweg geschaffen werde. Damit dauert die Sperrung gut eine Woche weniger, als ursprünglich geplant. Damit verkürzt sich auch der Weg für die Kinder, die ab diesem Donnerstag wieder die Schule besuchen.

Eine vage Prognose gibt es von der Stadt Weißenfels

Wie lange die Einschränkungen für den Autoverkehr hingegen noch gelten, das ist indessen noch nicht klar. Wie lange die Arbeiten insgesamt noch dauern, konnte der an der Baustelle eingesetzte Felix Göhring nicht sagen. Man wisse nicht, was sich unter dem Bordstein für Erde oder vielleicht auch noch Leitungen befinden. „Wir arbeiten der Reihe nach die Baustelle ab.“

Eine vage Prognose gibt es hingegen von der Stadt Weißenfels: „Wegen anstehender Restarbeiten, wie zum Beispiel der Errichtung einer stationären Schutzmauer, bleibt die Straße für den Autoverkehr bis voraussichtlich Ende August gesperrt“, heißt es in einer Pressemitteilung. (mz)