Jungbrunnen Altweibermühle

Altweibermühle in Lobitzsch: Festwochenende begeistert mit Mühle und hübschen Damen

Lobitzsch - Das Altweibermühlenfest in Lobitzsch hat am Sonntag seinen Höhepunkt erlebt. Die alten Weiber wurden tatsächlich eingefangen. Anschließend gelang es den Müllerburschen, sie in den Trichter zu stecken. Unter Qualen verwandelten sich die Weiber in wunderschöne junge ...

Von Andrea Hamann 08.08.2016, 06:30

Das Altweibermühlenfest in Lobitzsch hat am Sonntag seinen Höhepunkt erlebt. Die alten Weiber wurden tatsächlich eingefangen. Anschließend gelang es den Müllerburschen, sie in den Trichter zu stecken. Unter Qualen verwandelten sich die Weiber in wunderschöne junge Damen.

Dem waren zwei Festtage vorausgegangen. Die Veranstaltung hatte Tausende Besucher in den kleinen Ort an der Saale gezogen. Kein Wunder - dieses Fest findet nur alle sieben Jahre statt.

In vielen Ecken des Ortes waren seit Sonntagvormittag die alten Weiber zu sehen. Sie waren nach der Tradition von ihren Männern vor die Tür gejagt worden. Damit wollten sie sichergehen, dass der Obermüller und seine Burschen sie tatsächlich schnappten.

Mit Dutt, neckischem Hütchen auf dem Kopf, um die Schultern ein Tuch geschlungen und in Filzpantoffeln saß Grete Ruppgut unter einem schattigen Bäumchen. Vor sich hatte sie einen Korb, gefüllt mit Federn. Grete Ruppgut heißt in Wirklichkeit Eckhard Werner. Der Mann war mit seinen 73 Jahren das älteste teilnehmende Weib. Siebenmal hatte er dem Höhepunkt schon beigewohnt. Während er darauf wartete, eingefangen zu werden, schaute der Lobitzscher zurück. Das Spektakel hatte sein Leben begleitet.

Schon damals viele Besucher

Früher wurde es an der ehemaligen Gaststätte ausgerichtet. Damals mussten noch Pfähle, um die Planen gewickelt waren, die Mühle ersetzen. Später wurde die Veranstaltung dorthin verlegt, wo sie noch heute stattfindet. „Aber die vielen Besucher waren schon damals da“, erinnerte er sich.

Caroline Dathe kam in diesem Moment die Treppen zu dem Rentner hinaufgestiegen. „Ich war zweimal seine junge Dame“, erzählte die Frau. Sie meinte damit, dass sie als 16-Jährige und als 23-Jährige aus der Mühle herausgetreten war, nachdem der verkleidete Eckhard Werner nun in den Schacht gestoßen wurde. „Es war eine schöne Zeit“, schwärmte sie am Sonntag. Dass diese für die ab 25-Jährigen vorbei ist, störte die junge Frau keineswegs. „Es gibt viele, viele andere schöne junge Weiber“, sagte sie augenzwinkernd.

Professionell geschminkt

Caroline Dathe wusste aber, dass sich damit viele Mädchenträume erfüllen. „Sie werden von professionellen Leuten geschminkt und frisiert. Die Kleider sind atemberaubend“, verriet die 30-Jährige. „Sie sind auch extrem aufgeregt“, verriet sie. Das war aber auch kein Wunder in Anbetracht der Tatsache, dass sie sich in wenigen Augenblicken auf dem Laufsteg den Blicken Tausender Besucher stellen mussten.

Tatsächlich herrschte in dem Zelt, wo sich die jungen Damen aufhielten, eine merkwürdige Ruhe. „Sie sind sehr angespannt“, bestätigte Heike Simon. Seit den frühen Vormittagsstunden sorgten sie und weitere Mitglieder des Kultur- und Traditionsvereines im Festzelt dafür, dass alles seinen Gang lief.

Vorsichtiger Blick

Paula Schiefner atmete einmal tief durch. Ein vorsichtiger Blick nach draußen bestätigte ihre Ahnung. Die Massen drängten sich bereits vor der Mühle, um das Spektakel nicht zu verpassen. „Alle Augen sind ja auf einen gerichtet“, sagte die 19-Jährige. Sie war der Jungbrunnen von Thomas Ködel. Er war an diesem Sonntag Martha Rübenschmeiß und die machte ihrem Namen alle Ehre. Während das Weib im Ort sein Obst und Gemüse verkaufte, warf es immer mal wieder Tomaten in die Menge.

Martha Rübenschmeiß war das erste alte Weib, das in den Trichter geworfen wurde. Der Moment danach gehörte Paula Schiefner. In einem weißen Kleid, mit wunderschöner Frisur und perfektem Make-up präsentierte sie sich und genoss den App-laus, der nur ihr galt. (mz)