272 Corona-Fälle bei Tönnies in Weißenfels

272 Corona-Fälle bei Tönnies in Weißenfels: Schlachthof-Mitarbeiter werden isoliert

Weissenfels - Bereits jeder zehnte Schlachthof-Beschäftigte in Weißenfels hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Stadt und Kreis dringen nun darauf, dass Betroffene umziehen.

Von Alexander Kempf

Am Montag haben 17 Beschäftigte des Weißenfelser Schlachthofs ihre Koffer gepackt und sind umgezogen. Sie haben sich gemeinsam in Quarantäne begeben. Denn neben der gemeinsamen Arbeitsstelle verbindet sie, dass sie zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden sind. Mit ihrer Isolation soll verhindert werden, dass sich das Virus weiter in Weißenfels ausbreitet.

Angeregt hatten den Umzug die Stadt Weißenfels und das Landratsamt, verkündete Landrat Götz Ulrich (CDU) am Mittwoch während der wöchentlichen Corona-Pressekonferenz. Der Schlachthofbetreiber Tönnies habe den Vorschlag angenommen und für die Unterbringung der Infizierten neben Zimmern im Euroville Jugend- und Sporthotel in Naumburg auch Quarantäne-Wohnungen in Weißenfels selbst angemietet.

Von 272 infizierten Schlachthof-Beschäftigten berichtete Landrat Götz Ulrich am Mittwoch. Das wäre mehr als jeder zehnte Mitarbeiter des Fleischwerks, wo inklusive der Mitarbeiter der externen Lebensmittelüberwachung etwa 2.300 Menschen arbeiten sollen. Trotz dieser Häufung geht der Landrat bisher davon aus, dass die Ansteckungen unter den Beschäftigten nicht im Werk selbst, sondern im privaten Wohnumfeld erfolgten.

Schlachthof in Weißenfels: Keine Beanstandungen bei Kontrolle

Dafür spricht etwa eine unangemeldete Kontrolle des Landesamts für Verbraucherschutz am vergangenen Freitag im Weißenfelser Schlachthof. Die Kontrolleure waren zu dem Ergebnis gekommen, dass Tönnies in seinem Werk in der Saalestadt alle Vorkehrungen getroffen habe, um eine Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. Dem Unternehmen wurde ein sehr verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema bescheinigt, berichtete Landrat Götz Ulrich.

Im Gegensatz zu anderen Tönnies-Standorten wohnen die Beschäftigten des Fleischwerks in Weißenfels dezentral über das Stadtgebiet verteilt. Daher habe man laut Landrat auch davon abgesehen, ganze Straßen unter Quarantäne zu stellen. So hatten im Sommer andere Verwaltungen reagiert, als es andernorts zu größeren Corona-Ausbrüchen bei Fleischbetrieben kam.

Corona: Infizierte sollen in separate Wohnungen

An seinem Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück war der Weißenfelser Schlachthofbetreiber Tönnies im Sommer sogar gezwungen, sein Fleischwerk für zwei Wochen ganz zu schließen. Das war und ist in Weißenfels bisher keine Option. Landrat Götz Ulrich sprach am Mittwoch selbst von einer stabilen bis leicht rückläufigen Infektionslage. So seien etwa am Dienstag bei einer internen Reihentestung von 1.047 Beschäftigten des Schlachthofs bisher nur 26 positive Fälle festgestellt worden.

Nicht im Betrieb, sondern in der Freizeit stecken sich die Beschäftigten an - so die Annahme aller Verantwortlichen. Mit der Unterbringung von Infizierten in separaten Wohnungen soll das Infektionsgeschehen nun weiter unter Kontrolle gebracht werden. Parallel kontrollieren die Stadt Weißenfels und der Landkreis derzeit öfter, ob die Quarantäne-Auflagen eingehalten werden. Bis zu zwei Kontrollen gebe es täglich. Und auch Tönnies selbst habe ein eigenes Überwachungsteam gegründet, um noch häufiger Sorge zu tragen, dass infizierte Beschäftigte keinen Kontakt zu anderen haben.

Oberbürgermeister Risch lobt die Zusammenarbeit mit  Tönnies

In jedem Fall investiert Tönnies viel Zeit und Geld, um Transparenz zu schaffen. Allein in den vergangenen zehn Tagen habe das Unternehmen 14.000 Corona-Tests durchgeführt, berichtete der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) während der Corona-Pressekonferenz. Damit sei inzwischen jeder Beschäftigte getestet worden. „Ich bin glücklich, dass es dadurch gelingt, Infizierte zu erkennen“, so der Oberbürgermeister wörtlich. Er lobte die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen. Im Regelfall erfahre die Stadt unmittelbar nach positiven Tests, welche Mitarbeiter betroffen sind, und könne abgleichen, ob die Quarantäne-Auflagen eingehalten werden. Auch im Hinblick auf betroffene Familienmitglieder.

In einem Fall sei festgestellt worden, dass Beschäftigte in Quarantäne auch Besuch erhalten haben. „Das ist natürlich völlig kontraproduktiv“, sagte Robby Risch. Dies sei ein Grund gewesen, dass man sich gegenüber dem Unternehmen für eine getrennte Unterbringung von Infizierten stark gemacht hat. (mz)