Überwinternder Storch

Überwinternder Storch: Futtersuche an der Elbe

Jessen/Herzberg - Der Storch, der nicht in den Süden flog und in Herzberg überwintern wollte, hat auf der Suche nach Futter seinen Stammplatz in Herzberg verlassen.

Von Frank Grommisch 18.02.2021, 08:46

Der Weißstorch, der wegen eines verletzten Flügels zunächst in Herzberg (Elbe-Elster) überwintert hatte, ist inzwischen nach Sachsen-Anhalt umgezogen. Darüber hat jetzt die Nachrichtenagentur DPA berichtet. Nach Angaben der Storchenbeauftragten des Naturschutzvereins „Elsteraue“ Falkenberg, Sabine Lehmann, habe ihn der Storchenhof Loburg aufgenommen, nachdem das Tier in der Elbaue gesichtet worden war.

Er lässt es sich schmecken

Das bestätigt am Mittwoch Michael Kaatz, Geschäftsführer vom Storchenhof, gegenüber der MZ. Der Adebar sei seit Anfang Februar in Loburg. Er fühle sich wohl. „Er frisst sehr gut.“ Aufgrund einer gebrochenen Handschwinge am rechten Flügel, der Bruch liege schon länger zurück und ist nach Auskunft des Fachmanns schief zusammengewachsen, sei das Tier etwas eingeschränkt, aber es könne fliegen, nur offenbar nicht so weite Strecken bis in den Süden.

Wahrscheinlich hat sich der Storch in Herzberg aufgemacht, um über das Jessener Land an die Elbe zu gelangen, in der Hoffnung, dort leichter Futter zu finden. Der Storchenhof hatte laut DPA Anfang Februar auf seiner Internetseite von einem Weißstorch als erstem Neuzugang des Jahres 2021 berichtet. Nach dem Abgleichen von Bildern sei das unzweifelhaft der Herzberger Weißstorch, sagte Lehmann, die sich mit dem Storchenhof dazu verständigte.

Sie erklärt sich den waghalsigen Flug des gehandicapten Storches von etwa 45 Kilometern nach Sachsen-Anhalt ebenfalls mit dem Instinkt des Tieres, dort Futter zu finden. „Schwarzweißchen“, wie ihn Mädchen und Jungen einer Kindertagesstätte in Herzberg getauft hatten, habe sich auf die Suche nach besseren Bedingungen gemacht, sagte Lehmann, die insgesamt 40 Storchennester in der Region betreut.

Nachdem das Tier längere Zeit nicht aufgetaucht war, hatte sie sich gesorgt. Der ungewöhnliche Gast hatte sich wegen seines Handycaps seit Oktober in Herzberg aufgehalten, zur Freude der Einwohner. Unter anderem hatte sich der Adebar einen Horst direkt am Landratsamt gesucht.

Nach seinem Ausflug in den Nachbarkreis konnte das geschwächte Tier, so Michael Kaatz, auf einem Friedhof in Dabrun eingefangen werden. Dort habe es nach seinem Kenntnisstand eine höhere Mauer gegeben, die es begünstigt habe, das Tier in Obhut nehmen zu können.

Der Storch wurde in einer Tierklinik in Wittenberg wegen seines hängenden Flügels untersucht. Damit müsse er jetzt leben, sagte Lehmann. „Es wird ein Storch sein, der wohl immer hierbleibt“, statt mit den anderen Weißstörchen in den Süden zu ziehen. Die Storchenbeauftragte hofft, dass Adebar nach der Pflege wieder zurück nach Herzberg kommt. Unwahrscheinlich sei das nicht.

Bald ein Ringträger

Es gilt sogar als wahrscheinlich, bestätigt Michael Kaatz. Er kündigt an, dass „Schwarzweißchen“ nach seinem Aufenthalt in Loburg wieder in Herzberg in die Freiheit entlassen werden soll. Wie alt der Storch ist, sei nicht bekannt. Er trage keinen Ring, aber er werde einen bekommen, kündigt Kaatz an.

Dass Störche über den Winter bleiben, sei in Sachsen-Anhalt selten, sagt Michael Kaatz noch. In den südlichen Bundesländern komme so etwas häufiger vor. In der Nachbarschaft gibt es übrigens noch einen Winterstorch, in Luckenwalde (Teltow-Fläming). Er versorge sich im dortigen Tierpark mit Nahrung.

Inzwischen sollen bereits erste Störche nach Sachsen-Anhalt zurückgekehrt sein, berichtet Michael Kaatz. Im Storchenhof habe es deshalb schon aufgeregte Anrufe gegeben. Aber es sei kein Grund zur Sorge. „Jetzt kommt doch der Frühling.“ (mz/dpa)