„Stopp - keine Tests für Kinder“

Warum Eltern aus dem Südharz gegen die Testpflicht an den Schulen protestieren

Protest gegen die Corona-Schnelltests an den Schulen: Eltern aus dem Südharz befürchten für Grundschüler körperliche und seelische Schäden.

Rottleberode

Montagmorgen, halb acht. Vor der Rottleberöder Thyratal-Grundschule haben sich rund 30 Erwachsene, darunter AfD-Politiker, und wenige Kinder versammelt. Worum es ihnen geht, steht auf Plakaten: „Stopp - keine Tests für Kinder“. Denn Kultusminister Marco Tullner (CDU) fordert neuerdings auch für Grundschüler zwei wöchentliche Selbsttests oder anderweitig belastbare Nachweise, dass Kinder nicht mit dem Coronavirus infiziert sind, sonst dürfen sie die Schule nicht besuchen.

Das gehe manchen Eltern entschieden zu weit, weiß Steffi Kunath aus Rottleberode. „Am Donnerstag haben sich deswegen viele Eltern an mich gewandt.“ Selbst Mutter, habe sie die Initiative ergriffen und den Protest zum Unterrichtsbeginn organisiert. Ihr achtjähriger Sohn bleibe vorerst zu Hause, sagt sie: „Wir machen zu Hause Schule. Mein Lebensgefährte und ich arbeiten in Wechselschichten, das passt.“

Es gehe einzig und allein um die Kinder, mahnt Detlef Haucke in seiner Rede, alle anderen Themen gehörten hier nicht hin. Ganz bewusst hätten sie den Ort und die Zeit für ihren Protest gewählt, auch wenn die Schulleitung dies anders gesehen und aufs Kultusministerium verwiesen habe. Haucke prangert an, Kinder zu zwingen, einen Test an sich vorzunehmen. Obwohl das Ergebnis fehlerhaft sein könne, führe ein positives Testergebnis dazu, dass womöglich mit den Fingern auf ein Kind gezeigt werde, dass es sofort separiert werde und nach Hause müsse.

Argumentation mit falschen positiven Corona-Schnelltests

Es gebe ja nicht mal genug Fachpersonal, um den Unterricht abzudecken: „Wer betreut dann ein vermeintlich positiv getestetes Kind?“ Es drohten körperliche und seelische Schäden, dabei litten die Kinder unter den eingeschränkten Sozialkontakten schon genug. Er verweist auf eine Untersuchung, nach der 96 Prozent der positiven Schnelltests falsch seien. „Testen sich die Lehrer auch im Beisein aller Kinder?“ Statt Massentests bei gesunden Kindern und Panik zu machen, müssten die Kinder Zugang zu Bildung haben. Und den Eltern sei die Kompetenz zuzugestehen, selbst zu entscheiden, ob ihr Kind gesund oder krank sei. Kinder dürften nicht als Pandemietreiber stigmatisiert werden.

Sein Sohn habe keine Angst vor dem Test, sagt hingegen Oliver Vollrath, der den Siebenjährigen zur Schule bringt. „Wir haben das schon vier Mal zu Hause gemacht, freiwillig.“ Die jetzigen Tests seien einfacher zu handhaben, die ersten Tests wären viel ekliger gewesen. Die Schule könne außerdem am wenigsten dafür, dass nun die Selbsttests gefordert würden, findet der Vater. „Es muss halt gemacht werden. Das Ganze geht doch nun schon über ein Jahr.“ Es gehe darum, die Infektionen einzudämmen. „Die Testpflicht in den Betrieben wird auch kommen.“ Sein Sohn habe an diesem Morgen eher Angst vor dem Menschenauflauf an der Schule. (mz/Helga Koch)