Übernahme

Übernahme: Bei Mifa rollt es wieder

Sangerhausen - Der insolvente Sangerhäuser Fahrradhersteller ist verkauft und heißt künftig Sachsenring Bike Manufaktur. Die neuen Werkhallen werden aber leer stehen.

Von Karl-Heinz Klarner 20.07.2017, 12:33
Der Coburger Manager und Unternehmer Stefan Zubcic hat den Kaufvertrag für das Fahrradunternehmen Mifa aus Sangerhausen unterzeichnet.
Der Coburger Manager und Unternehmer Stefan Zubcic hat den Kaufvertrag für das Fahrradunternehmen Mifa aus Sangerhausen unterzeichnet. dpa-Zentralbild

„Das war wirklich Rettung in letzter Sekunde“, sagte  Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Der Coburger Unternehmer Stefan Zubcic hat am Donnerstag den Kaufvertrag für die insolventen Mitteldeutschen Fahrradwerke in Sangerhausen (Mansfeld-Südharz) unterzeichnet.

Die Gläubiger hätten dem Verkauf bereits zugestimmt, so Flöther. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Betriebsübergang ist für den 1. August dieses Jahres geplant. 

Traditionsunternehmen soll Sachsenring Bike Manufaktur heißen

Damit haben die verbliebenen 130 der ehemals 500 Beschäftigten am Standort wieder eine Perspektive. Allerdings soll das Sangerhäuser Traditionsunternehmen künftig unter  dem Namen Sachsenring Bike Manufaktur fortgeführt werden.

Die Umbenennung sei Ausdruck für einen konsequenten Neuanfang, betonte Zubcic. Die Marke Mifa solle aber als Modellname für Fahrräder erhalten bleiben.

Industriegewerkschaft Metall steht neuem Eigentümer positiv gegenüber

Allerdings sollen in Sangerhausen künftig deutlich weniger Fahrräder das Band verlassen als bisher. Stattdessen wolle  man langfristig und mit Augenmaß wieder wachsen, hieß es. „Von Seiten der bisherigen Hauptkunden gibt es konkrete, positive Rückmeldungen bezüglich der weiteren Zusammenarbeit“, betonte Zubcic.

Die Industriegewerkschaft Metall (IG) steht dem neuen Eigentümer positiv gegenüber. Demnach hätten alle Mitarbeiter neue Arbeitsverträge zu den alten Konditionen erhalten. „Auch am Betriebsrat wird nicht gerüttelt“, sagte Gewerkschaftssekretär Michael Perner der MZ.

Unternehmer Zubcic als Sanierer von insolventen Firmen bekannt

Der als Sanierer von insolventen Firmen bekannte Unternehmer Zubcic hatte erst kurz vor der Zerschlagung des Unternehmens sein Interesse an Mifa bekundet. Der Bayer gilt als Retter von Automobilzulieferer Sachsenring in Zwickau, bei dem zu DDR-Zeiten der Trabant vom Band lief.

2016 folgte die Übernahme der Nündel Kunststofftechnologie in Wendelstein/Nürnberg (Automotive/Medizintechnik). Im März 2017 kam noch das Saxo Glaswerk in Brand-Erbisdorf/Erzgebirge (Flachglasveredelung) hinzu.

Was bedeutet die Übernahme für die Belegschaft?

Für die Belegschaft heißt es nun, die Umzugskartons am Autobahndreieck Südharz zu packen, wo gegenwärtig noch die Produktion in dem 17 Millionen Euro teuren Werksneubau läuft. Die Halle gehört Ex-Mifa-Eigentümer Heinrich von Nathusius, die Fahrradbauer sind nur Mieter.

Zubcic will in die alten Werkhallen im Zentrum von Sangerhausen zurückkehren und dort die Produktionsstrecke wieder aufbauen. Ein Teil der Immobilien gehört nach einem gescheiterten Rettungsversuch der ehemaligen Mifa AG dem Landkreis Mansfeld-Südharz.

Schneller Umzug: Zubcic will zurück in die alten Werkhallen im Zentrum

„Einem Umzug steht von unserer Seite nichts im Wege“, sagte Mark Lange von der Standortmarketinggesellschaft Mansfeld-Südharz, die das Areal vermarktet. Ein befristeter Gewerbemietvertrag soll den schnellen Umzug sichern helfen. 

Mit der Übernahme endet ein jahrelanges Ringen um den Fortbestand des Fahrradbauers. 2014 ging das damals noch börsennotierte Unternehmen erstmals in Insolvenz, dem folgte 2016 einen weiterer Insolvenzantrag.

Vor der jetzigen Übernahme waren Verhandlungen mit dem ehemaligen Mifa-Bike-Eigentümer Heinrich von Nathusius und der Unternehmerfamilie Puello gescheitert. (MZ)