Unter neuer Leitung

Tino Lehnert hat die Baumschule seines Vaters in Sangerhausen übernommen

Tino Lehnert hat die Baumschule seines Vaters übernommen. Wie Corona die Nachfrage nach bestimmten Sorten verändert hat.

Von Grit Pommer
Tino Lehnert hat die Sangerhäuser Baumschule von seinem Vater Uwe übernommen, führt sie als Gartenbaumschule Lehnert fort.
Tino Lehnert hat die Sangerhäuser Baumschule von seinem Vater Uwe übernommen, führt sie als Gartenbaumschule Lehnert fort. (Foto: Maik Schumann)

Sangerhausen/MZ - Es ist eine ungewöhnliche Kulisse für eine Autobahnauffahrt: Bäume und Sträucher in den verschiedensten Größen stehen in Reih’ und Glied, so weit das Auge reicht. Und viele davon sind nicht natürlich gewachsen, sondern exakt in Kugel- oder Schneckenform geschnitten.

Die Pflanzreihen gehören zu den Sangerhäuser Baumschulen, die sich 2004 auf einem gut drei Hektar großen Gelände an der A38-Auffahrt in Sangerhausen-Süd angesiedelt haben. In diesem Jahr nun gab es eine Veränderung: Junior Tino Lehnert übernahm von seinem Vater Uwe das Zepter der Geschäftsführung. Nun firmiert das Unternehmen unter dem neuen Namen Gartenbaumschule Lehnert.

Beratung zu Sträucher und Hecken

Gleich geblieben ist indes das Angebot der Fünf-Mann-Firma: Fast alles, was man in einen Garten pflanzen kann, gibt es hier zu erwerben. Und vieles davon wird auf Sangerhäuser Boden selbst herangezogen. „Wir beraten auch, zum Beispiel, welche Sträucher man zu Hecken zusammenstellen kann“, sagt Tino Lehnert. Er ist quasi in der Baumschule groß geworden. „Ich bin schon als kleiner Stift in Roßla mit rumgeflitzt“, erzählt der 32-Jährige. Dort hatte sein Vater die Baumschule 1992 gegründet. Für seinen Sohn stand nie ernsthaft in Frage, dass er beruflich mal in die gleiche Richtung gehen würde. Im thüringischen Oberdorla lernte er Baumschulgärtner, absolvierte von 2014 bis 2016 zusätzlich die Meisterausbildung.

In den langen Pflanzreihen auf dem Sangerhäuser Gelände kennt er sich aus wie in seiner Westentasche. Regelmäßig sind er und seine Kollegen in den Reihen unterwegs, topfen die Gewächse in neue Container, um größere Pflanzen heranzuziehen, und versetzen andere regelmäßig an neue Standorte. Auch die Formschnitte wollen immer wieder erneuert werden.

Obstbäume sind sehr begehrt

„Der allergrößte Teil unserer Kunden sind Privatleute“, sagt Lehnert. Er hat in der Zeit der beiden Lockdowns sehr deutlich gespürt, wie das Interesse am eigenen Grundstück und Garten zugenommen hat. Als Reisen, Konzert- und Restaurantbesuche nicht möglich waren, machte man sich’s eben zu Hause schön und gab Garten und Terrasse mit den passenden Bäumen und Sträuchern gern auch mal einen mediterranen Schliff. Der Urlaub im Südharz fühlte sich dann fast genau so an wie im Süden. Aber auch Obstbäume waren plötzlich begehrt wie nie. „Im Herbst war der Markt da wie leergefegt“, erzählt Tino Lehnert.

Insgesamt hat er bei der Nachfrage nach bestimmten Pflanzen in jüngster Zeit einen Wandel beobachtet. Lebensbäume, die lange Zeit ein absoluter Renner waren, seien etwas weniger gefragt. Dafür interessieren sich immer mehr Kunden für bienenfreundliche Pflanzen, in deren Blüten die Insekten Nahrung finden. „Der Klassiker ist da der Sommerflieder“, weiß Lehnert. Speziell die weißen Exemplare haben in diesem Jahr auch besonders prächtig geblüht.

Mit Einzug des Herbstes geht der Blick nun auch schon langsam wieder in Richtung Weihnachtsbaumverkauf. Die Blaufichten baut Lehnert traditionell ebenfalls auf dem eigenen Gelände an.