Nach blutiger Attacke in Regionalzug

Nach blutiger Attacke in Regionalzug: Staatsanwalt stellt Haftantrag für Messerstecher

Sangerhausen/Wolferode - Staatsanwaltschaft wirft 29-Jährigem versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Von Frank Schedwill 17.01.2017, 16:00

Nach der Messerstecherei in einem Regionalzug zwischen Eisleben und Sangerhausen hat die hallesche Staatsanwaltschaft am Nachmittag Haftantrag gegen den 29 Jahre alten mutmaßlichen Angreifer aus Afghanistan gestellt. „Wir werfen ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor“, sagte Klaus Wiechmann, der Sprecher der Staatsanwaltschaft am Dienstagnachmittag. Der Mann solle nun einem Haftrichter in Eisleben vorgestellt werden.

Vorfall in der Regionalbahn soll Beziehungstat gewesen

Der 29-Jährige war bereits am Montag nach dem Vorfall vorläufig festgenommen worden. Da er bei der Auseinandersetzung ebenfalls Verletzungen davongetragen habe, sei er aber erstmal in einem Krankenhaus behandelt worden. Nach seiner Entlassung aus der Klinik wurde er im Laufe des Dienstags von der Polizei vernommen. Dort habe er von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, sagte der Staatsanwalt.

Laut Wiechmann ist der Vorfall in der Regionalbahn eine Beziehungstat gewesen: „Alle drei Beteiligten kennen sich.“ Es handele sich bei ihnen um ein Ehepaar im Alter von 29 und 22 Jahren sowie um einen einen 29-Jährigen, in den sich die 22-jährige Frau verliebt hatte. Alle drei stammen aus Afghanistan.

Die Frau und ihr neuer Freund hätten zusammen im Zug gesessen. Der Ehemann soll dann gegen 11.50 Uhr mit seinem Klappmesser auf seinen Nebenbuhler losgangen sein und ihn lebensbedrohlich verletzt haben, als sich der Zug zwischen Eisleben und Wolferode befand. Das Opfer habe sich gewehrt. Die 22-jährige Frau sei dazwischen gegangen und ebenfalls massiv verletzt worden, so die Staatsanwaltschaft. Beide Opfer erlitten mehrfache Stichverletzungen. Sie werden in Krankenhäusern behandelt.

Fahrgast: „Die Bilder werde ich nie wieder los.“

Fahrgäste der Regionalbahn äußerten sich entsetzt über den Vorfall: „Ich saß mit drei Kolleginnen im diesem Zug. Es war grauenvoll“, schreibt eine Frau auf Facebook. Sie stelle sich die Frage, warum man ein Messer mit sich tragen müsse. Und weiter: „Die Bilder werde ich nie wieder los.“

Eine 17-jährige Berufsschülerin, die die Bahn täglich auf ihrem Schulweg nutzt, sprach davon, nun extrem Angst zu haben, mit dem Zug zu fahren: „Wenn die Haltestelle Wolferode angesagt wird, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich habe nur etwa zehn Meter vom Tatort entfernt gesessen“, sagte die Augenzeugin der MZ.

Nach ihren Worten hat es erst einen verbalen Streit zwischen den Beteiligten gegeben. Die Schaffnerin und ein Fahrgast hätten dann versucht, die Streitenden auseinanderzubringen beziehungsweise den Angreifer festzuhalten. Das sei nicht gelungen. Der 29-Jährige habe sich losreißen und vorbeischlängeln können. Der Angreifer soll dann das Messer aus seiner Gesäßtasche gezogen und dem anderen Mann zweimal in das Gesicht und zweimal in den Bereich des Oberkörpers gestochen haben, schilderte sie das dramatische Geschehen. Das Opfer habe schwere Verletzungen am Auge, an der Lippe und am Oberkörper erlitten.

Regionalzug ist in Sangerhausen von Kriminaltechnikern auf Spuren untersucht worden

Die Regionalbahn, die eigentlich bis Nordhausen weiterfahren sollte, wurde nach dem Messerangriff am Bahnhof in Wolferode gestoppt. Der Rettungsdienst holte dort die Verletzten aus dem Zug. Auch die Reisenden mussten in Wolferode aussteigen. Der Zug fuhr dann leer weiter bis nach Sangerhausen. Dort wurde er von Kriminaltechnikern aufwendig auf Spuren untersucht. (mz)