Mit sofortiger Wirkung beurlaubt

Mit sofortiger Wirkung beurlaubt: Rosenstadt-Chef Uwe Schmidt muss gehen

Sangerhausen - Der Tourismusverband begründet das mit inhaltlichen Differenzen über die künftige Arbeit.

Von Frank Schedwill

Die Nachricht dürfte einige doch überraschen: Der Tourismusverband Sangerhausen-Südharz hat Uwe Schmidt, den langjährigen Geschäftsführer der Rosenstadt Sangerhausen GmbH, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Das hat Oberbürgermeister Sven Strauß, der auch Vorsitzender des Tourismusverbands ist, am Donnerstag bestätigt. „Grund sind inhaltliche Differenzen über die künftige Ausrichtung und Arbeit der GmbH“, sagte Strauß der MZ.

Der Tourismusverband ist 100-prozentiger Gesellschafter der GmbH, die seit Oktober 2001 besteht. Sie kümmert sich unter anderem um den touristischen Betrieb des Europa-Rosariums, der größte Rosensammlung der Welt, und das Schaubergwerk im Sangerhäuser Ortsteil Wettelrode. In der GmbH sind 43 Mitarbeiter fest angestellt. Dazu werden noch eine ganze Reihe Saisonkräfte beschäftigt.

Strauß verkündet: Rosariums-Chef Schmidt mit sofortiger Wirkung beurlaubt

Auf einer Belegschaftsversammlung am Donnerstagmorgen hat Strauß ihnen die Beurlaubung des Geschäftsführers mitgeteilt. Schmidt hatte die GmbH seit dem 1. Januar 2010 geleitet. Zuvor war der gebürtige Stolberger in leitenden Funktionen bei den Gartenschauen in Nordhausen im Jahr 2004 und in Wernigerode 2006 tätig gewesen.

„Es gibt in der Rosenstadt GmbH jetzt verständlicherweise viel Unruhe“, schilderte Strauß seine Eindrücke von der Belegschaftsversammlung. „Jetzt kommt es aber darauf an, dass alle an einem Strang ziehen, um die Zukunft positiv zu gestalten.“

Ein Hintergrund für die Beurlaubung von Schmidt sind höchstwahrscheinlich auch die stark schwankenden Besucherzahlen im Europa-Rosarium: 2014 waren dort etwa 107.000 Gäste gezählt worden. 2015 kamen 94.000 Besucher, 2016 über 107.000 und im vergangenen Jahr 97.000.

Hätte Rosarium in der Vergangenheit mehr Besucher anlocken können?

Wie Strauß sagte, rechne er in der laufenden Saison damit, dass etwa 10.000 bis 20.000 Besucher weniger als 2017 den Rosengarten besuchen werden.

Der Tourismusverband Sangerhausen-Südharz hat nach eigenen  Angaben 112 Mitglieder, davon stammt der überwiegende Teil (58 Prozent) aus Sangerhausen, der Rest aus Mansfeld-Südharz.
Der Verband wurde 1990 als Sangerhäuser Fremdenverkehrsverein ins Leben gerufen.

Im Jahr 2001 erfolgte die Gründung der Rosenstadt Sangerhausen GmbH, deren Gesellschafter der Verband zu 100 Prozent ist. Die GmbH kümmert sich neben dem touristischen Betrieb des Rosariums und des Schaubergwerks in Wettelrode um die Sangerhäuser Touristinformation im Bahnhofsgebäude. Außerdem organisiert die GmbH eine ganze Reihe Veranstaltungen wie Konzerte, das Public Viewing zu Fußballeuropa- oder Weltmeisterschaften sowie das „Fest der 1.000 Lichter“. (mz)

Das habe aber eindeutig an den heißen, trockenen Sommermonaten mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius gelegen. „Da kann man ihm keinerlei Vorwurf machen“, sagte der Oberbürgermeister. „Es hat aber durchaus Jahre gegeben, wo es mehr Besucher hätten sein müssen.“ Schmidt selbst wollte sich auf MZ-Anfrage nicht äußern.

Sangerhäuser Stadträte zeigten sich von der Beurlaubung des Rosenstadt-Chefs überrascht. „Ich finde es schon erstaunlich, dass wir vor einer so brisanten Entscheidung nicht informiert worden sind“, sagte beispielsweise Klaus Peche, der Fraktionschef der Bürgerinitiative Sangerhausen (BIS). Aber noch nicht einmal die Fraktionsvorsitzenden seien vom Oberbürgermeister im Vorfeld eingeweiht worden.

Sangerhäuser Zentrum profitiert kaum von Besucherns des Rosariums

Peche sagte: „Insbesondere meine Fraktion hat sich immer wieder kritisch zur Arbeit der Rosenstadt GmbH geäußert. Ich hoffe, dass es künftig eine bessere Zusammenarbeit gibt. Denn derzeit fehlt eine Art Bindeglied zwischen dem Rosarium und der Innenstadt.“

Auch beim letzten Ratsstammtisch war mehrfach kritisiert worden, dass das Zentrum nicht oder nur kaum von den Besuchern im Rosengarten profitiere.

Wie geht es nun weiter? Strauß kündigte für kommenden Monat eine Vorstandssitzung des Tourismusverbands an. Dort soll dann über die nächsten Schritte beraten werden. (mz)