Kult Simson

Kult Simson: Dieter und Steffen Westphal aus Sangerhausen hauchen Mopeds aus DDR-Zeiten wieder Leben ein

Sangerhausen - Nachfrage für DDR-Maschinen ist groß.

Von Frank Schedwill

Blitzblank poliert und glänzend stehen die Simson-Mopeds hinter dem Schaufenster am Sangerhäuser Markt. Fast so, als hätten sie gerade das Montageband im Herstellerwerk in Suhl verlassen. Dieter Westphal und sein Sohn Steffen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Fahrzeuge aus DDR-Zeiten zu restaurieren. Und was viele Jahre lang nach der Deutschen Einheit out war, liegt heute wieder voll im Trend.

Simson-Mopeds sind im Trend - auch in Mansfeld-Südharz

„Wir können uns vor Aufträgen kaum retten“, sagt der 66-jährige Chef des Zwei-Mann-Kfz-Elektrik-Betriebs. In den vergangenen Jahren sei das Geschäft mit dem Mopeds stark gewachsen. Grund dafür ist der Einigungsvertrag: Demnach dürfen Mopeds aus DDR-Zeiten weiter mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde unterwegs sein, bei anderen ist dagegen aus gesetzlichen Gründen bereits bei Tempo 45 Schluss.

„Gerade für junge Leute ist das ein Grund, sich für eine Simson zu entscheiden.“ Dazu komme, das Jugendliche in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen-Anhalt bereits mit 15 Jahren Moped fahren dürfen. „Das hat einen regelrechten Boom ausgelöst“, sagt Dieter Westphal. Die alten Simson-Mopeds seien mittlerweile Kult.

Werkstatt in Sangerhausen besteht schon seit 1958

Bereits seit 1958 besteht das Unternehmen in Sangerhausen. Erst war die Werkstatt in der Kylischen Straße ansässig. Seit 1963 befindet sie sich auf einem Hofgrundstück am Marktplatz. Über die Jahre hat sich Westphals Werkstatt zum Geheimtipp für Fans von DDR-Fahrzeugtechnik in der gesamten Region und darüber hinaus entwickelt. Erst kürzlich sei ein restauriertes Jawa-Motorrad ins Saarland verkauft worden. Wer Moped- oder Motorradteile sucht beziehungsweise etwas repariert haben will, schaut bei ihm vorbei.

„Hauptsächlich leben wir vom Reparaturgeschäft“, sagt Westphal. „Jedes Jahr restaurieren wir aber auch eine ganze Reihe Mopeds.“ Erst kürzlich sei eine blaue KR 50, der Vorläufer der legendären Schwalbe, fertig geworden. Der Roller aus dem Baujahr 1958 befindet sich nach der Kur bei Westphals fast wieder im Originalzustand.

Generalüberholung von Simson-Moped dauert in Sangerhäuser Werkstatt zwei bis drei Wochen

Etwa zwei bis drei Wochen, je nach Zustand des Ausgangsmaterials, dauert es, bis eine Simson generalüberholt ist. Die Mopeds werden von Grund auf zerlegt, die lackierten Teile sandgestrahlt und dann mit neuer Farbe versehen. Dazu werden defekte Teile getauscht, die Motoren überholt und neue Lichtmaschinen eingebaut. Die Teile werden von verschiedenen Herstellern heute wieder produziert.

So ein Neuaufbau hat natürlich seinen Preis. Mit etwa 2.000 bis 2.500 Euro müsse man für ein komplett restaurierte Simson schon rechnen, sagt Dieter Westphal. Die Preise seien aber Verhandlungssache und hingen auch davon ab, was der Kunde am Ende haben wolle.

In den nächsten Jahren wollen die Simsonretter weitermachen. Geplant ist, dass Sohn Steffen einmal die väterliche Werkstatt übernimmt. Einige Zeit will Dieter Westphal aber auch noch mitarbeiten. Zu einen hängt er an dem Familienbetrieb und zum anderen sei die Arbeit allein gar nicht zu schaffen, sagt er. (mz)