Konzert mit Stargeiger

Konzert mit Stargeiger: Sangerhäuser Dudelsackspieler treten mit André Rieu auf

Sangerhausen - Veranstaltungen finden in Berlin und Nürnberg statt.

Von Ralf Kandel 23.01.2018, 18:00

Karsten Reichelt lächelt. „Ich sehe das Ganze gelassen“, sagt er. „Noch.“ Spätestens am 1. Februar dürfte es mit der Gelassenheit des Sangerhäusers aber vorbei sein. Dann nämlich schlägt die große Stunde für den 55-Jährigen und 18 weitere Mitstreiter der „Barbarossa Pipes and Drums“. In Berlin und einen Tag später in Nürnberg treten sie bei Konzerten gemeinsam mit Weltstar André Rieu auf.

Wie lange sie gemeinsam mit dem holländischen Geiger, der derzeit mit seinem Orchester auf Deutschland-Tour ist, auf der Bühne stehen? Wie viele Titel gespielt werden? Das kann der Chef der Band noch nicht sagen. „Wir haben noch keine Details zu den Auftritten, die gibt es erst noch. Ich denke aber, dass wir durch den Saal auf die Bühne marschieren und dann dort spielen.“ Er rechnet mit einer Viertelstunde, wenn man alles zusammennimmt. „Und natürlich mit dem ganzen Orchester zusammen“, erzählt Reichelt.

Sangerhäuser treten gemeinsam mit Gruppe aus Berlin bei Rieu-Konzert auf

Den ganz genauen Ablauf wisse man spätestens zur Generalprobe in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin am Nachmittag des ersten Auftritts. Vorher allerdings gibt es schon einige andere Proben. Schließlich sind die Sangerhäuser nicht allein, sondern sie spielen mit einer ebenfalls rund 20-köpfigen Band aus Berlin zusammen. „Von den Berlinern kam auch das Angebot, gemeinsam bei André Rieu aufzutreten. Wir kennen uns schon einige Zeit.“ Deshalb habe man auch nicht lange überlegt. Sofort seien alle begeistert gewesen: „Klar, als ich gesagt habe, dass sie noch Mitstreiter suchen, waren alle Feuer und Flamme.“

18 Musiker aus seiner Formation hat er ausgesucht, die bei den Konzerten in Berlin und Nürnberg dabei sein werden. „Alles Leute, die sattelfest sind und gut spielen und perfekt auf die Bühne marschieren können. Vor 20.000 Leuten kannst du keinen Mist abliefern“, sagt der Piper-Major, der sich selbst als „Kopf oder musikalischen Leiter der Band“ bezeichnet.

Das gemeinsame Konzert mit André Rieu ist der Höhepunkt der bisherigen Geschichte der „Barbarossa Pipes and Drums“. Seit 2013 firmiert die Gruppe der Gleichgesinnten unter diesem Bandnamen. Karsten Reichelt ist aber schon länger mit dem Dudelsack-Virus infiziert.

Sangerhäuser Karsten Reichelt: Dudelsackspielen ist schwer zu erlernen

„Vor gut zehn Jahren habe ich das erste Mal bei den Highland Games in Halle Dudelsackmusik live erlebt. Ich habe mich immer schon für Schottland interessiert, aber da hat es mich endgültig gepackt“, erzählt er. Im September 2009 spielte Reichelt das erste Mal selbst. „Damals hab ich nicht geahnt, was daraus wird“, sagt er nun.

„Der schottische Dudelsack steht im Ruf, eines der am schwersten zu erlernenden Instrumente zu sein. Es dauert ungefähr ein Jahr, bis man einigermaßen spielen kann.“ Einmal in Fahrt gekommen, legt Reichelt eine weitere Dudelsack-Weisheit nach: „Der Schotte sagt, es dauert sieben Jahre, um das Spielen zu lernen. Weitere sieben Jahre braucht man zum Praktizieren und noch einmal sieben zum Perfektionieren.“

Perfekt seien er und seine Mitstreiter noch nicht. Deshalb wird eifrig trainiert. Am Dienstag treffen sich die Fortgeschrittenen, freitags die Anfänger, immer in der Volkshochschule Sangerhausen. Zweimal jährlich gibt es aber auch mehrtägige Workshops.

Mitstreiter aus Sachsen-Anhalt und Thüringen freuen sich auf Konzert mit André Rieu

Rund 30 Frauen und Männer, unter anderem aus Sangerhausen, Allstedt, Blankenheim, aber auch Thale, Aschersleben, Mühlhausen und Eisleben, gehören der Gruppe an. Gut zwölf Auftritte im Jahr absolvieren sie. Die Mehrzahl davon wird allerdings außerhalb von Sangerhausen gespielt. „Hier werden wir bisher wenig zur Kenntnis genommen, aber es ist schon besser geworden“, so Reichelt.

Und mit dem Auftritt gemeinsam mit André Rieu könnte es sich ja noch weiter verbessern. Die Vorfreude darauf nimmt jedenfalls kontinuierlich zu. „Langsam werden alle doch nervös. Das Kribbeln steigt von Tag zu Tag“, sagt Karsten Reichelt. „Ich freu mich schon auf die After-Show-Party. Mit André Rieu locker ein Bierchen trinken oder vielleicht mal seine Geige probieren, das wär’s doch“, sagt er. (mz)