Investor stellt sich in Allstedt vor

Investor stellt sich in Allstedt vor: Christian Kopocz ist verliebt in die Vorburg

Allstedt - Der Rostocker und seine Lebensgefährtin wollen das Objekt von der Stadt kaufen.

Von Grit Pommer 02.12.2017, 09:00

Das ist er also, der Investor, der die Vorburg in Allstedt kaufen will. Christian Kopocz, 40 Jahre, gelernter Bankkaufmann, Inhaber einer Werbefirma und einer Druckerei in Lübeck, stellte sich in dieser Woche in der Einwohnerversammlung den Allstedtern vor. Zusammen mit seiner Partnerin Sabine Koburger will er sich in der Vorburg niederlassen, ein Restaurant und ein kleines Hotel eröffnen.

„Ich bin fasziniert und verliebt in das Schlösschen“, sagt Koburger. Seit 20 Jahren sei sie in der Gastronomie tätig. Die Vorburg biete für die beiden Rostocker die Chance, sich einen Traum zu erfüllen: wohnen und arbeiten an einem Ort.

Christian Kopocz aus Rostock will die Allstedter Vorburg kaufen - er ist der einzige Interessent

Kopocz ist der einzige Interessent, der sich auf die Ausschreibung der Vorburg gemeldet hat. Stimmen die Stadträte am 11. Dezember dem Verkauf zu, dann will er bis zum Sommer mit seinen Firmen nach Allstedt umgezogen sein und mit dem Ausbau erster Zimmer für Übernachtungsgäste beginnen. Im dritten Quartal 2018 soll das Restaurant „Junger Kavalier“ Gestalt annehmen. Kein Schicki-Micki, wie Kopocz sagt, sondern lokal, bodenständig und mit guter Qualität. Bis Ende 2019 wollen die Rostocker ihre Pläne komplett umgesetzt haben.

Ein ehrgeiziges Ziel. Aber wie soll es finanziert werden? Millionär ist Kopocz nicht. Seine Rechnung geht so: Drei bis vier Millionen Euro werden für die Investition nötig sein, man will auch Fördermittel nutzen. Das, was er und seine Partnerin an Kredit aufnehmen müssen, könnten sie mit dem finanzieren, was sie derzeit in Lübeck und Rostock an Gewerbe- und Privatmiete bezahlen. Die Bank sei bereit, für das Vorhaben Geld zu geben.

Zugang zum Schlossmuseum soll auch nach Verkauf der Allstedter Vorburg erhalten bleiben

Bleibt der Zugang zum Schlossmuseum, der quer durch die Vorburg führt, gewährleistet? Natürlich, sagt Kopocz. „Wir schneiden uns ja ins eigene Fleisch, wenn Besucher wegbleiben.“ Gerade der Umstand, dass es hier ein Ausflugsziel gibt, sei ein Grund, Restaurant und Hotel einzurichten. Das Wegerecht soll aber auch notariell festschrieben werden.

Allstedts Bürgermeister Jürgen Richter (CDU) nutzte die Bürgerversammlung unterdessen, um noch einmal auf die Vorwürfe des Vereins Berliner Ritter einzugehen, der die Vorburg inzwischen geräumt hat. Die Aussage auf ihrer Homepage, Richter sei „der Henker der Sozialprojekte“ und Äußerungen, die einen Korruptionsverdacht andeuteten, fielen unter das Recht auf freie Meinungsäußerung, sagte Richter. Er stellte fest: „Hier ist niemand korrupt. Die Allstedter sind offen und ehrlich.“

Bereits 2015 hat der Allstedter Stadtrat den Verkauf der Vorburg beschlossen

Der Stadtrat habe 2015 beschlossen, die Vorburg zu verkaufen, die Ritter hätten klar gemacht, dass sie nicht kaufen, sondern langfristig pachten wollen. Daraufhin habe er ihnen im vergangenen Jahr in einer Ausschusssitzung gesagt: Leute, hört auf zu investieren.

„Dass es den Berliner Rittern nicht geschmeckt hat, kann ich mir vorstellen, aber wir haben den Pachtvertrag sauber gekündigt“, sagte Richter.

Wenn man beim Verkauf eine Auswahl unter mehreren Bewerbern gehabt hätte, wäre es sicher schön gewesen, meinte er. Aber Investoren für solch ein Objekt fänden sich nicht wie Sand am Meer. Kopocz habe sich ursprünglich für Schloss Seeburg interessiert. Aber dort sei bei der Versteigerung der Preis einfach zu sehr in die Höhe gegangen. (mz)