„Hochstapler“ enttarnt

„Hochstapler“ enttarnt: Linkenkandidat für den Bundestag schummelt im Lebenslauf

Sangerhausen - Die Linke wird nicht mit dem Sangerhäuser Uwe Zobel (55) in den Bundestagswahlkampf im Wahlkreis 74 (Mansfeld) gehen.

Von Anke Losack 09.06.2017, 11:05

Wie ein Kartenhaus ist das Lügengebilde zusammengebrochen: Der Sangerhäuser Uwe Zobel, der als Kandidat für Die Linke im Wahlkreis 74 in den Bundestagswahlkampf ins Rennen gehen sollte, ist weder promovierter Diplom-Ingenieur noch Diplom-Sozialpädagoge. So hatte er sich ursprünglich vorgestellt. Bis es Hinweise gab, dass im Lebenslauf des Uwe Zobel nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Was Zobel inzwischen zugegeben hat.

Uwe Zobel: „Es ist richtig, dass ich zu meinem Berufsabschluss gelogen habe“

Der Mittfünfziger aus Sangerhausen, der angegeben hatte, promovierter Diplom-Ingenieur und Diplom-Sozialpädagoge zu sein, habe auf Druck von Parteimitgliedern eingeräumt, dass er seinen Lebenslauf gefälscht hat, heißt es jetzt bei den Linken. „Es ist richtig, dass ich zu meinem Berufsabschluss als Sozialarbeiter und Sozialpädagoge gelogen habe, in dem ich sagte ich habe hierzu den Abschluss gemacht“, heißt es in einer der MZ vorliegenden E-Mail von Zobel an die Partei. „Ich habe zwar das Studium absolviert in Magdeburg, aber nicht die Diplomarbeit geschrieben. Ebenso habe ich zwar die Promotion angefangen, aber nicht abgeschlossen.“ Für Fragen der MZ war Zobel telefonisch nicht erreichbar.

Die Partei hat Zobels Kandidatur für die Bundestagswahl im Wahlkreis 74, zu dem der Landkreis Mansfeld-Südharz und Teile des Saalekreises gehören, gestoppt. Das erklärten der Kreisverbandsvorsitzende Helmut Neuweger und der Landtagsabgeordnete der Linken Stefan Gebhardt am Freitag im Gespräch mit der MZ. „Wir haben festgestellt, er war ein Hochstapler“, so Gebhardt. Zobel hat die Partei verlassen, seine Ämter niedergelegt.

Unstimmigkeiten in Lebensläufen

Seit 2014 gehörte er dem Kreisverband an. Einige Sangerhäuser Parteimitglieder kannten ihn wohl aus seinen Tätigkeiten im sozialen Bereich. Zobel habe Engagement gezeigt, so der Landtagsabgeordnete aus Hettstedt. „Es gab keinen Grund, an ihm zu zweifeln.“ Für die Biografie, die er der Partei vorgelegt hatte, habe Zobel unterschrieben, so Gebhardt weiter. Bei der Wahl des Bundestagskandidaten im Januar dieses Jahres setzte sich der Kandidat aus Sangerhausen durch.

Gebhardt habe einen Tipp bekommen, dass die Angaben zu Zobels Abschlüssen nicht stimmen würden. „Wir hatten Indizien, aber keine Beweise.“ Bei Recherchen stieß man auf weitere Lebensläufe. „Da gab es Unstimmigkeiten“, so der Landtagsabgeordnete, der dann mit Parteimitgliedern Zobel mit den Vorwürfen konfrontiert habe. „Es dauerte gerade einmal fünf Minuten“, so Gebhardt.

In einer E-Mail an die „Genossinnen und Genossen“ entschuldigt sich Zobel für seine Lügen. Er habe alle Ämter niedergelegt, „um weiteren Schaden abzuwenden“. „Richtig ist, dass ich Diplomingenieur für Verfahrenstechnik bin und ebenfalls die Qualifizierung zum Fachbetreuer Sozialrecht absolviert habe.“ Doch warum die Lügen? „Mein falscher Ehrgeiz hat mich zunehmend verblendet und ich habe gemeint, besser sein zu müssen, als ich es zu sein vermag“, schreibt er, „ich wollte etwas sein, was ich nie wirklich sein konnte.“

Beim Kreisverband der Linken ist man fassungslos. „Es geht nicht darum, welche Abschlüsse er hat, sondern ehrlich zu sein“, sagt Gebhardt. Am 28. Juni soll ein neuer Kandidat nominiert werden. Alexander Sorge, Kreisvorsitzender im Saalekreis, stellt sich. Gegen ihn hatte Zobel im Januar gewonnen.

(mz)