DDR-Künstler Wilhelm Schmied

DDR-Künstler Wilhelm Schmied: Malbuch erscheint zum „Advent in den Rosenhöfen“

Sangerhausen - Die Kinder aus dem „Spatzennest“ in Riestedt tauften das Buch „Malen mit Willi“.

Von Lucas Wölbing

Und plötzlich stand Iris Ziegler wieder in der Tür. Ein halbes Jahr nach ihrem letzten Besuch ließ sich die Vorsitzende des Wilhelm-Schmied-Vereins wieder bei Heike Goymann blicken. Sie suchte ein Buch, genauer genommen ein historisches Malbuch, das sie einst in diesem Büro abgegeben hatte.

Doch das lag noch so auf dem Schreibtisch, wie sie es hinterlassen hatte. Jetzt hieß es endlich loslegen für Goymann, die mit Stefanie Winkelmann einen Printservice in der Hüttenstraße betreibt. Denn nun, kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, kam Zieglers erste Anweisung: Das Malbuch bearbeiten und bis zum 9. Dezember in hundertfacher Auflage drucken.

„Malen mit Willi“ ab 9. Dezember erhältlich

Es geht um die Ausmalbilder des 1984 verstorbenen Künstlers Wilhelm Schmied, um das Büchlein, das seine Tochter Ursula vor 70 Jahren im Osterkorb fand. In Sangerhausen soll es jetzt seinen Weg unter die Weihnachtsbäume finden. Pünktlich zum „Advent in den Rosenhöfen“ am 9. Dezember ist es dann in der Stadt erhältlich: in der Buchhandlung, dem Spielwarengeschäft in der Göpenstraße, beim Teehändler in der Bahnhofstraße und auf dem Rosenhof von Vereinsmitglied Hans-Jörg Hanske in der Kylischen Straße.

Dann sind da auch noch die Stadtbibliothek und Kindergärten, die mehrere Exemplare erhalten. Aus dem „Spatzennest“ in Riestedt stammt sogar der Titel. „Malen mit Willi“ haben die Knirpse das Buch getauft und Kita-Leiterin Eva-Maria Karnstedt freut sich: „Ich weiß jetzt schon, was in die Zuckertüten fürs nächste Jahr kommt“, sagt sie.

Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ergänzten die bilder des DDR-Künstlers mit eigenen Motiven

Doch es hat Monate gedauert, bis das Buch, das Ziegler im Nachlass der Schmied-Tochter fand, in den Druck kam. Alle Bilder waren längst von der damals fünfjährigen Ursula ausgemalt, neue Skizzen mussten her. Zum Glück kannte der Schmied-Verein Kathleen Fischer, Kunstlehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Ihre Fünft- und Sechstklässler gestalteten neue Motive, die die des DDR-Malers ergänzten. „Und das alles in den Druck zu bringen, war eine echte Herausforderung“, verrät Gestalterin Heike Goymann. Denn zunächst musste Ursulas Buntstiftfarbe aus den alten Bildern entfernt werden.

Stefanie Winkelmann erledigte das am Computer und zeichnete die alten Bilder dann nach. Es sei ihr erstes Malbuch gewesen, erzählen die beiden Frauen, die sonst eher mit Plakaten, Werbung, T-Shirts oder Visitenkarten zu tun haben. „Doch innerhalb von zwei Wochen haben wir alles geschafft“, so Goymann. „Wir sind mit dem Projekt gewachsen.“ 100 Exemplare habe der Schmied-Verein in Auftrag gegeben. Er hat schon Angst, dass die nicht reichen. Doch die Fachfrau beruhigt: „Dieses Buch entsteht bei uns direkt in Sangerhausen. Nachdrucken können wir schnell.“

Ein zweites Malbuch mit Motiven von Wilhelm Schmied wäre denkbar

Sollte das Kindermalbuch tatsächlich ein Erfolg werden, denkt Iris Ziegler schon einen Schritt weiter. Denn auch bei Erwachsenen sind komplexe Malbücher derzeit in Mode. Bei Schmied ließe sich da einiges machen. Zusammen mit Goymann und Winkelmann plant Ziegler darum eine Ausgabe mit Skizzen des Künstlers: „Vom Strandkorb und der Möwe bis zum FKK wäre alles dabei.“ (mz)