„Diese Kliniklandschaft muss erhalten bleiben“

Klinikum Querfurt klärt Sachsens Ministerpräsident über die Arbeit der Psychiatrie auf

Dabei sind auch finanziellen Nöte des kommunalen Krankenhauses Thema.

Von Robert Briest
Pflegekoordinatorin Simone Jänsch erklärt dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer die Arbeit der Psychiatrie in Querfurt.
Pflegekoordinatorin Simone Jänsch erklärt dem Ministerpräsidenten Michael Kretschmer die Arbeit der Psychiatrie in Querfurt. Foto: Robert Briest

Querfurt - Ihm sei gesagt worden, wenn man im Saalekreis ist und etwas lernen will, dann müsse man hierher kommen, erklärte Michael Kretschmer zur Begrüßung. Und Sachsens CDU-Regierungschef, der als Wahlkampfunterstützung für Parteifreundin Eva Feußner im Nachbarland unterwegs war, schien am Donnerstag tatsächlich mit Wissbegierde zum Klinikum Querfurt gereist zu sein. Intensiv hörte er sich die Botschaften seiner Gastgeber, Landrat Hartmut Handschak (parteilos), Klinikgeschäftsführer Lutz Heimann und Psychiatriechefärztin Bettina Wilms, an.

Klinikum Querfurt klärt Sachsens Ministerpräsident erfährt über die Arbeit der Psychiatrie auf

Es waren vor allem zwei, die sie dem Ministerpräsidenten mitgaben. Die eine war eine medizinische: „Es ist wichtig, dass wir die Psychiatrie in der Mitte der Medizin verankern“, betonte Wilms. Menschen mit psychischen Problemen könnten ebenso somatische, also körperliche, Probleme haben. Die Abgrenzung der Psychiatrie, wie sie früher gehandhabt wurde, sei nicht mehr zeitgemäß, erklärte auch Heimann. Beim ausführlichen Rundgang durch diesen Fachbereich konnten er und seine Chefärztin dem Gast zeigen, wie die moderne Lösung aussieht. In Querfurt ist die Psychiatrie unmittelbar an das restliche Krankenhaus angegliedert.

Die zweite Botschaft war eine politische: Heimann und Handschak warben beim Ministerpräsidenten um Fürsprache für kommunale Kliniken, wie das Basedow mit seinen Standorten in Merseburg und Querfurt: „Diese Kliniklandschaft muss erhalten bleiben“, forderte der Landrat. „Wir haben den Anspruch, den Versorgungsauftrag zu erfüllen. Dafür brauchen wir aber Land und Bund.“

Keine Ausgleichszahlungen für Einnahmeausfälle durch Corona für Psychiatrien

Handschak hob noch einmal die Bedeutung des Basedow im Kampf gegen die Corona-Pandemie hervor. Allein in diesem Jahr wurden dort schon 400 Covid-Patienten behandelt, gut die Hälfte davon auf der Intensivstation: „Wir waren die Brandmauer gegen Corona“, formulierte der Landrat. Eine Brandmauer, die jedoch bröckelt, weil der finanzielle Mörtel fehlt. Heimann rechnete Kretschmer vor, dass das Klinikum durch die Fokussierung auf Corona, die Verschiebung von OPs bisher 2.000 Fälle weniger behandelt hat als im Normalbetrieb. Fehlende Patienten bedeuten allerdings fehlende Einnahmen. Allein in den ersten vier Monaten 2021 hat das Klinikum ein Minus von sechs Millionen Euro eingefahren.

Der Geschäftsführer machte dafür auch seit Herbst greifende Änderungen bei den Ausgleichszahlungen für Einnahmeausfälle durch Corona verantwortlich. Während in der ersten Welle noch Geld für Psychiatrien floss, gebe es für diese nun überhaupt keinen Ausgleich mehr. Doch allein in diesem Bereich hat das Basedow im laufenden Jahr Verluste von fast zwei Millionen Euro eingefahren. Denn, das machte Wilms, deutlich: Corona traf auch ihren Fachbereich, nicht nur weil die Gerontopsychiatrie im Februar von einem Ausbruch betroffen war.

Sachsens Ministerpräsidenten soll auf Bundesebene helfen

Die Behandlungskapazitäten und -möglichkeiten auch im ambulanten Bereich waren eingeschränkt: „Wir merken, dass wir zunehmend Menschen bekommen, die unter dem sozialen Rückzug leiden“, berichtete die Chefärztin. Zudem würden sich psychische Erkrankungen häufen, die mit dem Verlauf von Covid-Erkrankungen zusammenhängen.

Landrat und Klinikverantwortliche baten den sächsischen Ministerpräsidenten, dass er sich auf Bundesebene dafür einsetzt, dass der Verlustausgleich für dieses Jahr, den die Kliniken nach jetzigen Stand jedoch erst 2022 erhalten sollen, eher gezahlt wird und üppiger ausfällt, als bisher geplant. Kretschmer zeigte sich dafür offen und bat um schnelle schriftliche Zuarbeit: „Wir werden der Sache mal nachgehen.“ Versprechen könne er zwar nichts, aber es sei gerade eine günstige Zeit dafür.

Der CDU-Politiker machte jedoch deutlich, dass das Thema Krankenhausfinanzierung auch unabhängig der aktuellen Corona-Situation ein schwieriges ist: „Die Frage ist: Wie wollen wir finanzschwachen Ländern überhaupt die Krankenhausinvestitionen stemmen?“ Eine Antwort darauf gab es am Donnerstag nicht. (mz)