Hilfe seit drei Jahrzehnten

Vor 30 Jahren hat sich ein Verein in Gernrode gegründet, um das Kinderheim im Ort zu übernehmen

Das wird gefeiert - bei einem Festempfang, bei dem Rückschau gehalten wurde.

Von Petra Korn 18.09.2021, 14:00
Festmpfang anlässlich des Jubiläums: Auf dem Sportplatz des Kinder- und Jugendheims wurde gemeinsam mit vielen Gästen Rückschau gehalten.
Festmpfang anlässlich des Jubiläums: Auf dem Sportplatz des Kinder- und Jugendheims wurde gemeinsam mit vielen Gästen Rückschau gehalten. Foto: Korn

Gernrode/MZ - Mit der Wende war auch die Zukunft des damaligen Kinderheims in Gernrode offen: Sollte man sich einem Träger anschließen oder etwas Eigenes auf die Beine stellen?

Die Mitarbeiter der Einrichtung entschieden sich, unterstützt durch die Stadt Gernrode und die Partnerstadt Walsrode, für einen eigenen Weg: Am 27. September 1991 gründeten 24 Mitarbeiter und Freunde des damaligen Kinderheims den Verein Kinder- und Jugendhilfswerk Gernrode, um die Einrichtung weiterzuführen. „Eine zur damaligen Zeit ungewöhnliche Konstellation, aber der Rückblick zeigt: Das war eine hervorragende Entscheidung“, sagte Helga Poost, gerade wiedergewählte Vorstandsvorsitzende des Vereins, am Donnerstag. Hier hatte das Kinder- und Jugendhilfswerk eingeladen, um sein 30-jähriges Bestehen zu feiern - mit Freunden, Geschäfts- und Kooperationspartnern.

„Damit sind wir immer noch einer der größten Arbeitgeber im Ort“

Mit dabei auch Gründungsmitglieder wie der damalige Bürgermeister der Stadt Gernrode, Werner Grundmann. Er war auch der erste Vorsitzende des jungen Vereins, der im Dezember 1991 als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt wurde. Oder Ilona Thimm, die erst mit der Wende als Erzieherin in die Einrichtung gekommen war. Es sei, erinnert sie sich, ja alles Neuland gewesen. Damals sei dann im zweiten Gebäude auf dem Heimgelände eine erste Außenwohngruppe gegründet, sie Teamleiterin geworden. „Dann fing die Selbstversorgung an, zunächst mit dem Abendbrot, dann an den Wochenenden, und die anderen Gruppen zogen nach. Es war eine aufregende Zeit, eine schöne Zeit“, sagte sie.

Das Kinder- und Jugendheim Gernrode wurde zu einem festen Platz in der Kinder- und Jugendhilfe - und entwickelte sich immer weiter. Helga Poost nannte beispielsweise, dass aus anfänglich großen Gruppen zehn kleine mit maximal sieben Bewohnern wurden. 50 Plätze gibt es im Heim; die Kapazität ist ausgeschöpft. Derzeit werden hier 43 Jungen und sieben Mädchen intensivpädagogisch betreut, das jüngste Kind, sieben Jahre alt, ist gerade eingeschult worden, der älteste Jugendliche ist 21. Um sie kümmern sich 85 Mitarbeiter - Erzieher, Lehrer, Therapeuten und Wirtschaftsmütter. „Damit sind wir immer noch einer der größten Arbeitgeber im Ort“, sagte Helga Poost.

Feste Strukturen, aber auch Hilfe bei ganz individuellen Problemen

Die jungen Bewohner des Heimes kämen mit unterschiedlichsten Problemen, Erfahrungen und Krankheitsbildern nach Gernrode. Sie benötigten oft feste Strukturen, aber auch Hilfe bei ihren ganz individuellen Problemen, die sich über die Jahre auch geändert hätten. Das Kinderheim, das von Partnern wie Schulen, Betrieben oder medizinischen Einrichtungen unterstützt werde, habe sich daher nicht nur fachlich weiterentwickelt, so die Vorstandsvorsitzende weiter. Heute gebe es neben Gruppen in den beiden Häusern in Gernrode auch Gruppen in Ballenstedt und Thale und darüber hinaus unter anderem ambulante Hilfsangebote in Dessau-Roßlau und in Gernrode.

In einer Ausstellung gaben ungezählte Fotos und Zeitunsgberichte Einblick in die Entwicklung des Kinder- und Jugendheims sowie das Leben und die Arbeit in der Einrichtung.
In einer Ausstellung gaben ungezählte Fotos und Zeitunsgberichte Einblick in die Entwicklung des Kinder- und Jugendheims sowie das Leben und die Arbeit in der Einrichtung.
Foto: Korn

Auch auf dem Gelände an der Waldstraße ist viel investiert und saniert worden; so konnte beispielsweise im Herbst vergangenen Jahr ein komplett sanierter Sportplatz mit Fuß-, Volley- und Basketballfeldern sowie einer neu entstandene kleinen Tribüne übergeben werden.

Für Caroline Lück vom Landesjugendamt Sachsen-Anhalt sind das besondere am Kinder- und Jugendhilfswerk Gernrode „die Menschen, die hier arbeiten“. Der Träger gebe den Mitarbeitern die Möglichkeit der Mitsprache und eigene Ideen zu verwirklichen - „nicht immer der einfachste Weg“. Doch allen gehe es darum, den Kindern und Jugendlichen ein Zuhause zu schaffen. Das gelte insbesondere auch für die Hausmütter, die „unglaublich gut kochen“ könnten und „ein dermaßen hohes Maß an Wärme vermitteln, dass man sich einfach wohlfühlen muss“.

Natürlich waren bei der Feierstunde am Donnerstag auch Bewohner des Kinder- und Jugendheimes dabei, unter anderem Gruppensprecher, „nach dem Vorstand das wichtigste Gremium, Jungen und ein Mädchen, die uns wertvolle Hinweise geben und immer tolle Ideen haben“, sagte Lutz Kaufhold, Geschäftsführer des Kinder- und Jugendheims. Und am Nachmittag wurde dann mit allen und auch ehemaligen Bewohnern gefeiert: beim traditionellen Herbstfest, das in diesem Jahr natürlich auch im Zeichen des Jubiläums stand und bei dem es unter anderem Spielstationen und ein Volleyball-Turnier gab.