Tradition in Bad Suderode

Tradition in Bad Suderode: Letzte Bergparade am zweiten Advent?

Bad Suderode - Der zweite Adventssonntag steht in Bad Suderode erneut ganz im Zeichen der Bergparade. Und erstmals trägt dieses Event die Bezeichnung „Landesbergparade“. Nach der um 16 Uhr beginnenden Bergandacht in der Neuen Kirche gibt es ab 17 Uhr wieder einen stimmungsvollen Umzug im ...

Von Detlef Anders

Der zweite Adventssonntag steht in Bad Suderode erneut ganz im Zeichen der Bergparade. Und erstmals trägt dieses Event die Bezeichnung „Landesbergparade“. Nach der um 16 Uhr beginnenden Bergandacht in der Neuen Kirche gibt es ab 17 Uhr wieder einen stimmungsvollen Umzug im Fackelschein.

Doch es scheint fraglich, ob es 2017 noch einmal ein solches Ereignis gibt. „Wir versuchen, touristisch was in die Gänge zu bringen, und laufen gegen Wände“, sagt Mario Steder, der Chef des Harzklubzweigvereins, obwohl er gerade das Ziel, Landesbergparade zu werden, erreicht hat, etwas verbittert. Sein Verein sei enttäuscht, dass es nur wenig Unterstützung gibt.

„Wir haben alle angeschrieben, die was mit Bergbau und Hüttenwesen zu tun haben. Der größte Teil bleibt uns eine Antwort schuldig. Die anderen sagen, macht eure Tradition, das ist nicht unser Ding“, beschreibt Vereinschef Mario Steder seine Erfahrung. Ein halbes Jahr lang habe der Verein außerdem versucht, Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU) an den Tisch zu bekommen. „Aber du hast das Gefühl, in Quedlinburg rennst du gegen die Wand.“

Trotz der überregionalen Bedeutung ihrer Veranstaltung habe der OB „nur“ den Geschäftsführer der Quedlinburg Tourismus Marketing GmbH, Thomas Bracht, geschickt. Auch wenn der für den Tourismus der Welterbestadt zuständig ist, vermisst Steder im Quedlinburger Rathaus die Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit der Bad Suderöder Harzklub-Mitglieder. „Thales Bürgermeister würde uns die Füße küssen und Geld hinterhertragen, damit wir die Arbeit machen. Auch andere Orten, die mit Bergbau im Harz zu tun haben. Vom Westharz will ich gar nicht reden.“

OB Frank Ruch versteht die Kritik nicht. „Bis jetzt hat bei mir jeder einen Termin gekriegt, der wollte. Egal ob Kaninchenzüchterverein oder Welterbekommission.“ Der Verein habe sogar schon mal einen Termin ohne Entschuldigung verpasst, erklärte Ruch, ohne deswegen nachtragend zu sein. Es sei allerdings abgesprochen worden, dass der QTM-Geschäftsführer Ansprechpartner sei. „Es gab keine Anzeichen für Unstimmigkeiten“, wunderte sich Ruch. Zu der am vergangenen Samstag gegenüber der MZ und auf Facebook geäußerten Kritik des beim Schmücken des Kurparks noch fehlenden Weihnachtsbaumes konnte Ruch nichts sagen. Der Baum sei inzwischen geliefert worden. Ruch werde zur Bergparade kommen. Vielleicht können die Unstimmigkeiten geklärt werden.

220 bis 250 Bergleute in Bergmannstracht mit Grubenlampe und Arschleder erwartet die gastgebende Berg- und Hüttenknappschaft im Bad Suderöder Harzklub-Zweigverein. Aus Nachterstedt, Nordhausen, Hüttenrode, Sangerhausen sowie den niedersächsischen Orten Bad Grund, Lengede, Fallstedt und Broistedt liegen Zusagen vor. Mit den Grubenlichtern und Fackeln wird zum elften Mal in den Kurpark marschiert, wo die Bergleute vor dem Balkon des Badehauses als „preußischem Bergoberamt“ ihre bergmännische Aufwartung erweisen. Die Terrassen werden zünftigen Lichterglanz bekommen. Vor dem Kurzentrum wird ein kleiner Grubenlichtermarkt schon seit dem Nachmittag zum Besuch einladen.

Rund 1 000 Gäste sahen sich zuletzt die im Land einmalige historische Bergparade an und sangen das Steigerlied mit. „Wir wollen mal dahin kommen, wo Annaberg-Buchholz und Freiberg schon lange sind“, geben Mario Steder und Frank Dammeier vom Vorstand des Harzklub-Zweigvereins als Ziel aus. Sie wollen eine Veranstaltung aufbauen, die über mehrere Tage geht und Geld in die Kassen spült, so wie in Sachsens Bergbauorten. „Solange das Kurzentrum zu ist, knapsen die Pensionen vor sich hin“, sagt Steder.

Zehn Jahre hat der Verein gebraucht, um auf den gegenwärtigen Level zu kommen. Trachten wurden genäht, der Schrein und die Heilige Barbara, die im Umzug getragen wird, angefertigt und Kontakte geknüpft. Die QTM stellt den Weihnachtsbaum und die Hütten auf, kümmert sich um Licht und Tannengrün sowie die Müllentsorgung und organisiert den Markt. Neue Händler zu holen gelinge ihr laut Steder nicht. Als Erfolg wertet er die Beteiligung der Verantwortlichen des Geoparks Harz. „Alle zusammen, die ursächlich zusammengehören, können wir viel mehr erreichen.“

Trotz der holprigen halbjährigen Vorbereitung freuen sich Dammeier und Steder auf ihre Bergparade, die Ausdruck des Selbstbewusstseins der Bergleute ist. Wenn die Teelichter in der vollen Kirche brennen und die evangelische Pfarrerin Bad Suderodes, Franziska Kaus, sowie der katholische Gemeindereferent Thomas Dammann aus Quedlinburg unter dem Weihnachtsbaum die ökumenische Bergandacht feiern und der Posaunenchor aus Gernrode erstmals dort ab 16 Uhr für die Musik sorgt, verfliegt ihr Frust über die Probleme vielleicht. Unterstützung gab es schließlich vom Landesverband der Berg- und Hüttenleute, der Kirchengemeinde, vom Harzklub-Hauptverein, der Knappschaft, dem Landesheimatbund und von der Paracelsus-Harz-Klinik.  Kommentar, Seite 8

(mz)