Nach Modernisierung

Nach Modernisierung: Pumpspeicherwerk Wendefurth wieder in Betrieb

Wendefurth/MZ - „Wir halten mal fest: Es ist jetzt 11.41 Uhr“, sagt Vattenfall-Vorstand Hubertus Altmann, nachdem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff mit einem Mausklick die zwei 40-Megawatt-Turbinen in Gang gesetzt hat. „Nach 75 Sekunden war alles am Netz“, sagt Haseloff bei der offiziellen Wiederinbetriebnahme des Pumpspeicherwerks (PSW) Wendefurth. Er übertreibt ein bisschen, wie es Politiker hin und wieder tun: Die Vattenfall-Anlage benötigt 120 Sekunden zum Anfahren. Dennoch: So schnell wie ein Pumpspeicherwerk geht kein anderer konventioneller Energieerzeuger ans Netz. Ein Kohlemeiler braucht fünf bis zehn Stunden, um auf Touren zu kommen, ein modernes Gaskraftwerk immer noch eine gute halbe ...

Von ingo kugenbuch 31.07.2014, 09:53

„Wir halten mal fest: Es ist jetzt 11.41 Uhr“, sagt Vattenfall-Vorstand Hubertus Altmann, nachdem Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff mit einem Mausklick die zwei 40-Megawatt-Turbinen in Gang gesetzt hat. „Nach 75 Sekunden war alles am Netz“, sagt Haseloff bei der offiziellen Wiederinbetriebnahme des Pumpspeicherwerks (PSW) Wendefurth. Er übertreibt ein bisschen, wie es Politiker hin und wieder tun: Die Vattenfall-Anlage benötigt 120 Sekunden zum Anfahren. Dennoch: So schnell wie ein Pumpspeicherwerk geht kein anderer konventioneller Energieerzeuger ans Netz. Ein Kohlemeiler braucht fünf bis zehn Stunden, um auf Touren zu kommen, ein modernes Gaskraftwerk immer noch eine gute halbe Stunde.

Darum ist ein Pumpspeicherwerk eigentlich das perfekte Mittel, um die mittägliche Abnahmespitze - die Büros sind voll besetzt, und in den Küchen werden die Öfen angeworfen - durch Strom aus Wasserkraft glattzubügeln. Eigentlich. Denn wenn mittags die Sonne scheint, stehlen die Photovoltaik-Anlagen dem Speicherkraftwerk die Schau. Und führen damit die Jahrzehnte eingeübte Routine - nachts mit billigem Strom Wasser ins Oberbecken pumpen, tagsüber, wenn der Strom knapp ist, das Wasser zur Energieerzeugung fließen lassen - ad absurdum. So geht es dem PSW auf der Einnahmenseite an die Gurgel, und auch bei den Kosten haben es die Betreiber nicht leicht - denn für den Nachtstrom müssen sie dieselben Netznutzungsentgelte bezahlen wie jeder andere Stromabnehmer auch.

Trotzdem hat Vattenfall in den vergangenen zwei Jahren fast 40 Millionen Euro in die Renovierung des gut 45 Jahre alten Kraftwerks investiert. „Wir bekennen uns damit zum Standort Wendefurth und zu unserem unternehmerischen Engagement in Sachsen-Anhalt“, sagt Vattenfall-Vorstand Altmann. „Diese Investition ist aber auch ein Ausdruck dafür, dass wir auf die Unterstützung von Bundesländern wie Sachsen-Anhalt setzen, die Rahmenbedingungen für PSW nachhaltig zu verbessern.“ Vor allem die Netznutzungsgebühren sollten gesenkt werden, wünscht sich Vattenfall.

Dieser Wunsch wird von Haseloff durchaus gehört. „Ich danke Ihnen für den Mut, den Sie haben. Sie haben viel Geld in die Hand genommen“, sagt der Ministerpräsident in Richtung zum Vattenfall-Manager. „Wir als Politiker haben verstanden, dass der nächste Schritt von uns getan werden muss: Die Benachteiligungen bei den Netznutzungsentgelten müssen aufgehoben werden.“

Bis das aber tatsächlich passiert und das Energiewirtschaftsgesetz novelliert wird, wird wohl noch viel Wasser die beiden Rohre des Pumpspeicherwerks jeweils 126 Meter hinunterstürzen. Bis dahin setzt das schwedische Staatsunternehmen auf Hoffnung - und ein bisschen Fatalismus. „Wir glauben einfach daran“, sagt Peter Apel, Leiter der Abteilung Technischer Service Kraftwerke, „dass Pumpspeicherwerke in der Zukunft eine Rolle spielen.“