Eiserne Hochzeit

Gisela und Günter Erbrecht aus Reinstedt sind seit 65 Jahren ein Ehepaar

„Wenn man etwas zu sagen hat, dann sagt man’s, aber dann muss es auch wieder gut sein“, sagt die Ehefrau.

Von Rita Kunze 14.10.2021, 16:00
Gisela und Günter Erbrecht sind seit 65 Jahren ein Ehepaar.
Gisela und Günter Erbrecht sind seit 65 Jahren ein Ehepaar. Foto: Rita Kunze

Reinstedt/MZ - Die Oktobersonne gibt am Mittwoch ihr Bestes. Sie beschert Gisela und Günter Erbrecht in Reinstedt einen milden, goldenen Herbsttag, an dem das Paar seine eiserne Hochzeit feiert. Vor 65 Jahren soll das Wetter noch schöner gewesen sein, sagt Gisela Erbrecht: „Da konnte man ohne Jacke gehen“, erinnert sie sich.

Kennengelernt haben sich beide bei der Arbeit im Braunkohlenwerk Nachterstedt. „Ich hatte ausgelernt und kam ins Kesselhaus“, erinnert sich die gelernte Schlosserin. Dass sie dort ihrem künftigen Ehemann – auch ein Schlosser – helfen würde, ahnte sie nicht.

„Sie kam den ersten Tag in den Betrieb, und wir haben gleich zusammen gearbeitet“, sagt Günter Erbrecht. „Aber da hat es noch nicht gleich gefunkt“, setzt seine Frau hinzu. Das sollte noch dauern, wenngleich es schon einige Paare unter den Kollegen gegeben habe.

Und die, sagt Gisela Erbrecht, hätten irgendwann angefangen zu sticheln: „Ihr wärt doch auch ein hübsches Paar.“ Schließlich fragte er, ob sie nicht mal zusammen ins Kino gehen wollten.

Nach der Heirat richteten sie ihr Heim in Günter Erbrechts Elternhaus ein. Die hatten es 1935 gebaut; „geboren bin ich 200 Meter weiter“, sagt der 89-Jährige und zeigt in die Richtung, in der seine Eltern zunächst gewohnt hatten.

„1956 gab es nicht wie heute einen Kredit, wir mussten uns behelfen“, erzählt er. Die ersten Möbel wurden auf Teilzahlung angeschafft, zuerst für das Schlafzimmer und eine kleine Küche. Die übrige Einrichtung kam schrittweise dazu.

„Man muss sich gegenseitig vertrauen. Bei einem Streit darf man nie böse ins Bett gehen.“

Gisela Erbrecht (89) aus Reinstedt

Einiges davon hatte die Jahrzehnte überdauert - und fiel dann dem Hochwasser 1994 zum Opfer, erinnert sich Gisela Erbrecht. Auch der Honig, den ihr Mann in seiner kleinen Bienenzucht produziert hatte, sei nicht zu retten gewesen.

36 Jahre lang hat sich Günter Erbrecht mit der Imkerei beschäftigt. Dann hat er das Hobby aufgegeben. „Es wurde ein bisschen viel.“ Das galt irgendwann auch für den Schrebergarten, um den sich beide gekümmert haben.

„Sie hatte immer schon ein Interesse an Blumen“, erzählt Günter Erbrecht. „Und ich dachte mir, wo Blumen sind, ist auch Platz für Kartoffeln und Rüben.“ Am Ende hätte es dann aber doch mehr Blumen gegeben: „Sie hat sich durchgesetzt.“ Trotzdem: Mohrrüben, Erbsen, Paprika oder Tomaten kommen heute noch aus eigenem Anbau, aber aus dem Garten am Haus.

Und wie schafft man es nun, solange zusammenzubleiben? „Man muss sich gegenseitig vertrauen“, sagt sie. „Bei einem Streit darf man nie böse ins Bett gehen“, setzt er hinzu. „Wenn man etwas zu sagen hat, dann sagt man’s, aber dann muss es auch wieder gut sein.“

Die lange gemeinsame Zeit soll am Samstag gefeiert werden - mit der Familie, zu der neben den zwei Kindern auch fünf Enkel und mittlerweile vier Urenkel gehören. „Der fünfte ist unterwegs“, sagt Gisela Erbrecht hörbar stolz.