Dixieland- und Swingtage

Dixieland- und Swingtage in Quedlinburg: Jazz im Lokschuppen begeistert Zuhörer

Quedlinburg - Diese roten Zwiebeln bieten keinen Grund zum Weinen, sondern nur Anlass zur Freude: die Red Onions jazzen und swingen was das Zeug hält, lassen die Füße der Zuhörer wippen, deren Augen leuchten und ernten jede Menge ...

Von Sigrid Dillge

Diese roten Zwiebeln bieten keinen Grund zum Weinen, sondern nur Anlass zur Freude: die Red Onions jazzen und swingen was das Zeug hält, lassen die Füße der Zuhörer wippen, deren Augen leuchten und ernten jede Menge Applaus.

Red Onion Jazz Company lautet der vollständige Name der Formation, die erstmals an den Quedlinburger Dixieland- und Swingtagen teilnahmen. Der Name erinnert an eine Traditionsband des alten New Orleans. Vor 50 Jahren wurde die Company in Braunschweig gegründet. Die Spezialität der Stadt – Zwiebeln in dunkelrot – trug ebenfalls zur Namensgebung bei.

„Das Publikum ist einfach nett“

Nach Auftritten in Niedersachsen und beim Dresdner Dixielandfestival präsentieren sich die sieben Herren nun in Quedlinburg. „Wir versuchen seit 2014 bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Jetzt hat es endlich geklappt“, freut sich am Samstag Tuba-Spieler Eberhard Stoppok.

Sein Band-Kollege Klauspeter Ulbrich – er ist der Schlagzeuger – ist begeistert von dem ersten Auftrittsort an diesem Tag: dem alten Lokschuppen an der Frachtstraße. „Der Raum hier ist wie gemacht für Jazz und Swing. Und das Publikum ist einfach nett“, lobt er.

Zweiter Auftritt auf dem Marktkirchhof

Den zweiten Einsatz haben die Braunschweiger, die Oldtime-Standards, Evergreens, Stomps, Blues und Hot Jazz bieten, dann am Nachmittag auf dem Marktkirchhof.

Drei Tage lang swingt es in Quedlinburg an allen Ecken. „Schon der Auftakt am Freitag war super“, sagt Dietrich König, Vorsitzender des veranstaltenden Freundeskreises. Dessen Mitglieder haben nicht nur in der Vorbereitung alle Hände voll zu tun. „Jede der zwölf Bands hat einen Betreuer“, nennt König nur eine der vielen Aufgaben während des Wochenendes.

Höhepunkt sei jedoch immer wieder die Fahrt mit der Schmalspurbahn von Quedlinburg durch das Selketal nach Silberhütte, wo im Waldhof die große Jam-Session startet. „Der Dixie-Train ist einmalig in der europäischen Jazz-Szene“, weiß der Freundeskreischef. Bereits Ende Januar waren alle Karten für den Zug verkauft gewesen und bereits jetzt gebe es Bestellungen für das nächste Jahr. König wünscht sich, dass die Vereinsmitglieder noch lange Quedlinburg swingen lassen können. „Doch das größte Problem ist der Nachwuchs“, sagt er. Neue Mitglieder seien stets willkommen im Freundeskreis.

Auf dem Bahnsteig und im Zug jazzt und swingt es wie in der Stadt. Das liegt unter anderem an den Halberstädter Stadtbläsern. „Wir sind schon seit 2011 dabei und haben viermal im Zug gespielt“, listet Trompeter Jörg Meyer auf. Die aus Harsleben kommenden Musiker möchten dieses Erlebnis nicht mehr missen. Das Ganze mache Spaß, die Leute seien gut gelaunt und das Flair sehr besonders, sagen die Männer, die mit kecken Strohhüten ihre Köpfe vor der Sonne schützen.

Vom Lokschuppen aus geleiten sie das dort versammelte Publikum zum Bahnhof, um dann nach Herzenslust aufzuspielen. Ihr musikalisches Repertoire reicht von Blasmusik bis Dixieland. „Wir verwandeln gerne bekannte Melodien aus Opern oder Musicals aber auch Schlager in jazzige Stücke“, sagt Bandchef Mike Müller. Die Freude am Musizieren ist den Bandmitgliedern, die meisten sind Hobbymusiker, anzusehen und vor allem ist sie zu hören.

„Dass wir hier so etwas erleben, hätten wir nicht gedacht“, gesteht Elke Richter, die in der Nähe von Bielefeld wohnt. Einmal im Jahr trifft sie sich mit Freunden jeweils in einer anderen Stadt, um Neues kennenzulernen. In diesem Jahr ist Quedlinburg das Ziel. Eher zufällig kommen so die Männer und Frauen, die in den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands zuhause sind, in den Genuss von Dixieland- und Swingmusik. „Einfach großartig“, lautet das einhellige Urteil.

(mz)