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Prozess im HarzAus Versehen Kochfeld angeschaltet: Frau steht jetzt vor Gericht

Eine 34-Jährige muss sich nach einem Feuer in Bungalow vor dem Amtsgericht verantworten. Wie es dazu gekommen ist und wie das Ganze ausgeht.

Von Petra Korn 22.11.2023, 15:30
Wegen des Brandes hatte die Feuerwehr ausrücken müssen.
Wegen des Brandes hatte die Feuerwehr ausrücken müssen. (Symbolfoto: DPA=

Quedlinburg/Thale/MZ. - Im August vergangenen Jahres wird die Feuerwehr wegen eines Feuers in einer Gartenlaube im Gebiet der Stadt Thale alarmiert. Auf einem Herd im Küchenbereich waren ein hölzerner Messerblock, ein Geschirrhandtuch sowie eine blauer Gegenstand aus Kunststoff in Brand geraten; die Flammen hatten bereits auf die Tapete übergegriffen. Der Schaden: 10.000 Euro, weil die gesamte Laube durch Rauchgasentwicklung und Verrußung nicht mehr nutzbar ist.

Wegen des Feuers musste sich jetzt eine 34-Jährige vor dem Amtsgericht Quedlinburg verantworten.

Sie soll mit einem Karton gegen einen Schalter des Herdes gestoßen sein, wodurch ein Kochfeld eingeschaltet worden sein soll. Gegen die Frau, die vor zwei Jahren schon einmal strafrechtlich in Erscheinung getreten war, hatte das Gericht wegen fahrlässiger schwerer Brandstiftung bereits einen Strafbefehl verhängt. Doch dagegen hatte die 34-Jährige Einspruch eingelegt, weshalb nun verhandelt wurde.

Sie sei, sagte die Frau vor Gericht, an jenem Tag noch einmal zu dem Bungalow gefahren, habe einen bestimmten Karton holen wollen, diesen auch gefunden und die Laube wieder verlassen. „Ich habe nicht mitbekommen, dass da irgendwas angegangen ist. Wenn ich es mitbekommen hätte, hätte ich es ausgemacht“, erklärte sie.

Dass sie zwei Tage später bei der Polizei angerufen und mit dem zur Brandursachenermittlung eingesetzten Beamten gesprochen habe, räumte sie ein. „Ich habe gesagt, dass ich noch mal in der Laube war.“ Was genau sie dabei gesagt habe, das wisse sie nicht mehr. Und sie sei sich auch nicht bewusst, etwas getan zu haben, was zu dem Brand geführt haben könnte, erklärte sie ihren Einspruch gegen den Strafbefehl.

Richterin Antje Schlüter konfrontierte die 34-Jährige mit deren damaligen Angaben gegenüber dem Beamten: Sie habe erklärt, durch die Situation am Brandtag überfordert gewesen zu sein. Und dann mitgeteilt, dass sie beim Hinausgehen aus der Laube mit dem Karton gegen den Herd gestoßen sei, zitierte die Richterin weiter. „Es sagt doch keiner“, wandte sie sich an die Angeklagte, „dass Sie das mit Absicht gemacht haben. Wir reden von fahrlässig.“

Der Verteidiger brachte das Kind der Angeklagten ins Spiel, das diese am Brandtag begleitet hatte. Und damit die Frage, ob es womöglich unbeaufsichtigt gewesen sein könnte.

„Für mich als Staatsanwalt hängen Sie auf jeden Fall drin“, sagte dieser und machte deutlich: Entweder sei sie selbst gegen den Drehknopf des Herdes gestoßen. Oder aber das Kind. „Das wäre genauso fahrlässig, weil dann die Aufsichtspflicht über das Kind verletzt wurde.“

Die 34-Jährige könne ihren Einspruch auch zurückziehen, sagte der Staatsanwalt. Denn herausgestellt hatte sich, dass sie sehr viel mehr Einkommen hat, als die 600 Euro, die der Staatsanwalt bei der Beantragung der Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 20 Euro zugrunde gelegt hatte.

Richterin Antje Schlüter machte noch einmal die Situation deutlich: Ermittelt worden sei, dass das vordere rechte Kochfeld in Betrieb gewesen sei, Handtuch, Messerblock und Kunststoff-Kiste in Brand gesetzt worden seien und dass neben dem Brand am Herd mindestens die Tapete selbst gebrannt habe. „Damit ist der Tatbestand der fahrlässigen Brandstiftung erfüllt“, so die Richterin.

Es gebe drei Möglichkeiten, stellte Antje Schlüter klar: Es könne weiter verhandelt werden, wobei die Geldstrafe dann erhöht werden müsse. Sie könne aber auch ein Gutachten in Auftrag geben, was wesentlich teurer würde. „Ich kann nicht sagen, wer das bezahlt.“ Wenn es einen Freispruch gebe, „was ich nicht sehe“, so die Richterin weiter, gehe das Bezahlen des Gutachtens zu Lasten der Landeskasse; andernfalls müsse die 34-Jährige auch diese Kosten tragen. „Die dritte Möglichkeit: Sie nehmen den Einspruch zurück, dann bleibt es bei den 600 Euro.“ Antje Schlüter riet der Frau, sich gut zu überlegen, was sie tun wolle − auch wenn ihr Anwalt meine, das Gericht sei „auf dem falschen Pfad“. „Ich“, so die Richterin weiter, „sehe für einen Freispruch keinen Grund.“

Die 34-Jährige beriet sich mit ihrem Anwalt. „Ausschließlich aus Vernunftgründen nehmen wir den Einspruch zurück“, erklärte der Verteidiger schließlich. Damit gilt nun wieder der Strafbefehl.