Auf dem Saubacher Lindenberg lockt das traditionelle Schleppertreffen viele Teilnehmer und Gäste an.

Wie eine große Familie

Es gibt es längst nicht nur alte Traktoren zu sehen.

Von Gisela Jäger
Zwei Kraftpakete der sowjetischen Schwerlast-Transporterreihe Kraz waren ein Hingucker zum Schleppertreffen in Saubach.
Zwei Kraftpakete der sowjetischen Schwerlast-Transporterreihe Kraz waren ein Hingucker zum Schleppertreffen in Saubach. Foto: Gisela Jäger

Saubach - Es ist immer wieder erstaunlich, welche breite Vielfalt jahrzehntealter motorbetriebener Fahrzeugtechnik gesammelt, liebevoll restauriert und mit Stolz auf diversen Ausstellungen gezeigt wird. Das Saubacher Schleppertreffen, dass in diesem Jahr zwar sehr kurzfristig organisiert wurde, aber umso größeren Zuspruch fand, ist inzwischen eine gute Adresse dieser eingeschworenen Gemeinschaft. Denn hier rollen nicht nur die Zugmaschinen alter Feld- und Ackerbaugerätschaften an, mittlerweile versammeln sich zu diesem Juli-Treffen am Saubacher Kirmes-Wochenende auch andere Enthusiasten, die ihr Herz an manch außergewöhnliche Modelle hängen.

Von Lanz Bulldog bis Deutz sowie die Modelle der Hersteller Kramer, Fendt, IFA, Zetor, Ford, Famulus, Belarus, Fahr und Modelle der Serie RS reihten sich auf. Dazwischen standen auch Zwei- und Vierrad-Oldtimer, wie Trabi, Wartburg und Saporoshez, auch ein betagtes Feuerwehrfahrzeug, Marke Garant, drehte eine Ehrenrunde, ebenso ein Volkspolizei-Transporter Robur.

Eines der ältesten Modelle der Schau: Hagedorn Westfalia, 1935, mit Petroleumscheinwerfer, Seilzuglenkung. Unten: Kinderspaß mit Trampolin und Springburg.
Eines der ältesten Modelle der Schau: Hagedorn Westfalia, 1935, mit Petroleumscheinwerfer, Seilzuglenkung. Unten: Kinderspaß mit Trampolin und Springburg.
Foto: Gisela Jäger

Man muss schon ganz schön verrückt sein, um einen Kraz, ein ursprünglich sowjetisches Armeetransportfahrzeug, welches auch von den finnischen Streitkräften für Militärtransporte genutzt wurde, zu kaufen, per Fähre über die Ostsee zu überführen und eigens dafür noch eine großräumige Garage zu bauen. Doch genau das hat Andreas Zawichowski aus Nebra getan, der dieses robuste motorisierte Kraftpaket mit Allradantrieb 1992 in Finnland erwarb und nun erstmals auf der Wiese am Saubacher Lindenberg aufstellte. „Es ist ein schönes Hobby, und ich habe Spaß an dieser Technik“, sagt der Nebraer. Gleiche Ambitionen nannte ein Sammler aus Mühlhausen (Thüringen), der mit dem noch etwas größeren Kraz 255 B, Baujahr 1973, neben dem Nebraer aufgefahren war. Den dreiachsigen Lastwagen, militärisch bis zivil genutzt, mit 240 PS und Sechs-mal-sechs-Allrad hat sich der Hobbyschrauber zum Wohnmobil umgerüstet. Abenteuerlust und ein bisschen „Wahnsinn“ bewogen ihn dazu, denn der Mühlhäuser unternimmt Expeditionsreisen, die ihn bis hinter den Baikalsee führen.

So wie er erzählten viele der Aussteller von ihren ganz persönlichen „Abenteuern“ im Zusammenhang mit Erwerb, Reparatur und was an ihrem Hobby so begeistert. Dass nun endlich in diesem Jahr im Zuge der Pandemie-Lockerungen doch noch ein Treffen der Freunde alter Technik möglich wurde, empfanden die nach Saubach angereisten Aussteller aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen als großes Glück. „Wir verstehen uns als große Familie“, sagte ein Vertreter der Lanz-Bulldog Interessengemeinschaft Garnbach (Thüringen), die mit sieben Modellen sowie Frauen und Kindern, insgesamt 23 Beteiligten, bereits Freitag trotz des Dauerregens anrollten, so wie auch ein Großteil der anderen Aussteller. Die Garnbacher sind von Beginn an in Saubach dabei, kein Problem bei nur 15 Kilometer Anreise. Vereinsvorsitzender Hartmut Steineck stellte stolz seinen John Deere, Ackerluft, Baujahr 1940 vor - mit 20 PS damaliger Standard.

Schleppertreffen Saubach 2021
Schleppertreffen Saubach 2021
Foto: Gisela Jäger

Viele nutzen stets ihre Zugmaschinen, um diverse als Wohnmobile ausgebaute Hänger für die Übernachtung mitzuführen. Am Sonnabend standen immer wieder kleinere Gruppen der Sammler und Liebhaber alter Fahrzeugtechnik beieinander. Es wurde gefachsimpelt, Tipps wurden ausgetauscht, wo Ersatzteile zu haben sind und wo vielleicht noch mancher „Schatz“ auf eine versierte Schrauberhand zur Instandsetzung wartet. Für die mitgereisten Frauen und Familien wurde es auch nicht langweilig, denn auf dem Lindenberg waren für die Kinder eine Springburg und Seiltrampolin aufgebaut, Händler boten Speis und Trank, Kinderspielzeug, Sprücheschilder und vieles mehr an. André Köhler, Vorsitzender des Vereins Eventgeneration und Ausrichter, dankte seinen Mitstreitern, die sich mit Hochdruck in kurzer Zeit um die Organisation mit allen Auflagen, Genehmigungen und Hygieneanforderungen gekümmert hatten, so dass die Durchführung des Treffens möglich wurde.