Ehemaliger Landesschüler hat sich mit Kapitel der DDR-Geschichte beschäftigt

Wie der Sportunterricht in der EOS Schulpforta war

Frithjof Thöns erhält für Dokumentation Auszeichnung vom Bundespräsidenten.

Von Andreas Löffler 28.10.2021, 09:19 • Aktualisiert: 28.10.2021, 09:30
Blick auf Schulpforte, wo sich die einstige EOS befunden hat und heute die Landesschule ihren Sitz hat.
Blick auf Schulpforte, wo sich die einstige EOS befunden hat und heute die Landesschule ihren Sitz hat. (Foto: Hellfritzsch)

Schulpforte - Ob ihm Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ehrenurkunde nicht sogar persönlich vorbeibringen könnte, fragen wir Frithjof Thöns scherzhaft mit Blick auf dessen neuen Wohn- und Studienort Berlin. Der 18-Jährige, der von 2018 bis dieses Jahr die Landesschule in Schulpforte besuchte, hat beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten den Landessieg Sachsen-Anhalt errungen. „Na ja, das dann doch nicht - ich habe eine freundliche, wenn auch standardisierte Mail bekommen; und bei der Auszeichnungsveranstaltung Mitte Oktober in Magdeburg war ich leider verhindert“, schildert der 18-Jährige.

40-seitige Arbeit geschrieben

Den Sieg bei dem alle zwei Jahre ausgetragenen Wettbewerb hat der junge Mann mit einer gut 40-seitigen Arbeit über den Sportunterricht zu DDR-Zeiten an der damaligen Erweiterten Oberschule (EOS) Schulpforta davongetragen. „Mich hat der Sportunterricht hier an der Landesschule sehr geprägt. Früher eher ein Sportmuffel, habe ich dank der vielfältigen Möglichkeiten in Schulpforte inzwischen regelrecht Leidenschaft für körperliche Betätigung entwickelt“, berichtet er.

Als seine Sportlehrerin Liane Schmidt, die bereits seit 1986 an der Schule wirkt, zudem dann und wann auch mal über das „Früher“ und die Unterschiede zur heutigen pädagogischen Herangehensweise berichtete, weckte das alsbald sein spezielles Interesse. Thöns: „Der Sportunterricht in der DDR, zumal in einer Elite-Bildungseinrichtung wie hier, war ja sehr hierarchisch organisiert und zudem extrem leistungsorientiert ausgerichtet. Und dieser Zwang hat, wie ich im Zuge meiner Recherchen erfuhr, den eigenen Drang zum Sporttreiben oft sogar eher beschädigt.“

Frithjof Thöns, ehemaliger Schüler der Landesschule Pforta, ist Landessieger im Geschichtswettbewerb geworden.
Frithjof Thöns, ehemaliger Schüler der Landesschule Pforta, ist Landessieger im Geschichtswettbewerb geworden.
(Foto: Andreas Löffler)

Ein eindrückliches Beispiel dafür sei der damals alljährlich durchgeführte Ernst-Schneller-Gedächtnislauf beziehungsweise Schulcross gewesen. „Es fand dabei auch ein Wettbewerb der Klassen untereinander statt, dessen Endergebnis darauf fußte, wer den in Relation am wenigsten langsamsten Läufer in seinen Reihen hatte“, erzählt Frithjof Thöns. Die Folge: „Jene, denen Ausdauerlauf nicht lag und die nicht gut darin waren, fühlten sich in ihrer Unzulänglichkeit nun noch einmal ganz besonders ins Rampenlicht gezerrt, was genauso Gift für eine gesunde Selbstmotivation in puncto Sport war wie der Umstand, dass sogar die Gewährung von Freizeit-Ausgang etwa nach Bad Kösen oder Naumburg teils von den Sportnoten abhing“, legt er weiter dar.

Der Sportunterricht in der DDR, zumal in einer Elite-Bildungseinrichtung wie hier, war ja sehr hierarchisch organisiert und zudem extrem leistungsorientiert ausgerichtet.

Frithjof Thöns, ehemaliger Schüler der Landesschule Pforta

Eigentlich wollte Frithjof Thöns, der nun an der FU Berlin Film studiert, sich auch schon seinem Schulsport-Thema mittels Bewegtbild nähern und zum Beispiel eine typische DDR-Sportunterrichtsstunde rekonstruieren und drehen. Lockdown und Corona-Einschränkungen verhinderten dies zwar leider, doch habe er jede Menge hochspannende Zeitzeugen-Interviews mit ehemaligen Schülern und Lehrern der Landesschule führen können, die „in Summe ein sehr vielschichtiges Bild ergaben“. Thöns’ womöglich größter Erfolg: „Selbst die letzte DDR-Handelsministerin Sybille Reider hat mir ausführlich Rede und Antwort gestanden und mit ihren eigenen Schulzeit-Erinnerungen aus den 1960er-Jahren eine Periode beleuchtet, zu der ich bis dahin kaum Infos hatte.“

Wettbewerb gibt besonderen Impuls

Was neben Ehrenurkunde und 500 Euro Preisgeld für ihn persönlich außerdem vom Geschichtswettbewerb „hängenbliebe“? „Dass er einen wunderbaren Impuls liefert, miteinander ins Gespräch zu kommen, auf mitunter fast berührend persönliche Weise. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass wir Schüler unseren Lehrern nicht zugestehen, dass die mal Heranwachsende waren. Und dann zu erfahren, wie die als junge Menschen mit bestimmten Herausforderungen oder gar Bedrängungen ihren Umgang zu finden versuchten, schafft eine ungekannte Verbundenheit.“