Nationales Naturerbe Rödel

Naturschützer beklagen falschen Umgang mit Wildpferden

Viel mehr Menschen zieht es auf das Hochplateau nahe Freyburg. Das hat Folgen.

Von Constanze Matthes
Seit 2009 sind auf dem Rödel nahe Freyburg Wildpferde angesiedelt. Die Naturstiftung David beklagt, das Wanderer die Tiere falsch behandeln.
Seit 2009 sind auf dem Rödel nahe Freyburg Wildpferde angesiedelt. Die Naturstiftung David beklagt, das Wanderer die Tiere falsch behandeln. (Foto: Torsten Biel)

Freyburg - Sie sind mittlerweile zum Besuchermagneten wider Willen geworden. Sie werden gestreichelt und gefüttert. Und nicht nur das. „Wir haben auch erfahren, dass eine Mutter ihr Kind auf ein Pferd gesetzt hat. Das soll aber bisher ein Einzelfall gewesen sein“, so Jana Planek, Projektleiterin Naturschutz in der in Erfurt ansässigen Naturstiftung David.

Seit 2018 liegt das 182 Hektar große Gebiet des Rödel nahe Freyburg in deren Händen. Seit 2009 weidet dort eine Konik-Herde der Agrar GmbH Crawinkel. Mit Besorgnis wird das Verhalten von Besuchern gesehen, die mittlerweile in Scharen auf das Hochplateau ziehen. Jana Planek sieht in der Entwicklung einen Corona-Effekt. „Es sind viel mehr Menschen unterwegs. Sie wollen raus. Das ist verständlich. Wir bemerken dies auch in anderen Schutzgebieten in Deutschland, die zunehmend unter Druck geraten“, so die Mitarbeiterin der Naturstiftung David. Dabei sei es für Wanderer nicht unbedingt leicht, Abstand zu den Tieren zu wahren. „Die Pferde gewöhnen sich an die Menschen, auch daran, dass sie gefüttert werden“, sagt Jana Planek. Trotz der besorgniserregenden Entwicklung wolle man die Fläche offen halten, seien Besucher willkommen.

Keine Fohlen mehr in der Herde

Doch das Thüringer Agrar-Unternehmen, Besitzer der Pferde, reagiert. „Es wird keine Hengste und damit keine Fohlen mehr geben. Und das haben wir uns auch gewünscht“, so Jana Planek. Allerdings spiele nicht nur der Mensch in dieser Überlegung, die als Ziel hat, die Tiere zu schützen, eine Rolle. Es gebe gesicherte Hinweise, dass Wölfe durch das Gebiet ziehen. Die Mitarbeiterin der Naturstiftung glaubt indes nicht, dass sich ein Rudel auf Dauer auf dem Rödel ansiedeln wird. Planek: „Es wird ein Durchzugsgebiet bleiben. Die Tiere brauchen eine größere Fläche.“

Doch nicht nur das Verhalten der Menschen gegenüber den Wildpferden stellt aus Sicht der Stiftung ein Problem für das sensible Gebiet dar: Wanderer, die offizielle Wege verlassen, Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner nicht anleinen, und weggeworfene Zigaretten-Kippen zählt die Mitarbeiterin der Naturstiftung David auf Nachfrage auf. Als weitere Maßnahme wurden deshalb zusätzliche Markierungen aufgestellt. Seit 2009 zählt der Rödel zum Nationalen Naturerbe. Hier sind zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten heimisch. Dass beispielsweise Populationen wie im Fall der Blauflügeligen und Rotflügeligen Ödlandschrecke sich vergrößern, nennt Jana Planek als Erfolg für die Beweidung, an der neben den Wildpferden seit 2012 auch Ziegen beteiligt sind.

Geführte Wanderung am 18. September

Die Naturstiftung David arbeitet mit Partnern zusammen, wie dem Naturpark Saale-Unstrut-Triasland, der Hochschule Anhalt, die das Beweidungsprojekt wissenschaftlich begleitet, der Stiftung Grüne Tatze, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, ehrenamtlichen Helfer des Nabu sowie Pächter des Rödel.

Unter dem Titel „Rödel - Refugium für seltene Arten und Nationales Naturerbe“ lädt die Naturstiftung David am Sonnabend, 18. September, zu einer zweistündigen kostenfreien Tour über das artenreiche Offenland des Areals ein. Treffpunkt ist 14 Uhr der Wanderparkplatz in Großwilsdorf. Die Teilnehmer erfahren Wissenswertes über seltene Tier- und Pflanzenarten, die Bedeutung des Gebiets für den Naturschutz und wie sich die Stiftung für den Erhalt des „Nationales Naturerbe“ einsetzt. Wetterfeste Kleidung sowie festes Schuhwerk werden angeraten. Die Tour ist auf 25 Personen begrenzt, so dass eine Anmeldung bis Donnerstag, 16. September, 14 Uhr, erforderlich ist. Bei hoher Nachfrage wird ein Zusatztermin angeboten.

Anmeldung für die geführte Wanderung: 0361/71012932 (13. bis 16. September, 8-14 Uhr) oder E-Mail an: katharina.kuhlmey@naturstiftung-david.de