Wenzelskirche

Mitten hinein ins Musikleben

Der 23-jährige Karl Joseph Eckel ist seit Mitte September neuer Assistenzorganist. Welcher Weg ihn nach Naumburg führte.

Von Jana Kainz 17.11.2021, 09:41
Mit Karl Joseph Eckel, hier am Spieltisch der Hildebrandt-Orgel,  hat Naumburg einen neuen Assistenzorganisten an der  Stadtkirche St. Wenzel.
Mit Karl Joseph Eckel, hier am Spieltisch der Hildebrandt-Orgel, hat Naumburg einen neuen Assistenzorganisten an der Stadtkirche St. Wenzel. Foto: Andreas Löffler

Naumburg - Sieben Konzerte hat er bereits seit Mitte September auf der berühmten und unter Organisten weltweit hoch geschätzten Hildebrandt-Orgel gespielt. „Doch erst jetzt realisiere ich es etwas, dass ich hier bin“, sagt Karl Joseph Eckel und spielt damit auf seine Stelle als Assistenzorganist an der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel an.

Ein Anstoß von den Eltern

Am 15. September trat er die Nachfolge von Julia Raasch an. „Das war ein Mittwoch, da hatte ich mit einem Konzert gleich meine Feuertaufe und am 16.6. war hier mein Vorspiel. Mein letzter Tag als Assistenzorganist ist dann der 14.9.2023“, kennt er die Termine aus dem Effeff. Hat er ein Faible für Zahlen? Eckel schmunzelt: „Dass ich das alles so genau weiß, liegt an den vielen Terminen, die mein Bachelor-Abschluss mit sich gebracht hat, da musste gut organisiert werden.“

An der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ studiert der 23-Jährige Kirchenmusik - bislang im Bachelor-, nun im Masterstudiengang. Doch anders als bisher handelt es sich bei ihm nun um ein „Teilzeitstudium“, denn die andere Hälfte seiner Zeit, genau 20 Wochenstunden, ist er als Assistenzorganist in Naumburg beschäftigt. Den Weg für die musikalische Laufbahn beginnt meist in Kindertagen. In der Tat hat auch der gebürtige Zwenkauer als Drittklässler seinen ersten Klavierunterricht erhalten. „Meinen Eltern war es wichtig, dass jedes Kind ein Instrument erlernt, allein schon wegen der Allgemeinbildung“, so der Sohn dankbar. Nicht jeder der drei Söhne ist Musiker geworden. Eckels älterer Bruder Christopher Gogolin - „wir sind eine Patchworkfamilie“, erklärt er - erlernte das Spiel auf dem Akkordeon und ist jetzt Unternehmer. Sein jüngerer Bruder, Franz Josef Eckel, ist Hobbyschlagzeuger und sieht seine Zukunft in der darstellenden Kunst.

So waren es vor allem das Gymnasium und das anschließende Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD), dass Karl Joseph Eckel eine Karriere als Musiker wagte. In der Markkleeberger Rudolf-Hildebrand-Schule, ein Gymnasium, wählte er den Musikzweig. „Der ist richtig gut, davon zehre ich heute noch“, betont er.

Dirigent zweier Chöre

Am Gymnasium machte ihn sein Lehrer auch mit dem Dirigieren vertraut, erst theoretisch, dann praktisch. So entdeckte Eckel ein neues musikalisches Betätigungsfeld für sich. Inzwischen dirigiert er zwei zwischen 25 und 30 Mitglieder starke Chöre: den Leipziger Dachkammerchor und den Leipziger Konzertchor. „Super gern“ arbeite er, wie er sagt, als Dirigent. Doch in den vergangenen fast 20 Monaten wurde er da wie viele andere Dirigenten und Chöre arg ausgebremst. Übrigens war Eckel als älterer Gymnasiast schon längst mit dem Orgelspiel vertraut. Als in seiner Heimat der Kantor wechselte, meinten die Eltern, dass sich der Sohn auch dort ausprobieren könnte. Fortan erhielt er beim neuen Kantor Unterricht und war begeistert.

Unterricht bei Espen Melbö

Es dauerte nicht lange, und der Weg führte ihn weiter, wurde Eckel Seminarschüler der Meisterklasse für Orgel an seiner späteren Hochschule. 2013 ließ man ihm die Nachwuchsförderung angedeihen und nahm ihn in die Meisterklasse auf. „Ich wurde auch von Espen Melbö unterrichtet, den die Naumburger noch kennen dürften“, so Eckel.

Dennoch war er sich in der Abiturstufe nicht schlüssig, ob er sein Glück als Berufsmusiker suchen sollte. Daher packte er nach bestandenem Abitur die Gelegenheit beim Schopfe und absolvierte ein Jahr BFD am Freiberger Dom. „Das ist das Beste, was mir nach dem Abitur passieren konnte“, sagt der junge Mann. Ihm wurden tiefe Einblicke ermöglicht: „Ich war mitten im musikalischen Leben drin.“ Das habe ihn inspiriert und letztlich zum Kirchenmusikstudium bewegt.

„Dass ich nun während des Studiums hier an der Hildebrandt-Orgel spielen darf - kostenlos und regelmäßig -, das ist das Sahnehäubchen“, betont der vor Glück strahlende Assistenzorganist.