Neuer „Ruheforst Marienthal“ eingeweiht

Letzte Ruhe mitten im Wald

Viele Akteure und Gäste nehmen teil an Feier im Eckartsbergaer Ortsteil.

Von Gisela Jäger 13.10.2021, 10:15
Blick zum Marienthaler Teich: ein Teil des Laubwaldes ist nun ein Ruheforst, in dem bereits 26 Frauen und Männer ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Blick zum Marienthaler Teich: ein Teil des Laubwaldes ist nun ein Ruheforst, in dem bereits 26 Frauen und Männer ihre letzte Ruhe gefunden haben. (Foto: Torsten Biel)

Marienthal - Der nur zwei Kilometer von Eckartsberga entfernt liegende Ortsteil Marienthal beeindruckt nicht nur durch die imposante Kastanienallee. Insbesondere ist es der wunderschöne Laubmischwald, in den Marienthal eingebettet ist, der fasziniert. Er strahlt viel Ruhe und Beschaulichkeit aus und ist damit ein idealer Platz für einen Ruheforst. Als solcher wurde der Mischwald dieser Tage feierlich eingeweiht und an die Stadt als kommunaler Träger übergeben.

Fortan kann man im „Ruheforst Marienthal“ die letzte Ruhe in einem etwa zwei Hektar großen und noch erweiterungsfähigen Waldstück mit schönem alten Baumbestand finden. Initiiert worden ist der Ruheforst von Waldbesitzer Markus Feußner, der bei der Umsetzung von vielen Partnern und Unterstützern Hilfe erfuhr. Betrieben wird der Ruheforst indes von der Marienthaler Forst GbR.

Geschichtsträchtiger Boden

Das Waldstück, das nun offiziell seiner besonderen Bestimmung übergeben worden ist, grenzt an das Schloss Marienthal, wird vom Finne-Wanderweg flankiert und ist nur einen kurzen Waldweg von der Kastanienallee aus zu erreichen. Der Einladung zum Festakt der offiziellen Freigabe waren Gäste aus der Kommunalpolitik, darunter Verbandsgemeindebürgermeisterin Monika Ludwig, Leiter und Mitarbeiter des Betreuungsforstamtes Naumburg, die Beratungsfirma zur Konzeptumsetzung und weitere Interessierte gefolgt. Ein hallesches Musik-Duo eröffnete und umrahmte auf E-Piano und Saxofon die Feierstunde im umfriedeten Bereich mit der Ruhestätte der einstigen Schlossbesitzerfamilie von Wilmowsky. Und letztlich gab die Eckartsbergaer Pfarrerin Bettina Plötner-Walter den christlichen Segen für diese besondere Ruhestätte. Markus Feußner sprach von einem Stück historischen Boden, vom ursprünglichen Schlossstandort und einer Klostergründung in der Nähe und nicht zuletzt einer wertvollen Waldlandschaft, in der nun vom Ruheforst aus gesehen die Blickachse zu dem im Tal liegenden Schlossteich wieder freigelegt wurde.

Jost Arnold von der Ruheforst Deutschland GmbH kam nicht mit leeren Händen. Er  überreichte Marlis Vogel und Markus Feußner ein Holzschild.
Jost Arnold von der Ruheforst Deutschland GmbH kam nicht mit leeren Händen. Er überreichte Marlis Vogel und Markus Feußner ein Holzschild.
(Foto: Torsten Biel)

Mit dem Ruheforst werde dem neuen Zeitgeist und der fließenden Veränderung in der Bestattungskultur entsprochen. Der Wald steht beispielhaft für den Lebenszyklus aus Wachsen, Werden und Vergehen, wobei der Baum das verbindende Element zwischen Himmel und Erde ist. Ein Wald strahle durch seine friedliche Ruhe auch eine Mystik aus, die Menschen immer aufs Neue bezaubert. Dankesworte richtete Feußner an alle an der Schaffung des Ruheforstes Beteiligte, die Stadt Eckartsberga - vertreten durch Bürgermeisterin Marlis Vogel, die Verbandsgemeinde An der Finne und den Burgenlandkreis, um alle rechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen, das Betreuungsforstamt – Landeszentrum Wald sowie das Umweltamt als weitere Genehmigungsbehörden. Schließlich galt der Dank der Ruheforst GmbH, die als Beratungsunternehmen die Konzeption übernommen hatte und durch Geschäftsführer Jost Arnold sowie den Assessor des Forstdienstes, Matthias Budde, beim Festakt vertreten war.

Gab dem  Ruheforst Marienthal den Segen: Pfarrerin Bettina Plötner-Walter im umfriedeten Rondell - der Ruhestätte der  Familie von Wilmowky.
Gab dem Ruheforst Marienthal den Segen: Pfarrerin Bettina Plötner-Walter im umfriedeten Rondell - der Ruhestätte der Familie von Wilmowky.
(Foto: Torsten Biel)

Feußner lobte den Fleiß der beiden Mitarbeiter und die Gartenbaufirma für die Gestaltung des Geländes sowie die tatkräftige Unterstützung durch die Caritas Behindertenwerkstatt Burgenlandkreis Osterfeld als sozialen Mehrwert im Projekt. Jost Arnold dankte seinerseits für das große Engagement vor Ort und die Bereitstellung der Waldfläche. Für die Ruheforst GmbH ist Marienthal das 75. Projekt in Deutschland und der vierte Standort in Sachsen-Anhalt, welcher fachlich begleitet und umgesetzt werden konnte.

Neue Bestattungsform

Die Bestattung in einem Ruheforst komme, laut Arnold, dem Wunsch vieler Menschen entgegen. Zudem würden die neuen Bestattungsformen, die sich von der traditionellen Erd- zur Urnenbestattung wandeln, auch darauf abzielen, Kosten und Pflege zu sparen, weil Angehörige dazu nicht immer in der Lage sind. Arnold brachte mit dem Gedicht „Der Wald ist wie eine Kirche“ zum Ausdruck, dass einem Ruheforst Nachhaltigkeit innewohnt, Leben und Tod im Wald im natürlichen Kreislauf dicht beieinanderliegen.

Bevor Feußner zum Umtrunk samt anschließendem geselligen Beisammensein einlud, dankte Bürgermeisterin Marlis Vogel für die Einrichtung des Ruheforstes, der nicht nur eine andere Bestattungsform eröffnet und für die Friedhofslandschaft der Gemeinde eine Bereicherung ist, sondern auch Bewohnern benachbarter Regionen zur Verfügung steht.

Mit dem „Ruheforst Marienthal“, der in Markus Feußners  Wald liegt, wird den Bewohnern in der Finne-Region eine neue Bestattungsform eröffnet.
Mit dem „Ruheforst Marienthal“, der in Markus Feußners Wald liegt, wird den Bewohnern in der Finne-Region eine neue Bestattungsform eröffnet.
(Foto: Torsten Biel)