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Wirtschaft und Unternehmen im Burgenlandkreis Abwechslungsreich und für die Ewigkeit: Was zwei „Gipfelstürmer“ an ihrem beruflichen Tun so lieben

In unserer losen Reihe „Jung und Alt in der Firmenwelt“ steht diesmal der Dachdeckerbetrieb Wiebicke in Possenhain im Blickpunkt.

Von Andreas Löffler 14.06.2024, 18:46
Azubi Leon Schwabe (l.) und der „Firmenälteste“ Mirko Kirchhof stehen an einem Einsatzort auf dem Gerüst.
Azubi Leon Schwabe (l.) und der „Firmenälteste“ Mirko Kirchhof stehen an einem Einsatzort auf dem Gerüst. (Foto: Andreas Löffler)

Possenhain - Welche Erwartungen haben junge Menschen an ihren Job, welche Visionen? Und wie blicken „alte Hasen“ auf ihren bereits zurückgelegten Berufsweg? In einer losen Reihe besucht Tageblatt/MZ Unternehmen an Saale und Unstrut, um dort mit Beschäftigten verschiedener Generationen ins Gespräch zu kommen – heute im Dachdeckerbetrieb von Andreas Wiebicke in Possenhain.

Überraschung: Der „Methusalem“ ist 45 Jahre jung!

Die erste große Überraschung beim Doppel-Interview mit Alt und Jung in Possenhain ist, dass zwar der jugendliche Part formvollendet ausgefüllt ist (mit dem gerade 18 Lenze zählenden Dachdecker-Azubi Leon Schwabe nämlich), man sich beim Alter des „Firmenältesten“ jedoch echt die Augen reiben muss: Denn Mirko Kirchhof als der „Methusalem“ des Betriebs zählt gerade einmal 45 Jahre! Soll heißen: Die 2016 von Andreas Wiebicke gegründete Firma ist in Sachen Altersdurchschnitt ein ausgesprochen junges Unternehmen. „Die meisten unserer 15 Mitarbeiter sind Ende 30. Dadurch verbinden uns die gleichen Themen und ein ähnlicher Humor. Wir haben eine echt gute Kameradschaft“, sagt der Chef, selbst erst 36 Jahre jung.

Chef Andreas Wiebicke hat das Possenhainer Unternehmen 2016 gegründet.
Chef Andreas Wiebicke hat das Possenhainer Unternehmen 2016 gegründet.
(Foto: Andreas Löffler)

Für Leon gab ein Praktikum entscheidenden Impuls Richtung Dachdecker-Lehre

Während „Oldie“ Mirko Kirchhof und „Jungspund“ Leon Schwabe unisono den Zusammenhalt in der Truppe loben, weichen beider Wege in den Beruf dann doch beträchtlich voneinander ab: Der Possenhainer Leon Schwabe hat Praktika in mehreren Bereichen gemacht, unter anderem auch in seinem Kindheitstraumberuf Kfz-Mechatroniker, und ist letztlich doch in dem Dachdeckerbetrieb in seinem Heimatort gelandet. Warum? „Weil es mir hier echt übelst gefällt“, sagt der Dachdecker-Azubi im ersten Lehrjahr voller Nachdruck. „Ich mag das Teamwork und die Abwechslung, kann mit Holz, Blech, Schiefer arbeiten.“

Gelernter Bautischler und Zimmerer Mirko ist Handwerker aus Leidenschaft

Sein älterer Kollege, der in Rössuln bei Hohenmölsen wohnt, hat indes eine „ganz schöne Runde gedreht“, wie er selbst findet. Gelernt hat Mirko Kirchhof Bautischler und Zimmerer. Weil es nach seinem Lehrabschluss 1998 – man vergleiche das mal mit der heutigen Situation! – kaum freie Stellen im Handwerk gab, verdingte er sich jahrelang fern der Heimat auf Montage. Nach einem beruflichen Intermezzo in der Sterilisationsabteilung eines Krankenhauses kam er 2018 zur Wiebicke GmbH. „Ich bin einfach Handwerker aus Leidenschaft. Ich mag es ganz wortwörtlich, dieses Hand-Werk, wie es etwa bei den besonders aufwendigen Fledermausgauben gefragt ist“, unterstreicht Mirko Kirchhof, der auch einen anderen Aspekt seines Tuns außerordentlich schätzt: „Es ist ungemein befriedigend, wenn ich zwischen Rössuln und Possenhain mit dem Auto unterwegs bin und auf die vielen von uns und mir gedeckten Dächer blicke“, hebt der Mittvierziger hervor. Und gerade beim Errichten von Dachstühlen gelte, dass man quasi etwas für die Ewigkeit schaffe, ein kleines Stück Geschichte schreibe, wie er meint.

Trotz Technikunterstützung: Ein körperlich anstrengender Beruf - zudem bei Wind und Wetter

Nachdem dermaßen viele Pluspunkte genannt wurden – gibt es denn nichts, was am Dachdecker-Dasein auch nicht so toll ist? „Es ist und bleibt ein körperlich anstrengender Beruf, noch dazu bei Wind und Wetter. Nur gut, dass es inzwischen viel Technikhilfe wie Kräne und Lifte gibt. Früher mussten die Lehrlinge das Material aufs Dach schleppen“, weiß Leon Schwabe.