Zu hohe Erwartungen

Zu hohe Erwartungen: Warum intelligente Stromzähler nicht halten, was sie versprechen

Merseburg - Endlich geschafft, könnte man sagen. Die Zukunft der intelligenten Stromzähler ist marktfähig und hält Einzug in Haushalte und Firmen. Der Stromanbieter Mitnetz Strom hat im Februar damit begonnen, in seinem Verbreitungsgebiet intelligente Stromzähler in Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr einzubauen, wenngleich diese Arbeit während der Pandemie doch vorerst wieder ...

Von Melain van Alst

Endlich geschafft, könnte man sagen. Die Zukunft der intelligenten Stromzähler ist marktfähig und hält Einzug in Haushalte und Firmen. Der Stromanbieter Mitnetz Strom hat im Februar damit begonnen, in seinem Verbreitungsgebiet intelligente Stromzähler in Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr einzubauen, wenngleich diese Arbeit während der Pandemie doch vorerst wieder ruht.

Möglich wird der Einsatz der intelligenten Zähler auch durch das Prüfsystem der Merseburger Firma „Exceeding Solutions“. Dessen Geschäftsführer Uwe Heuert sieht die Einführung der neuen Technik allerdings mit gespaltenen Gefühlen.

Intelligent werden die Zähler erst mit der Kommunikationseinheit

Nicht größer als eine Handfläche ist die Kommunikationseinheit, die aus einem modernen Stromzähler einen intelligenten macht. Moderne Zähler sollen alte analoge Modelle ersetzen und werden bereits seit 2017 im Verbreitungsgebiet der Mitnetz Strom eingebaut. Das ist so gesetzlich vorgesehen, wehren können sich Kunden dagegen nicht.

Intelligent werden die Zähler erst mit der Kommunikationseinheit, die in Fachkreisen mit dem englischen Begriff Smart Meter Gateway beschrieben ist. Dieses kleine Gerät soll den Weg in die Zukunft der Digitalisierung und der intelligenten Netzsteuerung ebnen. Ihre Funktion besteht darin, Messdaten auf sicherem Wege zu übertragen, um so das Stromnetz besser steuern zu können.

Kritik: Es passt an vielen technischen und prozessualen Stellen nicht zusammen

Gerade bei einer zunehmenden Zahl von Elektroautos, die Strom benötigen, und den vielen Einspeisern aus erneuerbaren Energiequellen wird das zukünftig nötig. Schon heute greifen Energieversorger immer wieder in das Netz ein, um es vor Überlastungen zu schützen. „Die Idee ist gut und passt zur Energiewende und die damit verbundenen Anforderungen, aber es passt an vielen technischen und prozessualen Stellen nicht zusammen“, kritisiert Uwe Heuert, einer der Geschäftsführer der Merseburger Firma.

Seine Kritik richtet sich gegen die Art und Weise, wie auf Bundesebene mit dem Thema umgegangen wurde. Zu viele Akteure hätten an verschiedenen Ecken gleichzeitig gearbeitet. Noch dazu wurde die Hürde für die Sicherheit der Kommunikationseinheiten sehr hoch angesetzt. „Das zuständige Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wollte eine sichere Komponente, und das ist richtig und wichtig.“

Intelligente Stromzähler können nicht viel außer die jährliche Zählkarte ersetzen

Doch bis die Hersteller diese Hürde genommen und so auch das Prüfsystem überstanden hatten, verging mehr Zeit als vom Gesetzgeber vorgesehen, und noch dazu hat es viel Geld verschlungen. Rausgekommen sind Kommunikationseinheiten der ersten Generation, die nicht das leisten, was sie sollen.

„Man hatte hohe Erwartungen an die Smart Meter Gateway, bis jetzt können sie aber nicht viel außer die jährliche Zählkarte zu ersetzen“, sagt Heuert weiter. Nicht ganz so deutlich formuliert es Stefan Buscher, Pressesprecher der Mitnetz Strom. „Die intelligenten Messsysteme besitzen noch nicht den vollen Funktionsumfang“, sagt er und schiebt nach, dass sein Unternehmen darauf auch keinen Einfluss habe.

Es wird nach Lösungen gesucht

Die Geräte schaffen derzeit nicht einmal die Mindestanforderungen, die im Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende festgelegt wurden. Es scheint an vielen Ecken zu mangeln. Die Speicherung von Daten in dem kleinen Gerät gehe zu Lasten der Funktionsdauer, meint Heuert.

„Schwierig ist zudem die stabile Kommunikation des Gerätes im Hausanschlusskasten im Keller.“ Doch er sieht auch Licht am Ende des Tunnels: Das Problem wurde auf Bundesebene erkannt und Arbeitsgruppen gebildet, die nach Lösungen suchten. (mz)