Unterstützung für Trägerverein

Unterstützung für Trägerverein: Ohne Technik keine Schule im Frauenhaus

Merseburg - Wer hier Schutz sucht, kommt nicht mit Laptop. Firma hilft dem Trägerverein mit einer Spende.

Von Undine Freyberg

Das Geld von der FirmaWiedenmann-Seile kommt genau richtig, denn das Merseburger Frauenschutzhaus muss digital dringend auf Vordermann gebracht werden. „Wir hatten mitbekommen, dass hier Unterstützung gebraucht wird, und wenn wir können, helfen wir gern“, sagt Ralf Winkler, der Prokurist der Firma, die unter anderem Kran- und Hebetechnik für Industriebetriebe instand setzt. „Wir haben zum Jahresende keine Weihnachtsgeschenke an Firmenkunden verteilt, sondern unterstützen zum Beispiel Blindenwerkstätten oder Sportvereine“, sagt Winkler.

Die Geldspende, die Christine Heusch jetzt entgegennehmen konnte, hilft dem Frauen- und Kinderschutzhaus dabei, seinen Eigenanteil für die rund 4.000 Euro teure Anschaffung von Laptops und anderer digitaler Technik aufzubringen, die zu einem großen Teil über Fördermittel finanziert wird. „Diese Dinge sind für das Haus ganz dringend nötig, denn die Auswirkungen der Coronapandemie machen natürlich auch vor unserem Haus nicht halt“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ) Aschersleben, der seit 1. Juli 2020 das Haus betreibt, nachdem die Lebenshilfe abgesprungen war.

„Oft kommen auch Mütter mit schulpflichtigen Kindern"

Ins Frauenschutzhaus kämen ja nicht nur Frauen, die vor ihrem gewalttätigen Partner flüchten. „Oft kommen ja auch Mütter mit schulpflichtigen Kindern. Also müssen wir hier auch die Voraussetzungen fürs Homeschooling schaffen.“ Ein Handy hätten zwar die meisten dabei, aber ansonsten hätten die Frauen meist gar nichts. Gerade mal die Sachen, die sie und die Kinder anhaben. Die meisten hätten kein Geld. „Und ordentliche Technik schon gleich gar nicht.“

Da die Pandemie auch Auswirkung auf die Beratungstätigkeit des Frauenschutzhauses hat, wird auch an dieser Stelle Technik gebraucht. „Wir mussten auf Online-Beratung umstellen und brauchen hierfür ein Programm, mit dem Videoberatung möglich ist“, sagt eine Mitarbeiterin des Hauses. Außerdem müsste man für die Updates der Sprachprogramme bezahlen, damit auch Frauen beraten werden können, die die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrschen. „Alles Kosten, über die wir gar nicht nachgedacht haben, als wir das Haus übernommen haben“, gesteht Heusch. Corona habe allerdings auch merklich dazu geführt, dass weniger Frauen anrufen. „Sie sind durch die aktuellen Einschränkungen sehr isoliert, trauen sich zum Beispiel nicht zu telefonieren, während ihr Partner in der Wohnung ist“, sagt die Mitarbeiterin.

Im Jahr 2020 wurden im Frauenschutzhaus 21 Frauen, 18 Kinder und vier Hunde aufgenommen

Im Jahr 2020 wurden im Frauenschutzhaus 21 Frauen, 18 Kinder und vier Hunde aufgenommen. Dabei reicht das Alter der Frauen, die hier Schutz bekommen haben, von Anfang 20 bis Ende 50. Wie lange die Frauen im Haus bleiben ist unterschiedlich. Manche bleiben nur eine Nacht, andere ein Jahr oder länger, was bei ausländischen Frauen mit ihrem Aufenthaltsstatus zu tun hat. Im Haus gibt es normalerweise Platz für sechs Frauen und vier Kinder. „Nach dem ersten Lockdown mussten wir diese Kapazität im Sommer allerdings um drei Plätze überschreiten, so groß war der Andrang“, erzählt Christine Heusch.

››Das Merseburger Frauenschutzhaus ist unter Tel. 03461/ 211005 zu erreichen. (mz)