Verhaftung

Polizei verhindert Anschlag in Merseburg: Syrer wird verhaftet.

Merseburg - Ein Flüchtling aus Syrien ist am Mittwochmittag in die Ausländerbehörde des Saalekreises in Merseburg gestürmt und hat mit einem Anschlag gedroht.

Von Dirk Skrzypczak

Für die Mitarbeiter der Ausländerbehörde des Saalekreises ist es ein Schock: Am späten Mittwochmittag stürmt ein Flüchtling aus Syrien in das Gebäude am Kloster in Merseburg und soll nach Aussagen von Zeugen mit einem Anschlag „wie in Berlin, der im Fernsehen zu sehen ist“, gedroht haben.

Polizei konnte Syrer überwältigen - nicht der erste Fall in der Ausländerbehörde Merseburg

Er hat eine Flasche mit einer Flüssigkeit bei sich, die später durch die Kriminaltechnik untersucht wird. Nach MZ-Informationen handelt es sich offenbar um Benzin. Die alarmierte Polizei kann den Mann überwältigen, bevor etwas passiert. Er wird vorläufig festgenommen. Unklar ist, ob sich zum Tatzeitpunkt der private Sicherheitsdienst in dem Objekt befunden hatte. Der Landkreis bezahlt eine Security-Firma, um den Geschäftsbetrieb in der Behörde abzusichern, nachdem es in der Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen gekommen war.

So ernst wie am Mittwoch war es aber wohl noch nie. Die Ermittlungen führt die Kriminalpolizei des Saalekreis-Reviers. „Die Befragungen dauern an. Detaillierte Angaben können wir daher nicht machen“, sagt Polizeisprecherin Ulrike Diener. Vorerst bleibt unklar, ob gegen den Mann Haftbefehl beantragt wird. 24 Stunden darf ihn die Polizei maximal festhalten. Danach muss er freigelassen werden - oder der Staatsanwalt beantragt bei Gericht einen Haftbefehl. Auf Fragen der MZ, ob von dem Täter eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgeht, antwortet am Abend Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamtes. „Die Polizei prüft immer die Gefahrenlage. Das passiert unabhängig der nationalen Herkunft der Person.“

Ähnlicher Vorfall in Unterkunft: andere Flüchtlinge greifen ein

Unbekannt ist der Syrer den Behörden freilich nicht. Am Montagabend war er in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in der Halleschen Straße in Merseburg ausgerastet. Laut Polizei hatte er im Küchenbereich einen Mitbewohner aus Afghanistan mit einem Messer bedroht. Anschließend soll der Syrer seinem Opfer, ohne Messer,  bis  auf dessen Zimmer gefolgt sein. Dort habe er den Afghanen mit Schlägen und Tritten verletzt.  „Andere Flüchtlinge sind dazwischengegangen“, sagt Martin Fiebiger, Prokurist der Betreuungs- und Integrationshilfe GmbH, die die Unterkunft betreibt. Dort werden ausschließlich männliche Flüchtlinge betreut, die  alleine nach Deutschland gekommen sind. 230 Personen sind es zur Zeit.

Seit Ende 2017 in Deutschland - seit sechs Monaten in Merseburg

Der Syrer hält sich der Polizei zufolge seit November 2015 in Deutschland auf. Sechs Monate lebt er mittlerweile im Flüchtlingsheim in Merseburg. Am Montag wurde er nach dem Angriff zunächst in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Ob er eventuell durch Kriegserlebnisse traumatisiert ist, vermag niemand zu sagen. „Der polizeiliche Staatsschutz wird sich damit befassen und ärztliche Hilfe einholen“, so  LKA-Sprecher von Koß. „Er ist auch in der Vergangenheit immer mal wieder verhaltensauffällig geworden und war sehr streitsüchtig“, erzählt Fiebiger. Allerdings sei es bis Montag nie zu Handgreiflichkeiten gekommen. Um Bewohner und Personal der Gemeinschaftsunterkunft zu schützen, habe er Hausverbot. „Damit muss sich der Landkreis selbst um seine Unterbringung und die richtige Betreuung kümmern“, sagt Fiebiger. Harte Fälle wie diese würden zwar immer mal wieder vorkommen, seien aber selten.
Der Landkreis, der sich am Mittwoch nicht äußerte, hatte nach der Attacke die Ausländerbehörde gegen 14 Uhr geschlossen und die zum Teil verstörten Mitarbeiter nach Hause geschickt. (mz)