Personalmangel in der Verwaltung

Personalmangel in der Verwaltung: Laufen Merseburg die Fachkräfte weg?

Merseburg - Es wird eng an der Fachkräftefront, deshalb schlägt die Stadt Merseburg Alarm. Denn: Der Stadtverwaltung fehlt zunehmend Personal. Und ganz oft verabschieden sich die Mitarbeiter ziemlich ...

Von Undine Freyberg

Es wird eng an der Fachkräftefront, deshalb schlägt die Stadt Merseburg Alarm. Denn: Der Stadtverwaltung fehlt zunehmend Personal. Und ganz oft verabschieden sich die Mitarbeiter ziemlich überraschend.

Flexiblen Renten als Grund für Personalmangel in Merseburg

Im Jahr 2018 hatte man für die Jahre 2019 und 2020 damit gerechnet, dass jeweils drei Mitarbeiter die Verwaltung verlassen würden, weil sie in den Ruhestand gehen. Tatsächlich sieht das Bild jedoch ganz anders aus. Im Jahr 2019 sind 24 Mitarbeiter ausgeschieden. Im Jahr 2020 werden es 17 sein.

Aber warum lag die Stadt mit ihren Vorhersagen so daneben? „Es hat mit den flexiblen Renten zu tun, also damit, dass manche die Möglichkeit genutzt haben, nach 45 Arbeitsjahren in Rente zu gehen“, erklärt Daniela Witzel, die Sachgebietsleiterin Personal. Aber es gebe auch Leute, die einfach kündigen. Deshalb glaube sie auch nicht, dass es bei der Zahl von 74 Stellen bleibt, die bis 2025 wiederbesetzt werden müssen. „Ich rechne mit mehr.“

Modernes Arbeiten: Work-Life-Balance und Gesundheitsmanagement

Um diesem Trend entgegenzuwirken, müsse den Mitarbeitern etwas geboten werden, um sie zu halten. „Viele möchten mobil und flexibel arbeiten können und erwarten vom Arbeitgeber auch ein bestimmtes Gesundheitsmanagement“, so Witzel, die seit 2012 bei der Stadtverwaltung arbeitet. Allerdings stelle die Stadt hohe Anforderungen bei Jobs, die sie ins Home Office schickt.

„Für Stadtplaner ist Home Office zum Beispiel ein Thema. Aber es gibt natürlich auch andere Stellen, wo das gar nicht geht.“ Zum Beispiel bei den Gärtnern des Grünflächenamtes oder bei den Mitarbeitern des Einwohnermeldewesens. „Zum einen arbeiten wir mit sensiblen Daten, und wir können ja den Bürger nicht zu einer Mitarbeiterin nach Hause schicken, um den neuen Reisepass abzuholen.“

Selbst auszubilden ist wichtig, künftige Mitarbeiter zu rekrutieren

24 Stellenausschreibungen werden von Sachgebietsleiterin Witzel und ihren Kollegen jährlich vorbereitet und veröffentlicht. Aktuell werden zwei Gärtner gesucht, da ist das Interesse nicht so groß. Für die Stelle des Streetworkers im Jugend- und Sportamt wird seit Monaten jemand gesucht. „Die Favoriten sind immer die Ausbildungsplätze für Verwaltungsfachangestellte. Da bekommen wir 100 Bewerbungen auf zwei Plätze“, sagt Daniela Witzel.

Selbst auszubilden sei auch ein wichtiger Weg, künftige Mitarbeiter zu rekrutieren. Aktuell habe man zwei Auszubildende zum Verwaltungsfachangestellten. 2021 kämen zwei weitere hinzu. Außerdem werde man zwei Studienplätze (duales Studium) im Bereich öffentliche Verwaltung besetzen.

Alle Abteilungen und Mitarbeiter müssen an einem Strang ziehen

„Fachkräfte sind Mangelware, deshalb wünsche ich mir, dass alle Abteilungen und Mitarbeiter hier an einem Strang ziehen und sich nach besten Kräften an der Ausbildung der künftigen Kollegen beteiligen“, sagt Witzel.

Zudem habe die Merseburger Stadtverwaltung mehrere Vorteile. „Wir sind so groß, dass wir eine sehr große Vielfalt an Verwaltungstätigkeiten anbieten können, aber wir sind auch flexibel und halten moderne Arbeitsmöglichkeiten vor.“ (mz)