Umfrage zu Wohnen und Mobilität

Merseburger mögen es ruhig

Bürger werden zu Präferenzen beim Thema Wohnen befragt.

Von Melain van Alst

Merseburg - Nicht immer ist das neu gebaute Eigenheim die erste Wahl. „Die Wahrnehmung der Bürgermeister ist eine andere, aber es gibt viele, die das Mietverhältnis bevorzugen. Das fällt nur nicht so auf“, sagt Annedore Bergfeld vom Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie eine Bürgerumfrage ausgewertet, an der sich über 880 Merseburger beteiligt haben und die in ein großangelegtes wissenschaftliches Projekt zum Thema Wohnen und Mobilität unter dem Namen „Interko2“ einfließt.

Umfrage zu Wohnen und Mobilität

Der eigentliche Fokus der Studie liegt auf dem Wachstumsraum Leipzig/Halle und den damit verbundenen Entwicklungen im angrenzenden Umfeld. Daher werden die Landkreise Leipzig, Nordsachsen und der Saalekreis in die Forschung eingebunden und Bürger aus sechs Kommunen befragt. In den ausgewählten Saalekreis-Städten Merseburg und Bad Dürrenberg haben Anwohner bereits 2019 eine Umfrage per Post erhalten. 2.700 Briefe gingen allein an die Kreisstadt, von denen 880 zurückgekommen seien. „Das sind 32 Prozent und eine sehr gute Basis für die Auswertung.“

Die Ergebnisse lägen nun vor und auch für Bad Dürrenberg werden diese bald freigegeben. Unterschieden wurden die Befragten in langjährig Ortsansässige, in jene, die seit 2013 zugezogen und jene, die innerhalb von Merseburg umgezogen sind. Fragen nach dem Wohnort, dem Zustand des Objektes, Ausstattungs- und Lagemerkmalen sowie die Zufriedenheit standen im Zentrum. Gleichzeitig wurden die Fragen je nach Gruppe ergänzt: Ansässige wurden gebeten, sich zu möglichen Umzugsplänen zu äußern und Menschen, die gerade innerhalb von Merseburg umgezogen waren, wurden zu den Gründen befragt.

Wunsch nach Eigenheim: Kreis verzeichnet Zuzüge aus Halle und Leipzig

Aufgefallen ist den Wissenschaftlern, dass den Merseburgern das ruhige Wohnumfeld besonders wichtig ist. „Das ist sehr stark ausgeprägt. Im Vergleich dazu war nur 62 Prozent die Nähe zum Arbeitsplatz wichtig, aber 93 Prozent das ruhige Umfeld“, sagt Bergfeld. Ein weiteres zentrales Ergebnis war, dass das neue Eigenheim nicht immer, wie so oft beschrieben, die erste Wahl ist.

„Damit wird eine unserer Vermutungen bestätigt, die sich aber nicht mit der Wahrnehmung vieler Bürgermeister deckt.“ Denn auch 30 Stadtoberhäupter wurden in Workshops in die Studie einbezogen und berichten von Zuzügen aus Halle und Leipzig, dem Wunsch nach einem Eigenheim.

Am Ende der Studie sollen Wohnstandortplanungen und eine Wohnbedarfsermittlung stehen

Die Wahrnehmung, so die Wissenschaftlerin, könnte aber dadurch etwas verzerrt sein, weil bei der Entstehung von Neubaugebieten die Kommune immer auch durch ihre Arbeit eingebunden wird. Wenn Menschen in eine Mietwohnung ziehen, vom Eigenheim in eine Wohnung oder innerhalb der Stadt die Mietverhältnisse wechseln, falle das schlicht nicht auf. Auch der Zuzug aus Halle und Leipzig wird bei der Befragung etwas relativiert. „Etwa 50 Prozent kommen aus anderen Gemeinden in Sachsen-Anhalt und dem näheren Umfeld.“

Am Ende der Studie sollen Wohnstandortplanungen und eine Wohnbedarfsermittlung stehen, von denen die Städte profitieren können. So können bevorzugte Ausstattungsmerkmale wie eine gute Energieeffizienz, Abstellmöglichkeiten für Rollatoren und Kinderwagen, die den Merseburgern wichtiger sind als ein Balkon oder schnelles Internet in die Planungen für einen Mietwohnungsmarkt einfließen. (mz)