„Er sagte immer wieder ,ficken’“

Mann versucht Merseburgerin auf dem Heimweg zu vergewaltigen

14.04.2021, 13:00

Merseburg - Eine Sommernacht im Juli 2020. Eine junge Frau ist nach einer Feier auf dem Heimweg nach Merseburg-West. An der B91-Unterführung an der Dürer-Schule kommt ihr ein junger Mann entgegen. Ihr ist die Situation unheimlich.

20-Jähriger versucht Frau auf dem Heimweg zu vergewaltigen

Der Mann folgt ihr, will aber zunächst nur wissen, wo die nächste Sparkasse ist. Sie erläutert es ihm, dann will sie gehen. Doch er lässt sie nicht. Deswegen steht der 20-Jährige seit Dienstag wegen sexuellen Missbrauchs und Körperverletzung vor dem Landgericht Halle.

Wie die junge Frau vor Gericht schilderte, fasste sie der Mann um den Hals, hielt ihr den Mund zu, drückte sie zu Boden. „Er hat mich am Gesäß berührt, an der Brust, hat immer wieder gesagt ,ficken’.“ Sie habe sich gewehrt, ihm eine Sektflasche auf den Oberschenkel geschlagen, immer wenn es möglich war, um Hilfe gerufen. Sie versuchte, ihr Handy zu entsperren, um einen Bekannten zu alarmieren.

Angreifer gesteht versuchte Vergewaltigung und begründet Tat mit Trauma

Aus der Gewalt des Angeklagten habe sie sich aber nicht befreien können. Der ließ jedoch nach „zwei bis drei Minuten“ von ihr ab. Der Grund war offenbar ein weiterer Mann, der sich dem Tatort näherte. Der Angreifer sei daraufhin geflüchtet.

Der Beschuldigte gestand den Angriff. Er habe „einen schlechten Tag“ gehabt, in seinem Kopf habe sich alles gedreht. Er deutete an, dass es um traumatische Erlebnisse ging, die er offenbar vor oder auf seiner Flucht nach Deutschland erlebt hat, wo er 2015 als unbegleiteter Minderjähriger ankam.

Täter war stark alkoholisiert und wacht verkatert im Gebüsch auf

Am fraglichen „schlechten“ Tag im vergangen Sommer habe er sich deshalb abends im Supermarkt eine Flasche Whiskey und vier Bier gekauft und auf dem Parkplatz getrunken. Als die Vorräte alle waren, sei er zur Tankstelle gegangen, um Whiskey-Cola zu kaufen. Auf dem Rückweg begegnete er der jungen Frau.

An Details wollte er sich wegen seiner Alkoholisierung nicht erinnern können, stritt aber auch nichts ab: „Ich bin dankbar, dass es nicht weitergegangen ist“, sagte er und beteuerte, dass er so eine Tat nüchtern nicht begangen hätte. Am nächsten Morgen sei er verkatert und mit zwei gebrochenen Fingern in einem Gebüsch aufgewacht.

Folgen des Angriffs: Merseburgerin hat Angst auf dem Heimweg

Die junge Merseburgerin, die bei ihm weder Alkoholgeruch, noch Sprachprobleme wahrgenommen hatte, erlitt Blutergüsse und Schürfwunden. Anhaltender sind jedoch die psychischen Folgen. „Im Dunkeln nach Hause zu laufen ist mir noch sehr unangenehm.“ Es gäbe auch Tage, wo sie zu Hause sitze und weine. Der Angeklagte wandte sich schließlich in sachlichem Ton direkt an die Frau: „Ich hoffe, wenn sie mich hinter Gittern sehen, sind sie glücklich und ihre psychologische Lage wird besser.“

Ob und wie lange, der 20-Jährige, der seit Dezember in Untersuchungshaft sitzt, ins Gefängnis muss, wird das Gericht voraussichtlich am Mittwoch entscheiden. Dann muss es auch die Frage klären, ob er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht behandelt wird. (mz/Robert Briest)