Kurzfilmdreh auf Burg Querfurt

Kurzfilmdreh auf Burg Querfurt: Ottonenkeller wird zum Gruselkabinett

Querfurt/MZ - Die Tür zum Ottonenkeller öffnet den Weg in das Gruselkabinett. Mit zwei Kolleginnen arbeitet Maskenbildnerin Irina Roglin an den Trollen. Ohren, Nasen und Hörner werden angeklebt, Realität und Fantasie mit Hautfarbe oder Kakaopulver verwischt. Bis zu zwei Stunden dauert so eine Verwandlung, die den Maskenbildnern einiges abverlangt. „Wir müssen viel tricksen, denn die Masken sind keine Maßanfertigungen“, sagt Roglin und greift zum ...

Von Dirk Skrzypczak 29.04.2013, 17:36

Die Tür zum Ottonenkeller öffnet den Weg in das Gruselkabinett. Mit zwei Kolleginnen arbeitet Maskenbildnerin Irina Roglin an den Trollen. Ohren, Nasen und Hörner werden angeklebt, Realität und Fantasie mit Hautfarbe oder Kakaopulver verwischt. Bis zu zwei Stunden dauert so eine Verwandlung, die den Maskenbildnern einiges abverlangt. „Wir müssen viel tricksen, denn die Masken sind keine Maßanfertigungen“, sagt Roglin und greift zum Pinsel.

Es ist ein ungeheurer Zeitdruck, unter dem Regisseur Christian von Aster und seine bunt zusammengewürfelte Mannschaft auf Burg Querfurt stehen. Der Crew bleibt nur dieses eine Wochenende, um alle Szenen in den Kasten zu bekommen. In der vergangenen Woche war der 40-köpfige Tross noch in Leipzig, hatte dort im Ratsplenarsaal und auf dem Südfriedhof sowie in der Bergstadt Bleiberg gedreht. Es ist der Enthusiasmus, der das Team antreibt, nicht das Geld. Mit 6 000 Euro ist das Budget für den Kurzfilm „Die schlimmsten aller Trolle“ äußerst knapp bemessen. Ohne den Idealismus von Schauspielern wie dem ganzen Stab würde das System nicht funktionieren. „Geld macht keinen Film aus. Es ist die Leidenschaft“, sagt der Leipziger von Aster, 39, ein Meister des schwarzen Humors.

Mit eben dieser Leidenschaft reißt der Buchautor und Kurzfilmpreisträger andere mit. Roger Möri etwa ist extra aus dem schweizerischen Olten angereist. „Ich habe Christian bei einer Lesung kennengelernt. Und ich bin happy, hier mitmachen zu können“, meint der 29-Jährige, der im Film ebenso einen der Trolle mimt wie der Chef selbst. Es ist ein lustiges Völkchen, eingeflogen aus allen Himmelsrichtungen, das sich auf der Burg trifft, sich selbst immer wieder auf die Schippe nimmt und trotzdem professionell arbeitet - und sei es die ganze Nacht durch. Vor allem: Es geht auch ohne Stars.

Da meckert niemand über den Neun-Stunden-Dreh in einem kalten Keller. „Heiter und intelligent“ soll der Film werden. Die Requisiten bringen die Leute zum Teil von zu Hause mit. Oder es wird improvisiert. Die Trollfelle sind ausrangierte Tarnanzüge von Scharfschützen. Die Speere für die Palastwachen hat ein Kumpel des Regisseurs in Rekordzeit geschmiedet. „Es macht einfach Spaß. Auch deshalb, weil alle mitziehen“, sagt Studentin Juliane Ernst, die Produktions-Assistentin. Frank Schetter, der Theater-„Papst“ aus Leipzig, ist nicht mehr am Set. Seine Rolle als König hat er schon gespielt.

Am Samstagabend, als sich die Nacht über die Burg legt, ziehen die Trolle im strömenden Regen zur Südost-Bastion. Im gleißenden Licht der Schweinwerfer steigen sie tief in das Herz der Wallanlage herab. Die Kamera läuft ...