Herbst 1989

Herbst 1989 : Wie haben Menschen aus dem Raum Merseburg die Wendezeit erlebt?

Merseburg - Das Leseturm-Projekt beleuchtet in seinem nächsten Buch Geschichten zum heißen Herbst 1989 aus unterschiedlichen Perspektiven.

Von Michael Bertram 30.03.2018, 13:00

Wie haben die Menschen aus dem Raum Merseburg die Wendezeit erlebt? Eine lebendige Debatte dazu erhoffen sich Katharina Mälzer und Pierre Kynast im Spätsommer dieses Jahres, wenn die inzwischen dritte Ausgabe von „Neues aus dem Leseturm“ erscheint. „Die Geschichten der Hobbyautoren, die uns für das neueste Buch bereits vorliegen, klingen schon sehr vielversprechend“, sagt Verleger Kynast.

Dem Untertitel des dritten Bandes „Heißer Herbst“ scheinen sie zumindest schonmal voll und ganz gerecht zu werden. „Man sieht schon jetzt, mit welch unterschiedlicher Perspektive die Menschen die Wendezeit erlebt haben, abhängig davon, in welcher Situation oder Rolle sie sich damals befanden“, sagt Mälzer. „Das Buch wird sicher Diskussionen hervorrufen.“

Demonstrationen, Mai-Kundgebungen und letzte Volkskammerwahlen

Beschrieben werde in den Geschichten die persönliche Sicht auf Demonstrationen, Mai-Kundgebungen, letzte Volkskammerwahlen oder auch einfach nur das sichtbare Bröckeln des Regimes. „Hoch interessant sind auch Interviews, die 20-jährige Autoren mit Zeitzeugen von damals geführt haben“, erzählt Mälzer. So wurden unter anderem einem Pfarrer und einem Umweltaktivisten dieselben Fragen gestellt. „Der Leser kann anhand der Antworten sehr gut nachvollziehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen in der damaligen Wendezeit waren.“

Auch Stimmungen sollen in den Beiträgen vermittelt werden. „Man bekommt öfter diesen Eindruck von Stärke und Umbruch vermittelt“, erklärt Kynast.

Russenkaserne, Strandkorb und TH

Auch er selbst und Mälzer haben eigene Erlebnisse in dem Buch geschildert, das im September im Handel erhältlich sein soll. Daneben sind Geschichten von Autoren, die sich regelmäßig in einer Art Werkstatt im Tiefen Keller treffen. „Wir wollen noch einmal die Menschen auffordern, uns ihre Erlebnisse zu schildern und aufzuschreiben“, sagt Mälzer. Hemmungen brauche man nicht haben, falls es mit dem Schreiben nicht so gut klappt. „Die Geschichten gehen vor Veröffentlichung alle nochmal durchs Lektorat“, sagt Mälzer.

Nachdem das erste Leseturm-Buch Allgemeines aus Merseburg in den Mittelpunkt gestellt hatte, knüpft der dritte Band an seinen Vorgänger an. Dieser hatte unter den Stichworten „Russenkaserne, Strandkorb und TH“ die DDR-Zeit beleuchtet.

››Interessierte Autoren können sich unter [email protected] melden. (mz)